Montblanc-Prozess - Jetzt streiten die Experten
publiziert: Montag, 14. Feb 2005 / 12:11 Uhr / aktualisiert: Montag, 14. Feb 2005 / 12:36 Uhr

Annecy - Zwei Wochen lang wurde vor Gericht der Verlauf des Brandes im Montblanc-Tunnel nachgezeichnet, bei dem 39 Menschen fast restlos verbrannt waren. Mit Tränen der Trauer, aber auch mit bitterer Wut sahen die Hinterbliebenen Filme und hörten Berichte von Experten.

Der Montblanc-Tunnel nach der Brandkatastrophe, 39 Menschen verbrannten bei lebendigem Leib.
Der Montblanc-Tunnel nach der Brandkatastrophe, 39 Menschen verbrannten bei lebendigem Leib.
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Seit Montag streiten nun die Gutachter im Gerichtssaal von Bonneville, was die Katastrophe vom 24. März 1999 ausgelöst hat. Jetzt geht es um die Schuldfrage. Totenstill war es im Gerichtssaal, als der 27 Minuten lange Film gezeigt wurde, der den Unfallort einige Wochen nach dem Drama zeigt: von der Hitze gebleichte Tunneldecken, im geschmolzenen Asphalt eingesunkene Metallrahmen der Fahrzeuge, Trümmer.

Schwierige Identifizierung

Natürlich wusste jeder, dass ein Margarine-Laster in Brand geraten war und der Qualm für die 24 nachfolgenden Fahrzeuge zur Falle wurde. Doch erst die Bilder machen verständlich, warum von den Menschen kaum mehr übrig blieb als Zahnreste, Asche und Eheringe.

"Wir hatten Probleme, die Zahl der Opfer festzustellen", sagt der Ermittler Philippe Justo. Das letzte Opfer wurde fünf Monate nach dem Drama identifiziert.

"Diese Bilder sind schlimmer als meine schlimmsten Albträume", sagt Pierre-Etienne Denis den Medien. "Das ist Pompeji." Er habe versucht, die Stelle zu erkennen, wo seine Mutter, seine Schwester und sein Schwager den Tod fanden. "Das war wirklich sehr schwer durchzuhalten."

Christèle Guittet erkannte nicht einmal mehr das Auto ihrer Eltern. "Es ist schwer zu trauern, wenn von den Eltern nichts übrig bleibt", sagt sie.

Vermeidbar

Besonders schrecklich ist der Gedanke, dass der Tod nicht unvermeidlich war. "Es hätte sehr wohl gar kein Opfer geben müssen, wenn man beim ersten Rauch die Ampeln am Tunneleingang auf Rot gestellt hätte" sagt der Experte René Guichard.

Während neun langer Minuten seien "Menschen in den Tunnel gefahren, der sie in den Tod führt". Wer in der Falle sass, erstickte binnen zehn Minuten. "Man riecht die Gase aus dem brennenden Margarine-Laster nicht und bricht plötzlich zusammen", erklärt Guichard. Auch ein Fahrer, der sich in seinen Kühllaster flüchtete, hatte keine Chance.

Null Sicherheit

"Im Tunnel gab es null Sicherheit", behauptet der belgische Fernfahrer Walter Deneve. "Jedes Mal, wenn ich ihn nehmen musste, hatte ich den Eindruck, einen weiteren Nagel in meinen Sarg zu schlagen." Eine Katastrophe sei "vorherzusehen" gewesen.

Die Tunnelgesellschaft glaubte dagegen, vorgesorgt zu haben: mit 40 Überwachungskameras, Rauchmeldern und Fluchtnischen, in denen je 50 Menschen Brände mit Temperaturen bis 200 Grad aushalten sollten. Als der Ernstfall eintrat, erreichte die Hitze allerdings 1300 Grad. In den kommenden zwei Monaten geht es im Prozess darum, was zu dem Brand geführt hat. Gutachter werden darum streiten, ob eine falsch konzipierte Lüftung des Volvo-Lkw eine brennende Zigarette angesogen hat oder ob der Lkw schlecht gewartet war. Hersteller und Fuhrunternehmen weisen jede Schuld von sich.

(Hans-Hermann Nikolei/dpa)

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