Mursi-Merkel: Globalisierter Muslimbruder hier - kapitalistische Hochfinanzschwester da
publiziert: Mittwoch, 27. Jun 2012 / 08:47 Uhr / aktualisiert: Freitag, 29. Jun 2012 / 14:26 Uhr
Muslimbruder und Hochfinanzschwester im Geiste? Mursi und Merkel
Muslimbruder und Hochfinanzschwester im Geiste? Mursi und Merkel

Mit dem Muslimbruder Mohammed Mursi hat Ägypten nun einen Präsidenten, der - zwar mit einem fundamental anderen kulturellen Hintergrund - eine fatal ähnliche Geisteshaltung vertritt wie eine Angela Merkel oder ein David Cameron im (noch) aufgeklärten Europa.

5 Meldungen im Zusammenhang
Ach, ich finde es immer wieder süss, wenn sich die westlichen Medien ausserhalb ihrer Länder um die Gleichstellung der Frauen sorgen, während sie zuhause im Fernsehen, in den Chefredaktionen, in den Vorständen, in den Expertenkommissionen allesamt exklusive Männernetzwerke pflegen - und sich dabei gerne den willigen Vollstreckerinnen antifeministischer (siehe Frau Schröder in Deutschland) oder frustrierter Frauen (alle Mütter, die ihre Töchtern in rosa einsperren) bedienen.

Dabei ist Dr. Mohammed Mursi in Ägypten politisch kaum anders als ein Christoph Blocher in der Schweiz, ein Manuel Barroso in Brüssel, eine Angela Merkel in Deutschland und ein David Cameron in Grossbritannien. Alle Genannten sind konservativ, bewahren das, was nicht bewahrt werden sollte, setzen die Zukunft der Menschen aufs Spiel, kümmern sich nicht um Frauen oder Kinder, bedienen sich alter Machtmechanismen und bauen mit finanzstarken Interessengruppen eine huxley'sche schöne neue Welt.

Was die Politologen überall nur verklausuriert konstatieren, soll hier mal ausgedeutscht werden. Die Globalisierung bringt politisch klar eine Verhärtung der Machthabenden bis fast zum Selbstmord. Wer nach der Finanzkrise gemeint hat, die Verbrecher, die Schuldigen würden büssen und so etwas würde nie wieder passieren, steht wie der Ochse vor dem Dax. Nicht von ungefähr quasselt die deutsche Bundeskanzlerin Sätze im Stil von: «Keine Eurobonds solange ich lebe.» Damit bringt sie nicht nur eine völlige Selbstüberschätzung im SED-Stil zum Ausdruck, sondern genau das, was das System der Finanzfeudalen braucht, um die Realwirtschaft weiter auszubluten.

Mursi-Merkel et al. sind Ausdruck verunsicherter Wählerschichten, die mit dem galoppierenden Kapitalismus längst nicht mehr zurecht kommen. Doch statt die soziale Modernisierung zu begrüssen und aktiv zu gestalten, kombinieren die Menschen Altbekanntes mit Autoritätsgeschwafel. Die Medien allerorts helfen ihnen dabei.

Seit Politik zu Entertainment verkommen ist, seit sogar einer Kolumnistin, die zwei Schachtelsätze wagt, vorgeworfen wird, sie sei elitär, seit jeder Angriff auf die Sparpolitik als «unvernünftig», gar «sozialistisch» verunglimpft wird, wählen Menschen nicht nur via Stammtisch, sondern der Stammtisch ist grad selber an der Macht. Das passt den vandalisierenden Finanzhaien, die so die Politik kaufen und sich an der untergehenden Demokratie bis in die fünfte Generation nach ihrem Ableben bereichern.

Mursi-Merkel et al. dienen hier wie da dem IWF, huldigen Saudi-Arabien, diplomatisieren mit dem Iran, kriechen vor Russland, beten China an, beugen sich irgendwelchen unwissenschaftlich-lächerlichen Ratingagenturen und tolerieren demokratievernichtenden Standortwettberb im eigenen Land.

Wir Säkulären, wir Demokraten, wir selbständige Frauen, wir denkende Männer, wir Freiheitsliebenden werden im Westen ökonomisch oder juristisch mundtot gemacht, im Osten oder Süden ein-, weggesperrt oder wenn nötig, gesteinigt. Punkto Frauen sieht es hier wie da nur noch rosa, aber nicht rosig aus: Entweder finden Frauen im Namen irgendeiner Religion unter dem «Schwarzen Vorhang» Platz oder sie haben diesen schon in ihrem Stammhirn gespeichert. Oder aber, wie im Fall us-amerikanisierter Mütter, verpacken sie ihre dreijährigen Mädchen in pinkige Stringtangas, damit sie später in einer Karriere als Topmodell oder Callgirl (wobei es vom einen zum Anderen oft kein grosser Schritt ist) erfolgreich sind.

