Nationaler Kurzschluss
publiziert: Freitag, 24. Jun 2005 / 11:53 Uhr / aktualisiert: Freitag, 24. Jun 2005 / 13:31 Uhr

4 Meldungen im Zusammenhang
Alle Züge stehen still, wenn der Kurzschluss dies so will. So könnte man den Totalausfall der SBB vom 22 Juni ungefähr kommentieren. Das Händeringen danach war gross, SBB-Chef Benedikt Weibel schämte sich medienwirksam und niemand war wirklich Schuld. Der Ausfall der SBB in der Westschweiz einen Tag später – durch Blitzschlag verursacht – war ein zusätzlicher Tiefschlag für die Moral der SBB. Auch wenn sachlich kein Zusammenhang bestehe, wie es heisst.

Schuld sei, dass die SBB ein sogenanntes sternförmiges Stromnetz haben (wobei schon dies ein linguistischer Kurzschluss ist), dass auf Störung sehr sensibel reagiere. Wer die Graphik nicht gesehen hat, kann es sich vorstellen, dass alle Stromleitungen der SBB, die von den Kraftwerken her kommen, an einem einzigen Punkt, bei Rupperswil, verbunden sind. Wird einer dieser Arme unterbrochen, fehlt der Strom der daran hängenden Kraftwerke, was zu einem Spannungsabfall im und zum Kollaps des restlichen Netzes führen kann.

Gegen solche Pannen gäbe es verschiedene Mittel. Das erste wurde in den Nachrichten wortreich beschrieben: Die SBB brauchen ein Ring-Netz, bei dem die einzelnen Arme an den äusseren Enden miteinander verbunden würden. Schon seit Jahrzehnten mühen sich die SBB darum, diese Hochspannungsleitungen zu bauen. Doch Einsprachen von Verbänden, Anwohnern und Murmeltieren (nein, das stimmt dann doch nicht), würden den Ausbau verhindern. Die SBB seien blockiert, mithin ein tragisches Opfer der Schweizer Rechtspraxis.

Nun stellt sich die Frage, ob bei solch tragischen Verhältnissen betreffend des Neubaus von Leitungen (und dies seit Jahrzehnten), nicht jemand nach Alternativen suchen müsste. Alternativen, die keine riesigen Hochspannungsleitungen erfordern, die noch jahrelang nicht stehen werden.

Da wäre zum Beispiel die Einspeisung von 'Normalstrom' über Umformer in das SBB-Netz. Im Moment gibt es fünf solcher Anbindungen des Bahnstromnetzes an das normale Stromnetz, von denen eine, weil im Tessin, schon zu Beginn des Blackouts ausfiel. Blieben als Reserve 4 Einspeisungen im Mittel- und Berner Oberland und dazu zwei Anschlüsse an das deutsche Bahnstromnetz. Offenbar reichten diese aber nicht aus, um die 200 Megawatt ausgefallener Leistung zu ersetzen. Die Anlagen waren überlastet und schalteten sich darauf ab. Mit den bekannten Folgen.

Das SBB-Stromnetz ist offensichtlich sehr verwundbar und es müssen kurzfristige Lösungen her, um in Zukunft Reserven zu haben. Es wäre daran zu denken, weitere Einspeisungen von ausländischen Bahnstromnetzen zu etablieren, zusätzliche Umspannwerke zu errichten, um an Normalstrom heran zu kommen und bei Netzzwischenfällen automatisch unnötige Verbraucher abzuschalten.

Dies wären zum Beispiel die Klimaanlagen in den Zügen, Beleuchtungen, die über das Minimum hinaus gehen, und alle anderen Komfortfeatures, die nicht zum Vorwärtskommen notwendig sind.

Einfach darauf zu warten, dass die seit langem bekannten Schwächen der Infrastruktur irgendwann beseitigt werden können, kann nach diesen Zwischenfällen keine Lösung mehr sein. Für die Kosten dieses einen Ausfalls allein dürfte es möglich sein, einige der oben genannten Punkte oder gar noch bessere Ideen zu verwirklichen. Auch wenn diese nicht so elegant wie die geplanten Ringleitungen sind.

Die SBB müssen handeln – der Ruf ist bereits angeschlagen. Noch ein solches Desaster, und er ist ganz dahin.

(Patrik Etschmayer/news.ch)

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