Monopoly für Fortgelaufene
publiziert: Freitag, 22. Jun 2012 / 12:45 Uhr / aktualisiert: Freitag, 22. Jun 2012 / 17:30 Uhr
Griechenland nur noch für Bankzinsen gut...
Griechenland nur noch für Bankzinsen gut...

Beim G-20 Gipfel hat sich im Hinterzimmer eine illustre Rund zum Monopoly-Spielen versammelt. Hören wir mal ganz kurz rein...

«Jetzt lass mich endlich auch hinsitzen, Angela!»
«Such Dir doch Deinen eigenen Stuhl, François, und nerv nicht!»
«Ich muss meinen Stuhl nicht suchen! Du sitzt auf deinem und auf meinem, seit Nicolas gehen musste!»
«Oh, wirklich? Ach, tatsächlich. Ich rutsch gleich rüber, aber erst will ich noch würfeln.»
«Was???» Angela ignoriert François Aufschrei geflissentlich und lässt die Würfel rollen.
«Oh, Chance!» sie zieht die Karte und liesst laut vor, «'Ihre neuen Staatsanleihen sind so beliebt, dass sie sogar Zins dafür bekommen - die Bank zahlt ihnen 20 Milliarden!»
Sie rutscht endlich zur Seite und gibt die Würfel an François vorbei, der sich nun niederlässt, an David weiter, der sie lächelnd entgegennimmt.
«He! Ich bin dran!»
«Sorry, mein roter Freund, aber nur wer schon sitzt, bekommt die Würfel,» sagt es, und lässt diesen rollen.
«Acht... mal schaun... Oh, die Falkland Inseln. Ich bau hier eine U-Boot-Basis und bekomme dafür 4 Umfrage-Punkte!»
Er gibt seine Würfel an Barack weiter, der aber schon einen hat und nun drei Würfel rollen lässt. «Vierzehn! Ha, ich komme über den Start, kassiere 100 Milliarden und Lande auf dem Ereignisfeld...:
'Vor Ihrer Küste werden grosse Ölvorkommen entdeckt. Sie enteignen die Kleingrundbesitzer und füllen ihre Wahlkampfkasse mit einer Milliarde Lobbygeld!' - Joe, her mit der Milliarde!»
Joe, der wie immer die Bank übernommen hat, zählt das Geld ab und schiebt es an Barack hinüber.
Der gibt einen seiner Würfel an Mario weiter.
François stuppst unterdessen David an.
«Warum darf Barack eigentlich mit drei Würfeln spielen?»
«Er hat gedroht, nicht mehr zu spielen, wenn wir ihn nicht lassen, und da ihm das Brett gehört...»
«Ach so.»
Mario würfelt eine 3 und kommt auf das Rating-Feld. Widerwillig zieht er die Karte.
«Ihre Bonität ist überraschend um zwei Stufen reduziert worden. Ziehen Sie auf das nächste nicht Ihnen gehörende Feld und zahlen Sie die doppelte Miete!»
Er zieht weiter und landet auf Angelas «Frankfurt».
Angela strahlt, «das wären dann 200 Millionen. Aber die kannst du gleich an Joe weiter geben.»
Grummelnd nimmt Mario Geld von seinem ohnehin kleinen Stapel, schiebt es zu Joe rüber und gibt dann die Würfel an Jintao weiter.
Dieser hat auch drei Würfel, die er Rollen lässt und wieder stuppst François David an, der ungefragt antwortet.
«Jintao stellt die Würfel her. Und die Spielfiguren. Und das Spielgeld. Und die Kärtchen...»
Jintao wirft eine eins, eine drei und eine vier. Er zieht die acht Felder und kommt auf Griechenland zu stehen.
Grummelnd zahlt er die Miete direkt an Joe und François schaut wieder fragend zu David rüber.
«Die Griechen spielen schon lang nicht mehr mit. Sie generieren nur noch Zinsen für die Bank.»
In diesem Moment ertönt eine Glocke. Alle Spieler bis auf Jintao schieben einen grossten Teil ihres Geldes zu Joe hinüber und David erklärt, ohne auch nur den Blick von François abzuwarten.
«Die Glocke läutet, wenn Staatsanleihen zur Rückzahlung fällig sind...»
Mario hat nun gar kein Geld mehr, doch da betreten einige Herren in schwarz den Raum, stellen Mario einen Geldkoffer vor die Nase auf den Tisch und ziehen ihm gleichzeitig eine Zwangsjacke an, so dass er mit dem Geld nichts machen kann. Ebenso schnell wie sie kamen, verschwinden sie auch wieder.
«Und was zum Henker war das?»
«Das?» David und François schauen beide den sich in der Jacke windenden Mario an, während Joe beginnt, Nötchen um Nötchen aus dessen Koffer vor den Augen des hilflosen Besitzers zu stibitzen, «das war der Rettungsfond des IWF, warum?»

(Patrik Etschmayer/news.ch)

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