László Csatáry in Ungarn gefasst
Mutmasslicher Nazi-Kriegsverbrecher verhaftet
publiziert: Mittwoch, 18. Jul 2012 / 11:45 Uhr / aktualisiert: Mittwoch, 18. Jul 2012 / 18:06 Uhr
Simon Wiesenthal Center.
Simon Wiesenthal Center.

Budapest - Die Budapester Staatsanwaltschaft hat den mutmasslichen ungarischen Nazi-Kriegsverbrecher László Csatáry festgenommen. Der 97-Jährige wird verdächtigt, während des Zweiten Weltkriegs an der Ermordung von 16'000 ungarischen Juden mitgeholfen zu haben.

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Csatáry wurde am Mittwoch erstmals von der Staatsanwaltschaft in Budapest verhört. Wie die ungarische Nachrichtenagentur MTI berichtete, beantragten die Behörden anschliessend bei einem Untersuchungsrichter Haftbefehl.

Auch solle gegen Csatáry Hausarrest verhängt werden, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Damit könnten die Behörden ihm seinen Reisepass abnehmen. Csatáry sei in gutem körperlichen und geistigen Zustand, hiess es weiter.

Anschuldigungen zurückgewiesen

Csatáry wird verdächtigt, in den 1940er Jahren Kriegsverbrechen begangen zu haben. So soll er während des Zweiten Weltkriegs Menschen gefoltert haben. Im Falle einer Verurteilung droht ihm lebenslange Haft.

Der 97-Jährige wies bei der Vernehmung alle Anschuldigungen zurück. Er habe damals als Polizeichef «nur Befehle erfüllt» und seine «Pflicht getan», sagte Csatáry laut der Internet-Zeitung «index.hu».

Zweizimmerwohnung in Budapest

Die ungarischen Justiz war erst durch Hinweise des Simon-Wiesenthal-Zentrums in Jerusalem und Recherchen der britischen Boulevardzeitung «The Sun» auf die Spur Csatárys gekommen.

Reporter der Zeitung spürten ihn in Budapest auf, wo er in einer Zweizimmerwohnung seit Jahren unbehelligt in einem noblen Stadtteil wohnte. Die «Sun» veröffentlichte darauf ein Foto des mutmasslichen Kriegsverbrechers.

Csatáry trug nach Angaben des Wiesenthal-Zentrums 1944 als Polizeichef von Kosice im damals ungarisch besetzten Teil der Slowakei dazu bei, dass 15'700 ungarische Juden in das Vernichtungslager Auschwitz in Polen gebracht wurden.

Bereits 1941 soll er 300 Juden in die ukrainische Stadt Kamjanez-Podilskyj deportiert haben. In dem von der deutschen Wehrmacht eroberten Ort verübten die Nazis kurz darauf ein Massaker an rund 23'600 Juden.

Flucht nach Kanada

Csatáry war 1948 in der Tschechoslowakei in Abwesenheit zum Tode verurteilt worden. Im Jahr darauf reiste er nach Kanada, wo er eine neue Identität annahm und 1995 die kanadische Staatsangehörigkeit erhielt. Jahrzehntelang arbeitete er hier als Kunsthändler.

Nachdem seine wahre Identität 1997 aufgeflogen war, annullierten die kanadischen Behörden seine Staatsangehörigkeit. Csatáry konnte aber fliehen und galt 15 Jahre lang als verschwunden.

(bg/sda)

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