Warnung in der Neujahrsnacht
Münchner Anschlagsverdacht nicht konkretisiert
publiziert: Freitag, 1. Jan 2016 / 17:43 Uhr / aktualisiert: Freitag, 1. Jan 2016 / 19:13 Uhr

München - Nach der Münchner Anschlagswarnung aus der Neujahrsnacht hat die Polizei keine konkreten Erkenntnisse über mögliche Attentate gewonnen. Die Hinweise darauf hätten sich nicht konkretisiert, sagte Polizeipräsident Hubertus Andrä am Freitag.

4 Meldungen im Zusammenhang
Demnach sollten fünf bis sieben Iraker und Syrer möglicherweise Anschläge auf den Hauptbahnhof oder den Bahnhof im Stadtteil Pasing verüben. Beide Bahnhöfe wurden vorübergehend gesperrt, in der Neujahrsnacht aber wieder freigegeben.

Der Zug- und S-Bahnverkehr war vorübergehend erheblich eingeschränkt. Silvesterfeiern in allen Teilen der 1,5 Millionen Einwohner grossen Stadt seien dagegen ohne besondere Beeinträchtigungen verlaufen, sagte Andrä. "Ich habe den Eindruck, dass die Leute sehr intensiv gefeiert haben."

Laut Andrä erhielt die Münchner Polizei am Silvesterabend gegen 19.40 Uhr Hinweise zu den möglichen Anschlägen. Zu etwa der Hälfte der angeblichen Attentäter hätten die Behörden Namen und Daten erhalten. Bislang sei aber noch nicht einmal klar, ob diese Menschen überhaupt existieren.

"Wir wissen nicht, ob die Namen stimmen, ob es die Personen wirklich gibt, und wo sich die Personen aufhalten", sagte Andrä. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann hatte in der Neujahrsnacht gesagt, das Bundeskriminalamt habe die bayerische Polizei darüber informiert, dass "von Seiten" der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zu Silvester ein Anschlag oder mehrere Attentate in München geplant seien.

Hinweise aus USA und Frankreich

Ein früher Hinweis kam nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa vor ein paar Tagen aus den USA. Eine konkrete Warnung für die Silvesternacht wurde dann an Silvester vom französischen Geheimdienst übermittelt. Der deutsche Nachrichtendienst (BND) wollte sich auf Anfrage nicht zum Sachverhalt äussern. Alle Hinweise seien vom Verfassungsschutz überprüft worden.

Zur Herkunft dieser Informationen sagte Andrä, es sei üblich, dass die Polizei Massnahmen ergreife, wenn es Hinweise anderer Nachrichtendienste gebe. Informationen würden besonders ernst genommen, wenn sie aus verschiedenen Quellen kämen.

Einer der Hinweise stammte nach Medienberichten aus dem Irak. Der BND habe den Hinweisgeber dort selbst befragen können, berichtete die "Süddeutsche Zeitung" (Samstag) nach gemeinsamen Recherchen mit WDR und NDR. Die erste Information sei den Sicherheitsbehörden spätestens am 23. Dezember bekanntgeworden, aber zunächst für unwahrscheinlich gehalten worden. Die Hinweise verdichteten sich dann aber.

Die in der Nacht in Alarmbereitschaft versetzte Polizei war am Freitag zunächst noch mit 100 zusätzlichen Beamten im Einsatz. In der Nacht waren es noch 550 gewesen.

"Kein Fehlalarm"

Vertreter von Bund und Ländern wiesen Spekulationen zurück, es habe sich um einen "Fehlalarm" gehandelt. "Die bayerischen Behörden haben mit Unterstützung der Bundespolizei umsichtig, besonnen und entschlossen gehandelt", erklärte der deutsche Innenminister Thomas de Maizière.

"Die Entscheidung war richtig", sagte auch Herrmann zu den Bahnhofssperrungen. Er verglich die Situation mit der von Hannover, wo im vergangenen November wenige Tage nach den Anschlägen von Paris ein Fussball-Länderspiel sehr kurzfristig abgesagt worden war.

"Wenn es solche Hinweise gibt, müssen wir handeln", sagte auch der Münchner Polizeipräsident Andrä. Auch die Gewerkschaft der Polizei (GdP) bezeichnete die Sicherheitsmassnahmen als "absolut gerechtfertigt". Wieder einmal hätten "die Sicherheitsbehörden ihre Handlungsfähigkeit bei akuten Terrorwarnungen unter Beweis gestellt", erklärte GdP-Vize Jörg Radek.

