Monumentale Gotik-Ausstellung in London
publiziert: Donnerstag, 9. Okt 2003 / 08:53 Uhr

London - In den schwarz drapierten Räumen des Victoria & Albert Museums in London führt ab Donnerstag eine monumentale Ausstellung ins Herz des englischen Spätmittelalters.

Die Ausstellung hält Schätze bereit, die bisher noch nie ausgestellt wurden.
Die Ausstellung hält Schätze bereit, die bisher noch nie ausgestellt wurden.
Die Ausstellung "Gotik. Kunst für England 1400-1567" zeigt mehr als 300 exquisit ausgewählte Schätze des englischen Spätmittelalters, darunter Schwerter, Rüstungen, Skulpturen, Gemälde, Schmuck, Dinge des höfischen Lebens.

Die Berühmten und Berüchtigten der Geschichte rücken in greifbare Nähe: Man kann im Stundenbuch des buckligen Richard III. lesen, der angeblich seine Neffen ermordete und im Tower einmauerte.

Die Rüstung Heinrich VIII. aus den Tagen, als noch nicht das Blut zweier Ehefrauen an seinen Händen klebte, ist ebenso zu sehen wie Helm, Schwert und Schild Heinrich V., der in die Schlacht von Agincourt zog. Zu den Prunkstücken gehört auch die mit Edelsteinen besetzte Krone der Margaret von York.

Von der Gotik zur Renaissance

Die hervorragend kommentierte Ausstellung widmet sich allen Aspekten des spätmittelalterlichen Lebens, von der Kriegsführung über das Mäzenatentum bis zur Tischkultur, vom Umgang mit Leben und Tod bis zum Abgesang der Ära, der Zerstörung und Auflösung der Klöster und Kirchen durch Heinrich VIII.

Die Ausstellung konzentriert sich auf England, zeigt aber zugleich die Internationalität des Stils. Viele Objekte wurden von Meistern des europäischen Festlands, vor allem aus den Niederlanden und Frankreich gefertigt.

Und während in England noch spitzwinklige Gotik vorherrschte, arbeitete man in Italien schon im modernsten, vergleichsweise naturalistischen Renaissance-Stil.

Die Engländer, damals wohlhabend wie in kaum einer Ära zuvor, kauften Renaissance-Kunst, die auch in der Schau zu sehen ist. So etwa zwei lebensechte Männerbüsten eines italienischen Künstlers, eine davon ist eine Darstellung Heinrichs VII.

"The Middleham Jewel"

Keine Aufklärung gibt es über den Besitzer eines ausgestellten Goldamuletts ("The Middleham Jewel") mit einem gefassten Edelstein, das 1985 zufällig mit einem Metall-Detektor entdeckt wurde.

Es enthält ein Geheimfach und magische Inschriften auf der Rückseite. Funde wie diese hält die Schau vielfach bereit. Ein sehr umfangreicher Katalog begleitet die Ausstellung, die bis zum 18. Januar 2004 zu sehen ist.

Weitere Infos

Katalog: "Gothic. Art For England 1400-1545." Hrsg. Richard Marks und Paul Williamson, V & A Publications, London 2003, 495 Seiten, rund 410 Farbabbildungen, 45 Pfund. www.vam.ac.uk

(bsk/sda)

 
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