Nelson Mandela: Ein Nationalheld wird 90-jährig
publiziert: Sonntag, 13. Jul 2008 / 08:15 Uhr

Johannesburg - Gefeiert wird bereits seit Monaten, doch erst am 18. Juli ist es soweit: Südafrikas Nationalheld Nelson Mandela begeht seinen 90. Geburtstag.

Nelson Mandela:  Staatsmann, Nobelpreisträger und Friedensstifter.
Nelson Mandela: Staatsmann, Nobelpreisträger und Friedensstifter.
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So öffentlich bisher die Feste, Konzerte, Vorlesungen und Ehrungen waren, so privat und familiär wird es am Ehrentage selbst zugehen.

«Er wird im Kreise der engsten Familie und in sehr entspanntem Rahmen in Qunu feiern», erklärte Tochter Zindzi der Deutschen Presse-Agentur dpa.

Selbst die quirligen Enkel und Urenkel werden diesmal bei der Feier in Mandelas Heimatort Qunu aussen vor bleiben - der umtriebige Pensionär hat sich einen ruhigen Rahmen erbeten.

Keine Reden und schon gar keine Festakte. «Er will sich ausruhen und möchte bei Laune gehalten werden», sagt seine Tochter, die ihn nun häufiger als früher sieht. Denn das 46664-Konzert zu seinen Ehren im Juni in London galt als eine Art Abschied von der grossen Weltbühne - auch wenn er nach Angaben von Ex-Frau Winnie Madikizela-Mandela schon mit dem Gedanken an einen Auftritt bei Afrikas erster Fussball-Weltmeisterschaft liebäugelt.

«Ich sehe ihn bereits dort», sagte sie am Rande einer der ungewöhnlichsten Ehrungen für den ewig lächelnden Sympathieträger: Der Vorstellung einer gastro-politischen Biografie.

Biografie des Essens

Die Anthropologin und Köchin Anna Trapido zeichnet darin Mandelas kulinarische Vorlieben nach - und nimmt sie als Vorwand für eine Biografie der Sonderklasse: «Essen ist ein ungewöhnliches, aber extrem wirksames Mittel für eine Biografie: die Erinnerung an Gerüche, Empfindungen und kulinarische Höhepunkte bringt oft in der Erinnerung Verschüttetes zutage.»

In die Ecke der Anekdoten zählt Mandelas Vorliebe für die deftige Küche seiner ländlichen Heimat, die er sich selbst in noblen britischen Luxushotels kredenzen lässt. Ein weiteres ungewöhnliches Geschenk kam aus den USA, die Südafrikas ersten schwarzen Präsidenten nun endlich von der Liste terrorverdächtiger Personen gestrichen haben.

Die US-Regierung hatte Mandelas Afrikanischen Nationalkongress (ANC) in den 1980er Jahren auf der Liste terroristischer Organisationen gesetzt.

Wöchentlich 40'000 Anfragen

Der Friedens-Nobelpreisträger, der schon häufiger seinen Rückzug aus der Öffentlichkeit angekündigt hatte, steht weltweit noch immer hoch im Kurs. Seine Stiftung erhält nach Angaben von Mitarbeiterin Mothomang Diaho weiterhin Anfragen für Auftritte bei Festakten, Gala-Veranstaltungen oder Reden.

«Wir haben jede Woche rund 40'000 Anfragen aus aller Welt», erklärte sie am Rande des vom World Economic Forum in Kapstadt organisierten Afrikagipfels. Drei Mitarbeiter seien täglich damit beschäftigt, diese Anfragen aus den USA, Europa und anderen Teilen der Welt zu beantworten.

Dabei gehe es oft auch um Anfragen nach persönlichen Interventionen. Mandela habe mit grossem Interesse und sehr gemischten Gefühlen die jüngsten fremdenfeindlichen Gewaltexzesse in seiner Heimat verfolgt: «Er liest immer noch sehr interessiert Zeitung. Und er ist sehr traurig über die Gewalt.»

Als «Vater» verehrt

Noch immer pflegt der populäre Staatsmann, Nobelpreisträger und Friedensstifter - von seinen Landsleuten respektvoll als «Vater» («Madiba») verehrt - seine Vorliebe für bunte Hemden und schart mit Humor und Charme die Schönen und Reichen dieser Welt für wohltätige Zwecke um sich.

Der Jurist mit dem ausgeprägten Versöhnungswillen - zu Apartheidzeiten Staatsfeind Nummer eins - verbrachte wegen seines Kampfs gegen die Rassentrennung fast drei Jahrzehnte in Haft. Sie hat ihn in vielfacher Hinsicht geprägt - auch beim Essen. Direkt nach seiner Freilassung flog er in die USA.

Beim Dinner stippte er dann zur Verblüffung der Gäste sein Brot ins Essen - «die Gefangenen machten das so», erinnert sich Mandela-Tochter Zindzi. Alle seien entsetzt, aber sehr höflich gewesen und hätten nichts gesagt.

(von Ralf E. Krüger, dpa/sda)

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