Forschung
Neue Behandlung gegen Demenz - Leukotrien-Inhibitor Montelukast?
publiziert: Montag, 11. Jan 2016 / 08:30 Uhr
Neue Behandlung gegen Demenz
Neue Behandlung gegen Demenz

Neue Befunde könnten eine Wende in der Demenz-Forschung bringen. Das Forschungsinstitut
für Molekulare Regenerative Medizin der Salzburger Paracelsus Medizinischen Privatuniversität
unter der Führung von Gehirn- und Stammzellenforscher Ludwig Aigner untersuchte die Wirkung des Asthma-Medikaments Montelukast auf die Gedächtnisleistung.

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Das erstaunliche Ergebnis einer Tierversuchs-Studie an Ratten, die im Fachblatt Nature Communications veröffentlicht wurde, zeigte, dass sich die Lernfähigkeit älterer Tiere nach Behandlung mit dem Leukotrien-Inhibitor tatsächlich deutlich verbesserte. Eröffnet sich damit eine neue Behandlung bei Demenz?

Der Versuchsaufbau


Getestet wurde das Asthma-Mittel Montelukast in einer sechswöchigen Studie an Ratten. Eine der Versuchsgruppen bestand aus jugendlichen Ratten im Alter von vier Monaten, die andere aus 20-Monate alten Ratten. Beide Gruppen enthielten eine angepasste Dosis des Leukotrien-Inhibitors Montelukast.
Im anschliessenden Morris-Wasser-Maze-Test wurde die Lernfähigkeit beider Gruppen getestet. Es geht bei diesem Test darum, wie schnell die Tiere in einem runden Wasserlabyrinth eine für sie
installierte Plattform finden sowie folgend ob und wie schnell sie sich bei weiteren Versuchen an die Lage der Plattform erinnern. Ohne Behandlung brauchten ältere Ratten doppelt so lange wie die Vertreter der jüngeren Vergleichsgruppe, bis sie ihr Ziel wiederfanden. 

Verbesserung der Gedächtnisleistung

Wie die Salzburger Nachrichten berichten, wurde die Gedächtnisleistung der älteren Tiere nach der sechswöchigen Behandlung auf das Niveau der Jungtiere angehoben. Allgemein konnten sie sich räumlich inzwischen genauso gut in dem Wasserlabyrinth orientieren wie die Jungratten. Bei der Untersuchung der Gehirne wurde eine deutliche Steigerung der Hirnleistung festgestellt. Viele neue Hirnzellen hatten sich gebildet. Zu Anfang der Studie betrug die Anzahl der Nervenzellen der älteren Ratten nur zehn Prozent des Volumens von Jungratten. Nach der Behandlung hatte sich die Anzahl der Zellen auf signifikante 70 Prozent erhöht. 

Anscheinend wirkte sich die entzündungshemmende Wirkung des Asthma-Mittels auch auf die Entzündungszellen selbst auf. Diese waren deutlich geschrumpft. Als zusätzlicher positiver Effekt hatte, erwähnt der Standard sich bei den getesteten
älteren Ratten die im Alter häufig durchlässige Blut-Hirn-Schranke fast vollständig geschlossen.

Während sich bei den alten Ratten eine deutliche Zunahme der Hirnzellen nachweisen liess, hatte Montelukast offensichtlich keine Wirkungen auf das Erinnerungsvermögen und die Hirnzellen von Jungratten. Sie erinnerten sich mit und ohne Medikament gleich schnell an ihren Weg durch das Labyrinth. Die Anzahl der Hirnzellen blieb im Test gleich, sodass den Tieren weder ein Nutzen noch ein Schaden durch die Gabe des Medikaments entstand.

Leukotriene lösen Entzündungsprozesse im Gehirn aus

Das alternde Gehirn des Menschen wird zunehmend durch Entzündungsreaktionen beeinträchtigt, die durch in den weissen Blutkörperchen enthaltenen Leukotriene verursacht werden. Diese Entzündungen stehen im Verdacht, für Demenzerkrankungen älterer Menschen verantwortlich sein. Davon zumindest geht die Forschung derzeit aus. 