Also. Die Bigotterie des vorsichtigen Erstaunens oder Entsetzens über die ägyptischen Muslimbrüder sollte entlarvt werden. Klar doch, ich hätte auch viel lieber eine ägyptische Feministin als Staatspräsidentin gesehen! Doch hier ist mein Gefühl ungefähr ebenso stark wie ich lieber Elisabeth Badinter als französische Präsidentin statt Hollande gesehen hätte. Noch stärker ist mein Gefühl der verlorenen Demokratie indessen, wenn ich in Deutschland mit einer Frauen- und Familienministerin Schröder leben muss.

Für das ägyptische Volk bedeutet Dr. Mursi, der übrigens jahrelang in den USA studiert, gearbeitet und gelebt hat, vor allem eines: Ein Schritt in Richtung Demokratie. Wenn Angela Merkel von der «marktkonformen Demokratie» reden darf, ohne dass die Medien Aua schreien und ohne dass dadurch eine Klage vor dem Bundesverfassungsgericht wegen Verletzung des Grundgesetzes eingereicht wird, dann darf der neue ägyptische Präsident ruhig von einer «islamischen Demokratie» sprechen

(Regula Stämpfli/news.ch)

?
Facebook
SMS
SMS
3
Forum
Machen Sie auch mit! Diese news.ch - Meldung wurde von 3 Leserinnen und Lesern kommentiert.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Kairo - Nach der Wiedereinsetzung des aufgelösten ägyptischen Parlaments durch Präsident Mohammed Mursi ist der ... mehr lesen
Mohammed Mursi.
Bern - Verwirrspiel um den neu gewählten ägyptischen Präsidenten: Mohamed Mursi will angeblich die Beziehungen zum Iran wiederbeleben und den Friedensvertrag mit Israel überprüfen. Dies berichtete die amtliche iranische Nachrichtenagentur Fars am Montag. mehr lesen 
Kairo - Ein Islamist wird neuer Präsident Ägyptens: Der Kandidat der Muslimbruderschaft, Mohammed Mursi, hat sich in der Stichwahl mit denkbar knappem Ergebnis durchgesetzt. Die Wahlkommission in Kairo erklärte, Mursi habe 51,7 Prozent der Stimmen erhalten. mehr lesen 
Rom - Deutschland, Italien, Spanien und Frankreich wollen das Wachstum in der EU ankurbeln. Der italienische ... mehr lesen
Mario Monti
Die Partei
die am meisten zu Kompromissen beiträgt in der Schweiz ist die CVP. Leider wird das von den Rechtsbürgerlichen verunglimpft als "Windfahnen" so wie man linke Wähler als "Gutmenschen" betitelt.

Grundsätzlich sehe ich seit ein paar Jahren weltweit gesehen nur noch eine Regel die man befolgen muss bei Wahlen: Im Zweifel Links
In den letzten 10 Jahren haben Rechtsbürgerliche Regierungen unglaublichen Schaden angerichtet. Viel mehr als es linke je hätten können.
Wölfe im Schafspelz
Eine nicht unwesentliche Ergänzung: In Ägypten wurde zwar ein Präsident gewählt. Der hat aber etwa gleich viel zu sagen wie die unsterbliche Queen Elisabeth II.

Unsere "geistige Elite" orientiert sich je länger desto mehr an ihrer parteipolitischen Ideologie oder an ihrem eigenen Portemonnaie. Es gibt fast nur noch Schuldzuweisungen und keine konsensorientierte Politik mehr. Die Frage stellt sich, wen wir denn noch wählen sollen?
Gefahr für Europa
Merkel hat sich zur ernsthaften Gefahr für Europa entwickelt.
Mit "keine Eurobonds solange ich lebe" hat Merkel einen neuen Höhepunkt von Egoismus und Lügengebilde erreicht, den man noch vor kurzem kaum für möglich gehalten hätte.

Via der Bild Zeitung schürt Merkel den Hass den die Deutschen auf das übrige Europa haben soll, vor allem den PIIGS Staaten, allen voran Griechenland.
Merkel wird sich bald entscheiden müssen für Europa oder für Deutschland und damit gegen Europa.

Die Parallelen zur Weimarer Republik sind unverkennbar und erschreckend.
Die Demokratie wird dann als nächstes beerdigt werden und Europa wird zerfallen.

