Die psychiatrische Seite einer überlebten Flugzeugkatastrophe
Nach dem glücklichen Überleben folgt das schwarze Loch
publiziert: Donnerstag, 13. Jul 2000 / 19:01 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 13. Jul 2000 / 21:50 Uhr

Frankfurt/Main - Äußerlich sind sie alle mit dem Schrecken davon gekommen - aber innerlich wird die lebensbedrohliche Situation bei der Bruchlandung des Airbus in Wien bei einigen der 143 Passagiere sicher Spuren hinterlassen. «Für die einen kann das ein intensiveres Lebensgefühl bringen, andere können möglicherweise Tage oder Monate später mit Angstzuständen zu tun haben», erklärte der Bielefelder Psychotraumaexperte Werner Wilk am Donnerstag.

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Auch wer zunächst scheinbar abgebrüht reagiere und gleich den nächsten Flieger nehme, den könne es später noch erwischen. Schon das Gefühl von Enge oder das Erleben von Geschwindigkeit beim Blick aus dem Fenster eines fahrenden Autos könne dann die Erinnerung an den Horror wieder in Gang setzen.
Wie stark - das hängt von der Persönlichkeit ab, aber auch davon, wie bedrohlich die Situation tatsächlich empfunden wurde, wie der Psychologe erläutert. Zum Nachdenken komme aber jeder einmal, früher oder später. Wird das Erlebnis nicht verarbeitet, drohen neben Angstzuständen auch Schlaf- und Konzentrationsstörungen und psychosomatische Erkrankungen wie Kopfschmerzen bis hin zu ernsthaften Erkrankungen.
Der Psychologe rät deshalb dazu, die psychische Verwundung wie eine körperliche zu behandeln. Je früher die Wunde behandelt werde, desto schneller und besser könne sie heilen.

«Die Feinjustierung wird schwierig»
Kaum vorstellbar sind die Belastungen des Piloten, der trotz des Ausfalls beider Triebwerke 20 Kilometer vor Wien die Maschine landen musste. Hat ein Flugzeug keinen Antrieb mehr, fällt es zwar keineswegs wie ein Stein vom Himmel, verliert aber doch ständig an Höhe. Das ausgefahrene Triebwerk, vermutlich Ursache des Treibstoffmangels, war dabei eher nützlich, wie Axel Raab von der Deutschen Flugsicherung (DFS) erklärte: «Sonst wäre es eine richtige Bauchlandung geworden». Ein größeres Problem sei gewesen, dass ohne Sprit nur noch die wichtigsten Steuervorgänge funktionierten, erklärte der Sprecher der Pilotenvereinigung Cockpit, Georg Fongern: «Die Feinjustierung wird damit schwierig, deshalb musste der Pilot 300 Meter zu früh im Gras aufsetzen.» Die Kunst bei der Bruchlandung sei, die Maschine im Gleitflug rechtzeitig auf die richtige Bahn zu bringen, erklärte Raab von der DFS. Fluglotsen könnten dabei wenig helfen: «Best use your own judgement» (am besten nach eigenem Urteil handeln) laute für den Piloten die Grundregel für den Fall der Fälle.

(sda)

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