Gerade bei einer neurodegenerativen Hirnerkrankung, wie Alzheimer oder Parkinson, soll der Leukotrien-Signalweg eine Rolle spielen. Die Entzündungen hemmen die Neuerung der Neven- und Hirnzellen. Es kommt ausserdem zu einer Aufweichung der Blut-Hirn-Schranke. Diese Vorgänge sorgen schlussendlich für eine beeinträchtigte Hirnaktivität und damit verbunden einer beeinträchtigten Erinnerungs- und Lernleistung. Mindestens 50 Prozent der Demenzerkrankungen sind auf die neurodegenerative Alzheimer-Erkrankung zurückzuführen, sodass die Erkenntnisse der Leukotrienstudie umso bedeutender zu werten sind.

Ist ein Asthma-Medikament die Zukunft der Demenz-Forschung?

Obwohl die Ergebnisse der Untersuchung sehr vielversprechend sind, lässt sich noch kein verallgemeinernder Schluss ziehen. Es muss zunächst überprüft werden, ob die positive Wirkung von Montelukast
auf Rattenhirne sich auch auf das menschliche Gehirn übertragen lässt. Die Ergebnisse der Studie lassen jedoch hoffen, dass das Mittel die Leukotriene, die für den Alterungsprozess der Hirnzellen
bei älteren Menschen verantwortlich sind, tatsächlich hemmt. 

Mehr Klarheit sollen weitere
klinische Studien bringen, die im nächsten Jahr geplant sind. Hierbei soll der Effekt des Wirkstoffs auf die Gehirnleistung an Menschen, die an Alzheimer und Parkinson-Demenz leiden, getestet werden. Die Forscher erhoffen sich von den klinischen Untersuchungen genauere Kenntnisse über die Wirkung von Leukotrien-Hemmern auf Demenzerkrankungen. Wenn sich die Hoffnung bewahrheitet, wäre dies ein grosser Schritt auf dem Weg der medikamentösen Behandlung von Demenz-Patienten. Jedoch sind damit nur neurodegenerative Störungen zu behandeln. Eine Demenz, die auf vaskuläre Gefässschädigungen zurückzuführen ist - davon sind immerhin 15 Prozent der Patienten betroffen - liesse sich damit nicht therapieren.

Verwendung von Montelukast in der Asthma-Therapie

Leukotriene sorgen nicht nur im Gehirn für entzündliche
Prozesse, sondern auch in den Atemwegen, sodass Asthma eine Folge sein kann. Dies ist bereits seit 1979 bekannt und Montelukast als Leukotrien-Inhibitor bereits jeher ein Bestandteil der Behandlung von Asthma bronchiale. Es enthält weniger Cortison als andere Medikamente, wirkt aber genauso hemmend auf die Bildung der Leukotriene, die als Ursache für Asthmaerkrankungen gelten. Bisher werden in erster Linie Kinder
mit dem Präparat behandelt. Es wird nicht nur wegen des geringeren Cortison-Anteils bevorzugt bei jugendlichen Patienten angewendet, sondern auch, weil es in Tablettenform recht
einfach verabreicht werden kann.

Neben dem Leukotrien-Inhibitor kommen auch Beta-2-Sympathomiketika in der Asthma-Therapie zum Einsatz, wie bei 121doc zu lesen ist. Diese Wirkstoffgruppe wirkt sich als Antagonist auf das sympathische Nervensystem aus. Hier sorgt es für eine Entspannung der Atemmuskulatur und folgt damit einem anderen Behandlungsansatz als Montelukast. Entsprechend ist auch die Anwendungsweise verschieden, diese Präparate werden über einen Inhalator verabreicht.

(nb/IFJ)

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