Was als Monster der neoliberalen Hochfinänzler Europa an den Abgrund gebracht hat, wird nun von Merkel weiterentwickelt als Tod für Europa, auf das Deutschland hoch und lange lebe und herrsche.
Als Sozialdemokraten gewählt, als Regierende Sozialdemokratie abgewählt: Hartz-IV Architekten Schröder und Clement.
Als Sozialdemokraten gewählt, als ...
«Es tut nicht weh, was Dir Deine Feinde antun, sondern Deine Freunde.» Hannah Arendt stellte dies einmal ernüchtert fest. Ich habe lange gebraucht, zu verstehen, welche Mechanismen eigentlich dahinter stecken, dass sich ausgerechnet die Freunde im Geiste wie die übelsten Trolle benehmen. mehr lesen 
Die AfD wird zu nur 2 Prozent von Frauen unterstützt. Dafür laufen Männer der AfD haufenweise nach. Sogar die Bild-Zeitung fragt: «Warum fahren Männer so auf die AfD ab?» Caroline Kebekus legte in der Heute-Show vom 29. ... mehr lesen 6
Carolin Kebekus' wissenschaftliche Feststellung in der Heute-Show: «Männer sind oft sehr doof»
Jeder Vierte würde auf Flüchtlinge schiessen lassen Berlin - In Deutschland hält es mehr als jeder vierte Befragte (29 Prozent) für gerechtfertigt, ...
In Deutschland hält es mehr als jeder vierte gerechtfertigt, Flüchtlinge mit Waffen am Grenzübertritt zu hindern.
Höcke: Merkel in «der Zwangsjacke» abführen Erfurt - Der Vorsitzende der rechtspopulistischen AfD in Thüringen, Björn Höcke, hat Kanzlerin Angela Merkel ...
Björn Höcke hat Kanzlerin Merkel persönlich scharf angegriffen. (Archivbild)
Typisch Schweiz Pepperminta (2009) Zürich ist ja immer noch voll im Dada-Fieber. Passend dazu gibt's den ...
Shopping 100 Rifles (Fullmovie) Eigentlich spielte Burt Reynolds in gar nicht so schlechten Filmen mit wie viele meinen. Man denke nur mal an «Deliverance» oder «Boogie Nights». Dieser Western gehört leider ...
Sony Walkman Anzeige aus den 80er Jahren.
Jürg Zentner gegen den Rest der Welt.
Jürg Zentner
Als Sozialdemokraten gewählt, als Regierende Sozialdemokratie abgewählt: Hartz-IV Architekten Schröder und Clement.
Regula Stämpfli seziert jeden Mittwoch das politische und gesell- schaftliche Geschehen.
Regula Stämpfli
Filter-Bubbles können radikalisieren. (Screenshot des verlinkten TED-Talks)
Patrik Etschmayers exklusive Kolumne mit bissiger Note.
Patrik Etschmayers
Chinesische Marken zum neuen Jahr: Affenmässig schnell ausverkauft.
Peter Achten zu aktuellen Geschehnissen in China und Ostasien.
Peter Achten
Wieder enthüllte Aphrodite: Erleichtert, Rohani nicht gesehen zu haben.
Skeptischer Blick auf organisierte und nicht organisierte Mythen.
Freidenker
 
Wettbewerb
   
Die geladenen Gäste werden eine Fahrt durch den mit 57 Kilometern längsten Bahntunnel der Welt machen.
Gotthard-Basistunnel  Bern - 160'000 Personen haben sich bis zum Ablauf des Wettbewerbs für Fahrkarten in jenen beiden Zügen beworben, die am 1. ...
Eröffnungsfahrt zu gewinnen  Bern - Wer am 1. Juni 2016 in einem der beiden Züge, die den Gotthard-Basistunnel eröffnen, mitfahren will, kann sich nun um Fahrkarten bewerben. ...
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
FR SA SO MO DI MI
Zürich -3°C -0°C leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt
Basel -2°C 1°C leicht bewölkt bewölkt, wenig Schneefall bewölkt, wenig Schneefall bewölkt, wenig Schneefall bewölkt, wenig Schneefall bewölkt, wenig Schneefall
St.Gallen -1°C 3°C leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, wenig Schnee, Schneeregen oder Regen leicht bewölkt, wenig Schnee, Schneeregen oder Regen leicht bewölkt, wenig Schnee, Schneeregen oder Regen leicht bewölkt, wenig Schnee, Schneeregen oder Regen leicht bewölkt, wenig Schnee, Schneeregen oder Regen
Bern -2°C 4°C leicht bewölkt bewölkt, wenig Schnee, Schneeregen oder Regen bewölkt, wenig Schnee, Schneeregen oder Regen bewölkt, wenig Schnee, Schneeregen oder Regen bewölkt, wenig Schnee, Schneeregen oder Regen bewölkt, wenig Schnee, Schneeregen oder Regen
Luzern -1°C 5°C leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt
Genf -1°C 5°C bewölkt, wenig Schneefall bewölkt, wenig Schnee, Schneeregen oder Regen bewölkt, wenig Schnee, Schneeregen oder Regen bewölkt, wenig Schnee, Schneeregen oder Regen bewölkt, wenig Schnee, Schneeregen oder Regen bewölkt, wenig Schnee, Schneeregen oder Regen
Lugano 2°C 8°C bewölkt bewölkt bewölkt bewölkt bewölkt
mehr Wetter von über 6000 Orten