Geringere Cortisolwerte
Musikhören im Alltag verringert den Stress
publiziert: Donnerstag, 6. Aug 2015 / 11:38 Uhr
Musikhören macht Spass und entspannt zugleich.
Musikhören macht Spass und entspannt zugleich.

Marburg - Das Hören von Musik im Alltag kann eine stressreduzierende Wirkung haben. Das zeigen Psychologen der Universität Marburg in einer aktuellen Untersuchung.

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In einer Untersuchung liessen die Forscher 55 Probanden regelmässig Fragen zum subjektiven Befinden und zu ihrem Musikhörverhalten beantworten. Parallel dazu wurde das Stresshormon Cortisol erhoben.

Motivation ausschlaggebend

Die Daten zeigen, dass es bei der stressreduzierenden Wirkung der Musik nicht auf die gehörte Musik an sich ankommt, sondern auf die Gründe des Musikhörens. Somit kommt der Stimmung der Hörer eine entscheidende Bedeutung zu. «Um den Zusammenhang zwischen Musik und Stressabbau noch alltagsnäher untersuchen zu können, haben wir unsere Probanden daher mit Fragebögen, Speichelröhrchen und dem Auftrag, sich selbst zu untersuchen, wieder nach Hause entsandt», erläutert Forscherin Alexandra Linnemann.

Die erste Befragung fand an fünf aufeinanderfolgenden Tagen zu Beginn des Semesters statt, eine in der Regel eher wenig stressige Studienphase. Die zweite Befragung war an fünf aufeinanderfolgenden Tagen am Ende des Semesters, in der stressigen Klausurenphase. Allen Probanden wurde zu Beginn der Datenerhebung ein iPod touch mit der App «iDialogPad» ausgehändigt, auf dem sie zuhause jeweils sechs Mal am Tag Fragebögen zu ihrem subjektiven Befinden und ihrer Motivation zum Musikhörverhalten beantworteten.

Weniger Alpha-Amylase im Speichel

Die Daten zeigen, dass immer dann, wenn Musik zur Entspannung gehört wurde, die Probanden nicht nur über geringeren Stress berichteten, sondern auch geringere Cortisolwerte in ihrem Speichel nachzuweisen waren. Dies war insbesondere für den späten Nachmittag und Abend der Fall. Die Art der Musik hatte hingegen keinen Einfluss auf den subjektiv wahrgenommenen Stress im Anschluss an das Musikhören. Hier zeigte sich jedoch ein anderer Zusammenhang: Musik, die als beruhigend beschrieben wurde, sagte eine geringere Alpha-Amylase-Konzentration im Speichel voraus, unabhängig vom Grund fürs Musikhören.

Die Alpha-Amylase ist neben dem Cortisol ein weiterer Biomarker für Stress, der aber offensichtlich unter anderen Bedingungen vom Körper produziert wird. Die gefundenen Zusammenhänge beziehen sich vor allem auf die tendenziell weniger stressige Woche zu Beginn des Semesters. «Es scheint so zu sein, dass in Phasen von mehr Stress das blosse Hören von Musik keine entspannende Wirkung entfalten kann. Es wurde aber auch deutlich weniger Musik in der stressreichen Woche gehört. Daraus könnte man folgern, dass in Phasen von erhöhtem Stress weniger Zeit zur Stressreduktion bleibt», so Studienleiter Urs Nater.

(bg/pte)

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