Welle der Gewalt in Ägypten nach Todesstrafe für Fussballfans
Mursi verhängt Ausgangssperre in 3 Provinzen
publiziert: Sonntag, 27. Jan 2013 / 22:30 Uhr

Port Said - Ägyptens Präsident Mohammed Mursi hat wegen der Unruhen im Land den Notstand in drei Provinzen ausgerufen. In Suez, Ismailia und Port Said werde für 30 Tage der Ausnahmezustand verhängt, sagte Mursi am Sonntagabend in einer im Staatsfernsehen übertragenen Rede an die Nation.

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Ab Montag solle dort nachts auch eine Ausgangssperre greifen. Zudem wolle er mit führenden Politikern zu Wochenbeginn den Dialog suchen.

Bei der Trauerfeier für die Toten der Krawalle in Ägypten war es am Wochenende in Port Said zu neuer Gewalt mit mindestens drei Toten gekommen. Am Vortag waren 31 Personen ums Leben gekommen, nachdem ein Gericht Todesurteile wegen der Ausschreitungen bei einem Fussballspiel vor fast einem Jahr verhängt hatte.

Auch in Kairo kam es am Sonntag zu weiteren Zusammenstössen, die jedoch nicht die Ausmasse der Vortage erreichten. Die Unruhen halten das Land zwei Jahre nach Beginn der Arabischen Revolution in Atem. Die Wirtschaft leidet massiv unter der fehlenden Stabilität.

Angriff auf Polizisten

Die Krawalle waren am Samstag kurz nach Bekanntwerden des Richterspruchs gegen die Anhänger des Fussballklubs Al-Masri aus Port Said ausgebrochen. Angehörige der Verurteilten versuchten, deren Gefängnis zu stürmen.

Gemäss Augenzeugen schossen Unbekannte auf die Polizei, die daraufhin Tränengas einsetzte. Zwei Polizeiwachen wurden gestürmt, überall in der Stadt waren Schüsse zu hören.

Am Sonntag übernahm die Armee die Kontrolle über Port Said. Soldaten bewachten öffentliche Gebäude und sensible Orte. Dennoch kam es auch bei Trauerfeiern für die Opfer vom Vortag mit Tausenden Teilnehmern zu Ausschreitungen.

Schlimmste Fussballkrawalle in der Geschichte

Den am Samstag Verurteilten wird vorgeworfen, am 1. Februar 2012 im Fussballstadion mit brachialer Gewalt auf Fans des Kairoer Vereins Al-Ahli losgegangen zu sein. Damals hatten unmittelbar nach Abpfiff Fans der Heimmannschaft das Spielfeld gestürmt und waren mit Brechstangen, Messern und Schusswaffen auf die Unterstützer des rivalisierenden Klubs losgegangen. 74 Menschen starben.

Von den Al-Masri-Fans wurden später 61 wegen Mordes angeklagt. Neun Polizisten wurden wegen Nachlässigkeit im Dienst vor Gericht gestellt, weil sie die Fans vor dem Spiel nicht gründlich nach Waffen durchsucht hätten.

Den Sicherheitskräften wurde nach den Krawallen vorgeworfen, sie hätten die Täter gewähren lassen, um die Anhänger von Al-Ahli zu bestrafen. Diese hatten während des Aufstands gegen Mubarak und später bei Protesten gegen den Militärrat eine wichtige Rolle gespielt. Für die Polizisten und die übrigen Angeklagten fällt der Richterspruch am 9. März.

Das Urteil vom Samstag ist noch nicht rechtskräftig. Die Fans in Port Said werfen den Richtern ein politisches Urteil vor. Fussballfans würden geopfert, um die Ultras aus Kairo zu besänftigen, beklagen sie.

Symbol für desolate Lage

Der schwarze Tag des ägyptischen Fussballs gilt längst als Symbol für die desolate Lage im Land. Präsident Mohammed Mursi zählte die 74 Toten vor wenigen Tagen zu den offiziellen «Märtyrern der Revolution».

Ägyptens wichtigster Oppositionsblock machte wiederum den Präsidenten für das brutale Vorgehen von Sicherheitskräften gegen Demonstranten verantwortlich. Ein unabhängiges Gremium solle ermitteln und die Täter zur Rechenschaft ziehen, verlangte die Nationale Rettungsfront.

Zugleich drohten die Oppositionellen mit einem Boykott der im Frühjahr geplanten Parlamentswahl, falls ihre Forderungen nach politischen Reformen nicht erfüllt werden.

(fest/sda)

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