Nachhaltigkeit ganz konkret in Rio
publiziert: Mittwoch, 4. Jul 2012 / 11:37 Uhr / aktualisiert: Mittwoch, 4. Jul 2012 / 16:37 Uhr

Der Abschluss der Konferenz «Rio+20» liegt nun einige Tage hinter uns. Ich war als Delegierte bei den Verhandlungen in Rio dabei. Nach Abschluss der Konferenz besuchte ich die Gebrüder Grael. Mit ihrer Segel-Ausbildung geben sie Kindern eine Chance für eine gute Zukunft.

4 Meldungen im Zusammenhang
Weiterführende Links zur Meldung:

Projeto Grael
Website mit Informationen zum Projeto Grael
projetograel.org.br

Blogbeitrag von Gabi Hildesheimer
Blogbeitrag «Was sich die Grüne Wirtschaft von Rio+20 wünscht» von Gabi Hildesheimer, Geschäftsführerin öbu.
klimablog.ethz.ch

Einschätzungen zu Rio+20
Delegationsmitglied Gabi Hildesheimer über die Ergebnisse des Nachhaltigkeitsgipfels in Rio de Janeiro
oebu.ch

Am Nachhaltigkeitsgipfel «Rio+20» durfte ich als Delegierte teilnehmen und konnte meine Erfahrung in die Verhandlungen über «Green Economy» einbringen. Als es im Text der Deklaration um die Berücksichtigung ökologischer und sozialer Effekte in die Entscheidungsfindung ging, konnte ich selber gegen die Bedenken der G77 argumentieren. Der Passus blieb drin, wenn auch mehrfach relativiert, um den unterschiedlichen Bedürfnissen am Tisch Rechnung zu tragen.

Hier zur Illustration der entsprechende Abschnitt aus Artikel 63 der Deklaration: «We recognise the importance of the evaluation of the range of social, environmental and economic factors and encourage, where national circumstances and conditions allow, their integration into decision making».

Ich gebe zu, so ganz wurden meine Erwartungen an die Konferenz nicht erfüllt (siehe mein Blogbeitrag «Was sich die Grüne Wirtschaft von Rio+20 wünscht» unter weiterführende Links). Aber die Tatsache, dass sich 192 Länder darauf einigen konnten, «Green Economy» als wichtiges Instrument für die nachhaltige Entwicklung zu definieren, ist doch ein bedeutendes Ergebnis. Darauf lässt sich bauen.

Aber eigentlich möchte ich Ihnen nicht noch eine weiteren Artikel über den Ausgang von Rio+20 liefern. Meine Einschätzungen können Sie gerne auf der Öbu-Website lesen (siehe weiterführende Links). Lieber berichte ich Ihnen von einem ganz konkreten Projekt, welches ich nach Ende der Konferenz besuchen durfte - und zwar vom Projeto Grael (siehe weiterführende Links).

Ein Meer von Chancen

Die drei Gebrüder Grael sind Segler. Zwei von ihnen haben mehrere olympische Medaillen und Landesmeisterschaften gewonnen, der dritte ist Unternehmer und grüner Politiker. Seit 1998 bringen sie Kindern aus Favelas alles rund ums Segeln bei. Die Ausbildung dauert zwischen einem und zweieinhalb Jahren, ergänzend zur normalen Schule, die in Brasilien nur halbtags besucht wird. Alles, was mit Schiffen zu tun hat, wird gelehrt: Arbeiten mit Holz und Fiberglas, Mechanik und Elektrik, Malen und Nähen, Umweltbeobachtung, Geografie, Chemie und Physik, aber zum Beispiel auch Schwimmen und Arbeiten am Computer. 12'000 Kinder haben bereits die Schulung durchlaufen - etwa 30 Prozent der Kinder konnten später in den Arbeitsmarkt integriert werden. Nicht das Hauptziel, aber auch ein schöner Erfolg des Projekts ist, dass vier ehemalige Schüler 2010 die Regatta Capetown-Rio gewonnen haben.

Neben der Ausbildung der Favela-Kinder ist Umweltschutz ein weiterer Schwerpunkt des «Projeto Grael». Die Kinder erfahren in verschiedenen Projekten, dass sie einen positiven Beitrag zur Erhaltung einer lebenswerten Umgebung leisten können. Zudem lernen sie dabei mit wissenschaftlichen Methoden zu arbeiten.

Verantwortung für die Umwelt

So haben die Kinder mitgeholfen, mit einem Müllsammel-Schiff während zweieinhalb Jahren verschiedene Bereiche der Guanabara-Bucht zu reinigen. Dabei wurden in einer Pilotstudie Daten über die Dynamik von schwimmendem Abfall gesammelt. Jetzt wird das Schiff vor allem für die Präventionsarbeit mit Schulen genutzt oder für weitere Forschungen über schwimmende Abfälle. Zudem kommt das Schiff bei Schiffsunfällen zum Einsatz oder bei Notfällen nach schweren Regenfällen, wenn viel Material ins Meer geschwemmt wurde (Projekt Aguas Limpas).

