Murray schlägt Federer-Bezwinger Berdych
publiziert: Samstag, 8. Sep 2012 / 22:42 Uhr
«Es waren wohl die schwierigsten Bedingungen, bei denen ich jemals gespielt habe - und ich bin Schotte» (Archivbild)
«Es waren wohl die schwierigsten Bedingungen, bei denen ich jemals gespielt habe - und ich bin Schotte» (Archivbild)

Andy Murray steht am US Open in New York im Final. Der Brite bezwang Tomas Berdych, der im Viertelfinal Roger Federer ausgeschaltet hatte, in vier Stunden 5:7, 6:2, 6:1, 7:6 (9:7) und trifft nun auf Novak Djokovic oder David Ferrer.

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Es waren teilweise komödienartige Szenen, die sich während der Partie zwischen Murray und Berdych auf dem Centre Court abspielten. Der Wind blies während des ersten Männer-Halbfinals, der wegen eines Unwetters mit eineinhalb Stunden Verspätung begonnen hatte, unentwegt über die Anlage in Flushing Meadows. Das überdimensionierte Star-Spangled Banner hoch oben über dem Arthur Ashe Stadion flatterte ohne Unterbruch. Mehrere Ballwechsel mussten unterbrochen werden, weil herumfliegende Gegenstände das Spiel störten. Einmal flog Murrays Baseball-Kappe weg, einmal sorgte ein Plastiksack für das unfreiwillige Ende eines Rallys und als Murrays Stuhl mit samt seiner Tasche umkippte, konnten sich sowohl die Spieler als auch Schiedsrichter Pascal Maria ein Lachen nicht verkneifen. «Es waren wohl die schwierigsten Bedingungen, bei denen ich jemals gespielt habe - und ich bin Schotte», sagte Murray.

Mit den schwierigen Bedingungen kam Murray aber besser zurecht. Wie schon mehrmals in diesem Turnier brauchte der Brite einen Satz lang, um sich an die äusseren Gegebenheiten anzupassen. Nach dem Verlust des ersten Durchgangs, der 77 Minuten dauerte, steigerte sich der Weltranglisten-Vierte. Er hielt die Fehlerquote tief und stellte mit seinem variablen Spiel den Tschechen immer wieder vor Probleme. Berdychs Aufschlag, im Viertelfinal gegen Federer noch einer der entscheidenden Faktoren, zeigte - auch aufgrund des Windes - kaum Wirkung. Erst im vierten Durchgang kam Murray noch einmal ins Zittern, nachdem er drei Chancen zur 4:0-Führung vergab und im Tiebreak 2:5 zurücklag.

Dank dem Sieg qualifizierte sich Murray zum zweiten Mal nach 2008 für das Endspiel am US Open. Es ist das fünfte Major-Endspiel für den Briten, der einen erneuten Anlauf nimmt, um Fred Perry als bisher letzten britischen Major-Sieger (1936) abzulösen. Restlos zu überzeugen vermochte der Olympiasieger in New York bisher aber nicht. Sowohl gegen Feliciano Lopez als auch gegen Marin Cilic und gegen Berdych fand er aber immer einen Weg, um sich aus schwierigen Situationen zu befreien.

Im ersten Grand-Slam-Final ohne Roger Federer oder Rafael Nadal seit dem Australian Open 2005 trifft Murray heute Sonntag auf den Sieger der Partie zwischen Titelverteidiger Novak Djokovic (Ser) und David Ferrer (Sp), zu welcher Djokovic in der Nacht auf heute als grosser Favorit antrat. Die Weltnummer 2 gewann die drei letzten Grand-Slam-Turniere auf Hardplatz und zog ohne Satzverlust in die Halbfinals ein.

Vorteil Williams

Im Frauen-Final, der frühzeitig wegen des instabilen Wetters und wegen einer Tornado-Warnung auf heute Sonntag verschoben wurde, treffen Victoria Asarenka und Serena Williams (WTA 4) aufeinander. Nachdem die Weltranglisten-Erste Asarenka gegen Maria Scharapowa 2:42 Stunden benötigte, um erstmals in Flushing Meadows in den Final einzuziehen, wurde Serena Williams auch von Sara Errani erwartungsgemäss nicht ernsthaft gefordert.

Wie in den Partien zuvor spielte die Wimbledon-Siegerin auch gegen die Italienerin gross auf und liess beim 6:1, 6:2 ihrer Gegnerin nicht den Hauch einer Chance. Williams schlug neun Asse und insgesamt 38 Winner und überforderte mit ihrer Wucht Errani von Beginn an. Auf dem Weg in ihren sechsten US-Open-Final gab Williams keinen Satz und gerade einmal 23 Games ab. Insgesamt benötigte sie für ihren Finaleinzug insgesamt nur 6:47 Stunden. 2002 und 2008 hatte Williams das Turnier ohne Satzverlust gewonnen.

Auch im diesjährigen Final tritt die jüngere der beiden Williams-Schwestern als klare Favoritin an, gewann sie doch neun von zehn Direktbegegnungen mit Asarenka. Auch wenn die Weissrussin mit 34:2 Siegen die beste Hardplatz-Bilanz in dieser Saison aufweist, sind die Rollen im Final klar verteilt. «Asarenka ist eine starke Spielerin, aber Serena ist auf einem anderen Level. Wenn sie so spielt, ist sie die beste Spielerin der Welt», sagte Errani nach ihrer Niederlage gegen Williams.

Mit ihrem vierten US-Open-Triumph und dem 15. an einem Grand-Slam-Turnier könnte Williams ihren überragenden Sommer krönen. Seit dem French Open in Paris hat sie 26 von 27 Partien gewonnen, holte in Wimbledon ihren fünften Titel und stürmte kurz darauf an selber Stätte ohne Satzverlust zum Olympiasieg. Nebenbei gewann die bald 31-Jährige aus Florida mit ihrer Schwester Venus im Doppel eine weitere olympische Goldmedaille.

Erneute Final-Niederlage für Bencic

Ihren ersten Grand-Slam-Titel bei den Juniorinnen verpasste Belinda Bencic. Die 15-jährige Ostschweizerin verlor den Doppel-Final zusammen mit der Slowakin Petra Uberalova gegen das amerikanische Duo Gabrielle Andrews und Taylor Townsend 4:6, 3:6. Bereits in Wimbledon war Bencic im Final der Doppel-Konkurrenz unterlegen.

(bert/Si)

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