Über vier Stunden lang stand Monfils beim 6:4, 2:6, 7:5, 1:6, 8:6-Erfolg gegen David Ferrer auf dem Platz. Die am Sonntagabend wegen Dunkelheit abgebrochene Partie wurde am Montag beim Stand von 2:0 für Ferrer im vierten Satz fortgeführt. Der spanische Weltranglisten-Siebte rettete sich problemlos in den Entscheidungssatz. Dort wechselte das Momentum regelmässig die Seite.
Monfils vergab beim Stand von 5:4 bei eigenem Service zwei Matchbälle, ehe er das Break hinnehmen musste. Später hatten beide Spieler nochmals je einen Matchball. Die nervenaufreibende Schlussphase mit spektakulären Ballwechseln entschied der Einheimische schliesslich doch noch für sich, nicht zuletzt dank des stärkeren Services, der es ihm ermöglichte, sich mit wenig Aufwand aus einigen brenzligen Situationen zu befreien.
"Ich werde immer stärker. In den letzten beiden Tagen habe ich sehr gutes Tennis gezeigt", freute sich Monfils vor dem Duell gegen Federer. "Jetzt muss ich aufhören, gegen diesen Schweizer zu verlieren." Von den sechs bisherigen Duellen konnte der 24-Jährige nur eines gewinnen, im letzten November in Paris-Bercy nach drei Tiebreaks und fünf abgewehrten Matchbällen.
"Es wird sehr schwierig", ist sich Monfils bewusst. "Aber ich spiele vor einem fantastischen Publikum, zu Hause." Für Federer ist es allerdings nichts Neues, gegen Monfils vor eher feindlich gesinntem Publikum zu spielen. Zum vierten Mal in Folge stehen sich die beiden in Paris gegenüber. Vor dem Duell in Paris-Bercy gewann der Schweizer 2008 im Halbfinal und 2009 im Viertelfinal des French Open.
Djokovic schon im Halbfinal
Bereits klar ist, dass der Sieger der Partie zwischen Federer und Monfils auf Novak Djokovic trifft. Der Serbe überstand den Viertelfinal vorzeitig und kampflos. Bereits gestern erklärte Fabio Fognini Forfait. Der über vierstündige Match gegen Albert Montañes (11:9 im fünften Satz) hatte beim Italiener seine Spuren hinterlassen. Eine Oberschenkelblessur verunmöglicht einen Einsatz.
Djokovic wird damit erst am Freitag wieder im Einsatz stehen. Ob die unverhoffte Pause für den Dominator des Jahres einen positiven oder negativen Einfluss hat, ist schwierig abzuschätzen. Dem Serben tut die viertägige Ruhephase einerseits sicherlich gut, schliesslich hat er in diesem Jahr schon 41 Partien bestritten. Anderseits besteht die Gefahr, dass er seinen Rhythmus verliert.
Das Forfait von Fognini hat Djokovic auf jeden Fall ein Stück näher an die Weltranglistenführung gebracht. Zieht er am Freitag in den Final ein, löst er Nadal an der Spitze des ATP-Rankings ab. Um den Saisonstartrekord von John McEnroe, der 1984 42 Siege aneinanderreihte, zu brechen, muss Djokovic nun aber neu das Turnier gewinnen, weil der Forfaitsieg nicht als Matchgewinn in die Statistik einfliesst.
Nadal ohne Satzverlust
In der anderen Tableauhälfte kommt Rafael Nadal nach durchzogenen ersten drei Runden langsam in Fahrt. Der Mallorquiner setzte sich gegen den 32-jährigen Kroaten Ivan Ljubicic, den ältesten Spieler unter den letzten 16, in zweieinhalb Stunden mit 7:5, 6:3, 6:3 durch. In Gefahr die Partie zu verlieren geriet der fünffache French-Open-Champion nie, obwohl Ljubicic durchaus ansprechend Widerstand leistete.
Trotz der Aufwärtstendenzen zeigte sich Nadal kritisch mit seinem Spiel: "Mir gelangen einige hervorragende Punkte, allerdings gleich gefolgt von sehr schlechten. Das ist derzeit mein Problem. Ich muss konstanter spielen." Bemerkenswert gesprächig ging er mit sich selber noch härter ins Gericht: "Man muss realistisch sein: Derzeit spiele ich nicht gut genug, um ein ernsthafter Anwärter auf den Titel zu sein." Understatements vom Weltranglisten-Ersten, der eine 42:1 Bilanz auf den Plätzen von Roland Garros aufweist.