Die Polizei habe mit den Sperrungen und der Aufforderung an die Bürger, Menschenansammlungen zu meiden, offenbar die Pläne der Terroristen "durchkreuzt".

Weiterhin ernste Sicherheitslage

De Maizière geht nach dem Terroralarm in München von einer weiterhin ernsten Sicherheitslage in Deutschland aus. Es bestehe weiterhin eine "hohe Gefährdung durch den internationalen Terrorismus", erklärte der Innenminister.

Die Sicherheitsbehörden gingen Hinweisen nach "und passen die Massnahmen fortlaufend an die aktuelle Situation an". Dazu gehörten insbesondere Massnahmen zum Schutz der Bevölkerung. Im Fall München habe ein enger Informationsaustausch der betroffenen Sicherheitsbehörden im Gemeinsamen Terrorabwehrzentrum stattgefunden.

(bert/sda)

Kommentieren Sie jetzt diese news.ch - Meldung.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
München - Nach dem Terroralarm in ... mehr lesen
Die Polizei ist in München zurzeit verstärkt präsent. (Archivbild)
München - Nach der Räumung des ... mehr lesen
München - Wegen eines drohenden ... mehr lesen 1
Die Polizei in München ist in erhöhter Alarmbereitschaft. (Symbolbild)
München - Die Polizei in München ... mehr lesen
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 21
Über 500 Menschen waren an der Übung beteiligt.
Über 500 Menschen waren an der Übung beteiligt.
Übung mit 500 Helfern  Mit einem simulierten Attentat im Stade de France ist am Dienstag ein Worst-Case-Szenario für die EM in Frankreich durchgespielt worden. mehr lesen 
Keine unabhängigen Informationen  Beirut - Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat ihre Offensive im Norden Syriens am Dienstag fortgesetzt. ... mehr lesen   1
Idlib wurde mindestens sieben Mal aus der Luft angegriffen.
Der deutsche Bundespräsident Joachim Gauck nahm an der Gedenkfeier teil.
Erster Weltkrieg  Hamburg - Zum 100. Jahrestag der Skagerrak-Schlacht haben ... mehr lesen  
NATO-Generalsekretär hält Rede in Warschau  Warschau - NATO-Generalsekretär Stoltenberg sieht das Bündnis wenige Wochen vor dem Warschauer Gipfel vor grossen Herausforderungen. Einen neuen ... mehr lesen   1
Die NATO sei weiterhin an einem Dialog mit Russland interessiert.
Titel Forum Teaser
  • keinschaf aus Wladiwostok 2826
    belustigend peinlich Das kommt schon fast in die Nähe der Verwechslung von Oekonomie mit ... Mi, 28.12.16 01:21
  • Unwichtiger aus Zürich 11
    Grammatik? Wie kann Stoltenberg denn Heute schon wissen, welche Entscheidungen am ... Sa, 22.10.16 10:59
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Der phallophile Blick eines cerebrophoben Schäfleins! Frau Stämpfli schrieb am Ende ... Mo, 26.09.16 17:32
  • keinschaf aus Wladiwostok 2826
    phallophobe Geschichtsrückblicke "Und die grösste Denkerin des 21. Jahrhunderts? Verdient ihr Geld mit ... Sa, 13.08.16 17:48
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Alle Demonstranten gefilmt. Der Erdogan lässt doch keine Domo gegen sich zu! Die ... Di, 21.06.16 16:42
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Konzernrecht? Konzernpfusch! Was ist denn das? Konzerne werden vorwiegend von Vollidioten geführt. ... Fr, 10.06.16 17:49
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Das wird die Deutschen aber traurig machen. Wenn man keinen Flughafen und keinen Bahnhof ... Mi, 08.06.16 17:49
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3945
    Der... Daesh (IS) kommt immer mehr unter Druck. Davon sind inzwischen auch ... Do, 02.06.16 19:22
Jonathan Mann moderiert auf CNN International immer samstags, um 20.00 Uhr, die US- Politsendung Political Mann.
CNN-News Was würde «Präsident Trump» tatsächlich bedeuten? Noch ist absolut nichts sicher, doch es ...
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Mo Di
Zürich 14°C 22°C wechselnd bewölkt, Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig recht sonnig
Basel 15°C 23°C wechselnd bewölkt, Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig sonnig
St. Gallen 13°C 19°C gewittrige Regengüsseleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig recht sonnig
Bern 13°C 22°C wechselnd bewölkt, Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig recht sonnig
Luzern 14°C 21°C stark bewölkt, Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig recht sonnig
Genf 14°C 22°C Wolkenfelder, kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig sonnig
Lugano 16°C 28°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich recht sonnig
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten