Nahost-Konflikt: Erstes Aufbegehren - Kampfpiloten verweigerten Angriffe in Palästinensergebieten
publiziert: Freitag, 26. Sep 2003 / 14:50 Uhr

Jerusalem - Die Ankündigung von 27 israelischen Kampfpiloten, künftig Angriffe auf zivile Ziele in den Palästinensergebieten zu verweigern, hat die politische und militärische Führung des Landes in Aufruhr versetzt.

Erstmals in der Geschichte der israelischen Luftwaffe, die als eine Art Elitekorps der Armee und als Aushängeschild der gesamten Streitkräfte gilt, gibt es eine derartige Erklärung.

Entsprechend heftig fallen die Reaktionen aus. Israels Ministerpräsident Ariel Scharon warnte die Angehörigen der Luftwaffe davor, sich in politische Angelegenheiten einzumischen. Luftwaffenchef Dan Halutz drohte, die Unterzeichner aus der Armee auszustossen.

"Sehr ernste Angelegenheit"

"Die Armee führt die Anweisungen der politischen Befehlsebene aus und wird weiter gegen Terroristen und Mörder vorgehen, deren einziges Ziel es ist, belebte Zentren mit unschuldigen Zivilisten zu treffen", donnerte Scharon. Der ehemalige General sprach von einer "sehr ernsten Angelegenheit", auf die es eine "schnelle und angemessene Reaktion" geben werde.

Halutz sagte der Zeitung "Haaretz", die 27 Unterzeichner der an ihn gerichteten Erklärung müssten diese zurückziehen, anderenfalls würden sie aus der Armee entlassen. Diese Methode habe sich bereits bei anderen so genannten Refuseniks (Verweigerern) bewährt.

"Illegal und unmoralisch"

Nach Angaben des israelischen Radios handelt es sich bei den Unterzeichnern um reguläre Soldaten und Reservisten. In dem offenen Brief erklären die Piloten unter anderem, dass sie "illegalen und unmoralischen Befehlen" nicht länger Folge leisten werden.

Bei Luftangriffen auf von Zivilisten bewohnte Zentren im Westjordanland und im Gazastreifen sei mit ihnen nicht zu rechnen. Weiter heisst es: "Die Fortsetzung der Besatzung gefährdet die Sicherheit des Staates Israel und seine innerste Moral".

Halutz sagte dazu, es gebe "keine moralischere Armee als die israelische". Bei den Unterzeichnern handle es sich um eine "winzige Minderheit".

"Revolte der Piloten"

Die Zeitung "Jediot Ahronot" zitiert in einem Dossier mit dem Titel "Revolte der Piloten" einen der Unterzeichener mit den Worten, er habe sich zur Unterschrift entschlossen, "bevor der Tag kommt, an dem ich nach Hause komme und weiss, dass ich eine Mutter und eine Tochter getötet habe".

Ein anderer Unterzeichner sagte, seine Weigerung an gezielten Tötungsoperationen teilzunehmen, erfülle ihn mit mehr Stolz als alle Rettungsaktionen, an denen er bislang beteiligt gewesen sei.

Israel hatte in den vergangenen Monaten als Antwort auf Selbstmordattentate der Hamas und des Islamischen Dschihad mit gezielten Luftangriffen mehrere Führer dieser radikalislamischen Palästinenserorganisationen getötet. Dabei kamen wiederholt auch Zivilisten ums Leben.

"Petition der Verweigerer"

Im Januar 2002 waren 52 Offiziere und Soldaten des israelischen Heeres mit ihrer Weigerung an die Öffentlichkeit getreten, in den Autonomiegebieten Dienst zu leisten.

Eine "Petition der Verweigerer" wurde bislang von hunderten Offizieren und Soldaten der Reserve unterzeichnet. Mehrere dutzend Unterzeichner des Aufrufs wurden inhaftiert.

(Chris Otton und Jean-Luc Renaudie/afp)

 
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