«Mutter der Märtyrer» zieht für Hamas ins Parlament
publiziert: Montag, 30. Jan 2006 / 22:13 Uhr / aktualisiert: Montag, 30. Jan 2006 / 22:57 Uhr

Gaza - Umm Nidal aus dem Flüchtlingslager Dschabalia im Gazastreifen ist als «Mutter der Märtyrer» bekannt. Jetzt sitzt sie bald im palästinensischen Parlament - als eine von sieben weiblichen Hamas-Abgeordneten.

Umm Nidal ist als «Mutter der Märtyrer» bekannt.
Umm Nidal ist als «Mutter der Märtyrer» bekannt.
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Die Palästinenserin Umm Nidal hat den Zaun, durch den ihr Sohn im Gazastreifen zum Angriff auf jüdische Siedler einstieg, demonstrativ an die Wand ihres Hauses gehängt. Ein Stück Maschendraht, darin eine Öffnung.

«Hier gelangte Mohammed in die Siedlung», steht dahinter geschrieben. In der inzwischen geräumten Siedlung Azmona erschoss er fünf Israelis und verletzte elf, dann starb er selbst im Kugelhagel. Seine Mutter drückte dem 19-Jährigen zum Abschied einen Kuss auf die Wange. Das Video dieser Szene ging um die Welt.

Seit 1987 dabei

Seit Gründung der Hamas 1987 ist Umm Nidal Mitglied der Organisation. Sie hat einen militärischen Rang - und ist die vielleicht bekannteste Frau der Hamas.

«Es ist eine grosse Verantwortung, aber Allah wird uns helfen sie zu tragen», kommentiert die 57-jährige Witwe ihren Wahlsieg. Mit geradem Rücken sitzt sie da, die Hände im Schoss gefaltet, die Augen liegen tief in ihren Höhlen.

Sie trägt weder Schmuck noch Make-up, nur einen bodenlangen schwarzen Mantel, den Dschilbab, und dazu ein weisses Kopftuch. Neben Mohammed sind zwei weitere ihrer sechs Söhne als Hamas-Aktivisten im Kampf gegen Israel getötet worden, zwei wurden verletzt.

Eine ihrer drei Töchter war mit einem später getöteten Hamas-Mann verheiratet. «Der bewaffnete Kampf ist nicht zu Ende, bis Israel uns unsere Rechte zurückgibt», sagt die Palästinenserin ruhig, während sie Gebäck anbietet. «Wenn es nötig ist, schicke ich auch meine anderen Söhne in den Kampf.»

Alle paar Minuten unterbricht sie das Gespräch, um die Gratulationen der bis zu den Fingerspitzen verschleierten Besucherinnen entgegen zu nehmen, die seit dem Wahltag in das mit grünen Flaggen und Postern geschmückte Haus strömen. «Ich werde mich für die Islamisierung der Gesellschaft einsetzen», sagt sie.

Strengere Sitten

Schon jetzt sieht man in Gaza-Stadt nur sehr selten unverschleierte Frauen. «Es ist strenger geworden», hat die Studentin Amira bemerkt, die an der El-Azhar-Universität lernt. Vor einem Jahr sei sie manchmal ohne Kopftuch auf die Strasse gegangen, aber jetzt traue sie sich nicht mehr.

«Es gibt zwar kein offizielles Verbot, aber ich werde beschimpft und ausgegrenzt», schildert sie. «Seit dem Aufstieg der Hamas in den letzten Jahren werden unsere Freiheiten beschnitten.» An der Islamischen Universität sind schon jetzt Kopftuch und der Dschilbab Pflicht.

Eine Hamas-Siegesfeier wurde abgesagt, weil man nicht als die «Hamas-Universität» gelten will. Viele der Hamas-Anführer im Gazastreifen, darunter Muschir el Masri und Mahmud el Sahar, lehren hier als Dozenten.

Fast die Hälfte aller Studentinnen trägt wie die 23-jährige Sumeia einen Gesichtsschleier. «Wir sind sehr froh über den Sieg der Hamas, weil dort gute Menschen tätig sind», sagt die angehende Lehrerin. Sie erhofft sich «Korrekturen in der Gesellschaft und eine Rückbesinnung auf die islamischen Werte».

(Juliane von Mittelstaedt/dpa/sda)

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