Die einzige Niederlage bezog Nadal im Viertelfinal 2009 gegen Robin Söderling (ATP 5). Am Mittwoch trifft er zum dritten Mal in Folge beim French Open auf den Schweden. Im letzten Jahr konnte er sich für die überraschende Pleite revanchieren, als er sich im Final durchsetzte.
Murrays hängiger fünfter Satz
Während Djokovic schon den Halbfinal vorbereiten kann, steckt Andy Murray noch mitten in seinem Achtelfinal-Duell. Der schottische Weltranglisten-Vierte machte gegen den Serben Viktor Troicki (ATP 15) gestern Abend einen Zweisatz-Rückstand wett; der fünfte Umgang musste dann auf heute verschoben werden. Von der Knöchelverletzung, die sich Murray in der 3. Runde zugezogen hatte, war nichts zu merken. Der dreifache Grand-Slam-Finalist schien nicht handicapiert.
Petkovic fordert Scharapowa
Die von Heinz Günthardt mitbetreute Deutsche Andrea Petkovic erreichte zum zweiten Mal in ihrer Karriere und zum zweiten Mal in Folge den Viertelfinal eines Grand-Slam-Turniers. Die Nummer 12 der Welt setzte sich gegen Maria Kirilenko (WTA 27) durch. Es war der neunte Sieg in Folge für die gebürtige Bosnierin, die vorletzte Woche in Strassburg ihren zweiten WTA-Titel gewonnen hatte. Nun trifft Petkovic auf Maria Scharapowa (WTA 8).
Scharapowa ist neben Vorjahressiegerin Francesca Schiavone und Swetlana Kusnezowa die einzige Grand-Slam-Siegerin in der Runde der letzten acht. Bereits Endspiel-Erfahrung bringt Li Na mit, die als erste Chinesin die Viertelfinals des French Open erreichte. Die Australian-Open-Finalistin schlug die Tschechin Petra Kvitova (WTA 9) in drei Sätzen und trifft nun auf Victoria Asarenka (WTA 4), die Bestklassierte im Tableau verbliebene Spielerin.
Resultate:
Roland Garros. French Open. Grand-Slam-Turnier (21,757 Mio Franken/Sand). Männer. Achtelfinals: Rafael Nadal (Sp/1) s. Ivan Ljubicic (Kro) 7:5, 6:3, 6:3. Andy Murray (Gb/4) - Viktor Troicki (Ser/15) 4:6, 4:6, 6:3, 6:2; Spiel wegen Dunkelheit unterbrochen. Robin Söderling (Sd/5) s. Gilles Simon (Fr/18) 6:2, 6:3, 7:6 (7:5). Gaël Monfils (Fr/9) s. David Ferrer (Sp/7) 6:4, 2:6, 7:5, 1:6, 8:6. Juan Ignacio Chela (Arg) s. Alejandro Falla (Kol/Q) 4:6, 6:2, 1:6, 7:6 (7:5), 6:2. - Viertelfinal-Tableau: Nadal (1) - Söderling (5), Andy Murray (Gb/4)/Viktor Troicki (Ser/15) - Chela; Monfils (9) - Roger Federer (Sz/3), Novak Djokovic (Ser/2) s. Fabio Fognini (It) w.o.
Frauen. Achtelfinals: Viktoria Asarenka (WRuss/4) s. Jekaterina Makarowa (Russ) 6:2, 6:3. Li Na (China/6) s. Petra Kvitova (Tsch/9) 2:6, 6:1, 6:3. Maria Scharapowa (Russ/7) s. Agnieszka Radwanska (Pol/12) 7:6 (7:4), 7:5. Andrea Petkovic (De/15) s. Maria Kirilenko (Russ/25) 6:2, 2:6, 6:4. - Viertelfinal-Tableau: Swetlana Kusnezowa (Russ/13) - Marion Bartoli (Fr/11), Anastasia Pawljutschenkowa (Russ/14) - Francesca Schiavone (It/5), Li (6) - Asarenka (4), Scharapowa (7) - Petkovic (15).
(fest/Si)