MusicStar-Entscheidung: Rheintaler Powerfrau, Bündner Bergbub oder 'Il Barbiere'?
publiziert: Mittwoch, 18. Feb 2004 / 11:29 Uhr

Zürich - Die TV-Gemeinde liebt es, wenn moderne Märchen wahr werden. Am Samstag kann sie ein vorerst letztes Mal Schicksal spielen und ihren "MusicStar" küren. Ähnliche Sendungen im Ausland haben bereits einige ungewöhnliche Siegertypen hervorgebracht.

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In Spanien erlag die halbe Nation dem ruppigen Charme der dicken Rosa Lopez, einer scheuen Andalusierin aus ärmlichen Verhältnissen. In der britischen Sendung "Pop Idol" belegte der Stotterer Gareth Gates den zweiten Platz, den Sieg errang der homosexuelle Will Young. Und für die Norweger war klar, dass der Klempner mit der Zahnlücke, Kurt Nilsen, gewinnen musste.

Nilsen triumphierte auch im internationalen Wettbewerb, an dem die Sieger der verschiedenen Länder gegeneinander antraten. Ein Jury-Mitglied sagte zum 24-jährigen Familienvater: "Du hast die Stimme eines Engels, aber siehst aus wie ein Hobbit."

Aus dem Nichts in den Pop-Himmel

Mit solchen Kandidaten können sich die Zuschauer am besten identifizieren, sagt Peter Gross, Soziologie-Professor an der Universität St. Gallen. "Jene, die es geschafft haben, aus ihren miserablen Bedingungen und ihren Niederlagen Bigpoints zu machen, geniessen besondere Verehrung."

Die stimmliche Qualität der Kandidaten muss allerdings stimmen. Dass ein "schräger Vogel" aber auch mit zweifelhaften Sangeskünsten weit kommen kann, zeigt das deutsche Beispiel Daniel Küblböck. Der androgyne Selbstdarsteller wurde vom Publikum der Sendung "Deutschland sucht den Superstar" auf den dritten Platz gehievt.

Schadenfreude muss sein

Küblböck wurde inzwischen aber auch zum nervigsten Deutschen gewählt und in der Dschungelshow "Ich bin ein Star, holt mich hier raus" immer wieder für ekelerregende Mutproben ausgewählt. "Schadenfreude ist wichtig bei Reality-Shows", sagt Louis Bosshart, Professor für Medien und Kommunikation der Universität Freiburg.

Das erklärt auch die immense Beliebtheit der Beiträge mit dem Titel "Leider Nein" bei "MusicStar". Gezeigt werden jene Möchtegern-Stimmakrobaten, Verrenkungs-Künstler und Fashion-Victims, die unbeirrt den Weg zum Popstar verfolgen - und dabei scheitern.

Inszeniertes Pseudo-Ereignis

Der überwältigende Erfolg der Casting-Show auf SF DRS basiert aber auf weiteren Elementen. "MusicStar" wurde gut vorbereitet und profitierte davon, dass ähnliche Shows in Nachbarländern die Lust auf eine Schweizer Version weckten, wie Bosshart sagt.

"Das multimedial hervorragend inszenierte Pseudo-Ereignis wird durch Konflikte und Skandale weiter angeheizt." Der Rausschmiss des Jurors H. Elias Fröhlich, die Liebesbeziehung der vermeintlichen Favoriten Kathy und Sebastian oder die Briefe mit rassistischen Inhalten an den Kandidaten Sergio sorgten in allen Medien für Schlagzeilen.

In den letzten Tagen konzentrierten sich die Klatsch-Stories aber auf die drei Finalisten Carmen Fenk, Piero Esteriore und Mario Pacchioli. Für eine oder einen wird am Samstag in der Zürcher Maag Music Hall ein Märchen wahr. Da die Chancen des Bündner Lehrers Mario als gering einzustufen sind, dürfte ein spezielles Kopf-an-Kopf-Rennen anstehen: Wuchtbrumme und Radiofrau Carmen aus Sevelen SG contra Italo-Macho und Coiffeur Piero aus Laufen BL. Die Wette gilt.

(Gabriel Häsler/sda)

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