Mursi verteidigt seine 100-Tage-Bilanz
publiziert: Sonntag, 7. Okt 2012 / 08:09 Uhr / aktualisiert: Sonntag, 7. Okt 2012 / 15:05 Uhr
Mohammed Mursi, Präsident Ägypten
Mohammed Mursi, Präsident Ägypten

Kairo - Nach den ersten hundert Tagen im Amt hat der ägyptische Präsident Mohammed Mursi seine Bilanz verteidigt. Er wandte sich damit gegen Kritik, das Land am Nil bislang kaum vorangebracht zu haben, räumte aber zugleich Nachholbedarf ein.

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Nicht alle Zusagen seien erfüllt worden, es gebe noch viel Arbeit, sagte Mursi am Samstag im grössten Stadion Kairos vor Zehntausenden Menschen. «Diese Nation, diese Menschen, diese Armee, die gesellschaftlichen Kräfte, der Präsident, die Kinder Ägyptens - wir alle bewegen uns auf ein Ziel zu: ein neues Ägypten», erklärte Mursi in seiner fast zweistündigen, im Fernsehen übertragenen Rede.

Der erste zivile Präsident Ägyptens hatte im Wahlkampf versprochen, in den ersten drei Monaten seiner im Juni begonnenen Amtszeit einige der dringendsten Probleme des Landes zu lösen. Kritiker sagen, er habe so gut wie nichts erreicht.

Reformen für Wirtschaft angekündigt

Der islamische Politiker verwies auf Erfolge bei der Korruptionsbekämpfung und der Wiederherstellung der öffentlichen Sicherheit. Seine Regierung habe eine «Mafia» im Ölministerium zerschlagen, die Millionen Dollar zur Seite geschafft und sich bereichert habe, sagte er.

Mursi verwies darauf, dass er weiter in seiner Mietswohnung am Rande von Kairo lebe, und forderte die Menschen auf, ihn zur Rechenschaft zu ziehen, sollten sie ihn in einem privaten neuen Auto antreffen.

Er versprach ausserdem Reformen für die angeschlagene Wirtschaft des Landes, wie etwa die Überarbeitung eines jahrzehntealten Zuschusssystems der Regierung, das den Haushalt belastet. Zugleich bekräftigte Mursi, dass er islamische Bankenvorschriften beibehalten werde und keine Zinsen auf Kredite akzeptieren würde. «Lieber hungern wir, als uns von Zinsen zu ernähren», sagte Mursi.

Kritikern gehen Reformen zu langsam

Mit Blick auf anhaltende Probleme bei der Müllbeseitigung, bei Verkehr und Energie räumte Mursi ein, seine Versprechen nicht komplett umgesetzt zu haben. Es gebe jedoch bereits Fortschritte, sagte er.

Doch vielen Kritikern des Präsidenten verlaufen die Reformen zu langsam. Laut dem Mursi-Meter, einer Webseite, die die Errungenschaften des Präsidenten auflistet, hat er in den ersten hundert Tagen seiner Amtszeit, die am Sonntag enden, 5 von 64 Versprechen erfüllt.

Vor der Rede Mursis fand eine Militärparade anlässlich des Jahrestages des Kriegs mit Israel 1973 statt. Die Zeremonie am Samstag war auch ein Zeichen der Stärke der Muslimbruderschaft, deren Mitglieder die Ränge füllten und Mursi, der ebenfalls aus ihren Reihen kommt, mit grossem Jubel empfingen.

(asu/sda)

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