«Munich»: Ein Thriller für den Frieden
publiziert: Dienstag, 24. Jan 2006 / 08:42 Uhr

Bern - Ein Thriller über das Olympia-Attentat von München ist angekündigt, doch Steven Spielberg sieht seinen neuen Film als ein «Gebet für den Frieden».

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Das Werk des Oscar-Preisträgers, das am Donnerstag in der Schweiz anläuft, ist ein hoch aktueller Appell gegen die Unnachgiebigkeit auf beiden Seiten - der Israelis und der Palästinenser.

Rache als Reaktion auf Terror

Der Titel «Munich» verweist zwar direkt auf den palästinensischen Terroranschlag während der Olympischen Spiele 1972 in der bayerischen Landeshauptstadt.

Doch das Attentat auf die israelische Mannschaft ist hier Auslöser für weitere Kapitel der Gewalt. Spielbergs eigentliches Thema ist die Rache als Reaktion auf Terror. Die Spirale von Gewalt, die keinen Weg zur Versöhnung weist.

Der amerikanische Jude Spielberg, der mit dem Drama «Schindler's List» einen der besten Filme über den Holocaust gedreht hat, bemüht sich um Ausgleich im Nahost-Konflikt und stellt dabei Israelis und Palästinenser auf eine Stufe.

Von Zweifeln geplagt

Figuren auf beiden Seiten lässt er fast wortgleich sagen, dass all die Toten nur für einen «Ort zum Leben» gestorben sind. Das hat ihm in ersten israelischen Reaktionen keine Lorbeeren eingebracht.

In «Munich» schickt Spielberg ein Killer-Kommando im Auftrag des israelischen Geheimdienstes Mossad los, um all jene Palästinenser der Organisation «Schwarzer September» zu töten, die für das Olympia-Massaker verantwortlich gemacht werden. Eine Telefonbombe in Paris, ein Anschlag in Beirut, Schüsse in Spanien. Die jüdischen Vollstrecker arbeiten effizient und erfolgreich.

Doch vor allem ihr junger, patriotischer Anführer, gespielt von Eric Bana, wird zunehmend von Zweifeln geplagt. Mit jedem Mord, das spürt er, wird er seinen Feinden ähnlicher. Jeder Tote steht als Hindernis vor einer friedlichen Lösung.

Parallelen zum 11. September

Brisant wird «Munich» durch die Vorgabe «basierend auf realen Ereignissen». Der Rachefeldzug ist in seinen Grundzügen nicht das Fantasieprodukt eines Drehbuchschreibers, sondern wirklich passiert.

Der frühere General Aharon Yariv, Anfang der 70er Jahre Terrorismus-Berater von Israels Ministerpräsidentin Golda Meir, enthüllte 1993, gut 20 Jahre nach dem Münchner Terror, öffentlich viele Einzelheiten des blutigen Gegenschlags.

Spielbergs Kritik an der Argumentation der Gnadenlosigkeit ist deutlich. «Der grösste Feind sind nicht die Palästinenser oder die Israelis», sagte er in seinem einzigen Interview zum Filmstart im US-Magazin «Time». «Der grösste Feind ist die Unnachgiebigkeit.»

Dass er damit auch Parallelen zur Reaktion der US-Regierung nach den Anschlägen vom 11. September 2001 zieht, muss ihm bewusst sein.

Videokameras an Kinder

Um nicht politisch zerrieben zu werden, hatte der Regisseur das Marketing für «Munich» gedrosselt. Die Dreharbeiten auf Malta und in Ungarn fanden ohne die üblichen Medienbesuche statt, auf eine grosse Premiere wurde verzichtet.

Dafür hat Spielberg eigene Massnahmen zur Verständigung im Nahen Osten getroffen: Er will 250 Videokameras und Abspielgeräte kaufen und an palästinensische und jüdische Kinder verteilen. Dann sollen die Kids kleine Filme über ihr Leben drehen, die dann auf der anderen Seite gezeigt werden. Damit sie sich nicht mehr als Feinde wahrnehmen, sondern «als menschliche Wesen».

«Munich» läuft ab Donnerstag in den Schweizer Kinos.

(Karin Zintz/dpa)

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