Ein weiteres Projekt beschäftigt sich mit dem Monitoring von Strömungen und der Wasserqualität. Diese Untersuchungen sind von grossem Interesse, weil sie aufzeigen, wo geputzt werden muss nach Ölunfällen (Projekt Baia de Guanabara).

Das Projeto Grael führt derzeit Schulen an zwei weiteren Standorten in Brasilien. Es könnten und sollten mehr werden. Auch das ist Rio und das macht Hoffnung.

Die UNO-Konferenz hat Ergebnisse gebracht, die weniger konkret als das Grael-Projekt sind, dafür aber das Potenzial haben, globale Wirkung zu entfalten. Auch «Rio 92» wurde direkt nach Abschluss kritisch kommentiert und hat schliesslich doch auf vielen Ebenen Nachhaltigkeitsprojekte ausgelöst. Es liegt an der Zivilgesellschaft, auf der zügigen konkreten Umsetzung zu beharren. Um es mit den Worten der Graels zu sagen: «Es gibt ein Meer von Chancen».

(Gastautorin Gabi Hildesheimer/ETH-Zukunftsblog)

Lesen Sie hier mehr zum Thema
Rio de Janeiro. Ein kurzer Blick auf den Traumstrand bevor ich einen weiteren ... mehr lesen
Tim Schloendorn ist Doktorand in Umweltökonomie und -politik an der ETH Zürich. Er nahm an der UN-Nachhaltigkeitskonferenz «Rio+20» teil.
Dr. Christine Bratrich ist Geschäftsführerin von ETH Sustainability.
ETH-Zukunftsblog Es ist der 21. Juni 2012, 15 Uhr, Eugene/Oregon im Norden der USA. Gestern durfte ... mehr lesen
Rio de Janeiro - Nach dem grossen ... mehr lesen
Ban Ki Moon
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 21
Mit Biogas betriebene Wärme-Kraft-Kopplungsanlagen (WKK) können fluktuierenden Solarstrom kompensieren und Gebäude beheizen.
Mit Biogas betriebene ...
Eine zentrale Herausforderung der Energiewende ist es, die schwankende Stromproduktion aus erneuerbaren Quellen auszugleichen. Eine Machbarkeitsstudie zeigt nun für drei Schweizer Kantone auf, wie ein Verbund von Wärme-Kraft-Kopplungsanlagen kurzfristige Engpässe überbrücken und Gebäude mit Strom und Wärme versorgen kann. mehr lesen 
Vor rund hundert Jahren begann die Industrialisierung der Landwirtschaft - heute erleben wir den Beginn ihrer Digitalisierung. Damit die Big-Data-Welle den Bauer ... mehr lesen  
Vor rund hundert Jahren begann die Industrialisierung der Landwirtschaft - heute erleben wir den Beginn ihrer Digitalisierung.
Wie werden Wasserkraftwerke wieder rentabel?
Die Schweizer Wasserkraft darbt. Die Ursache dafür sind letztlich Verzerrungen im europäischen Strommarkt. Nun diskutiert die Politik Subventionen für die ... mehr lesen  
Climate change has been communicated as a global concern affecting all of mankind; but this message doesn't seem to be getting through. If indeed the human brain responds better to experience ... mehr lesen
Climate change has been communicated as a global concern affecting all of mankind; but this message doesn't seem to be getting through.

Fakten und Meinungen zu Nachhaltigkeit

Der Zukunftsblog der ETH Zürich nimmt aktuelle Themen der Nachhaltigkeit auf. Er bietet eine Informations- und Meinungsplattform, auf der sich Expertinnen und Experten der ETH zu den Themenschwerpunkten Klimawandel, Energie, Zukunftsstädte, Welternährung und Natürliche Ressourcen äussern. Prominente Gäste aus Forschung, Politik und Gesellschaft tragen mit eigenen Beiträgen zur Diskussion bei.

Lesen Sie weitere Beiträge und diskutieren Sie mit auf: www.ethz.ch/zukunftsblog

.
Green Investment news.ch geht in Klausur Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in ... 21
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Mi Do
Zürich 9°C 26°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich gewitterhaft
Basel 10°C 28°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, aber kaum Regen gewitterhaft
St. Gallen 10°C 23°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, aber kaum Regen gewitterhaft
Bern 9°C 25°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig vereinzelte Gewitter gewitterhaft
Luzern 11°C 26°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig gewitterhaft gewitterhaft
Genf 14°C 26°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig vereinzelte Gewitter gewitterhaft
Lugano 17°C 26°C wolkig, aber kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig gewitterhaft anhaltender Regen
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten