Mindestens 20 Tote
Neue Flüchtlingstragödie im Mittelmeer
publiziert: Donnerstag, 26. Mai 2016 / 20:07 Uhr

Rom - Vor der libyschen Küste hat sich am Donnerstag erneut eine Flüchtlingstragödie mit mindestens 20 Toten ereignet. Bis zum Nachmittag wurden 88 Menschen lebend aus dem Meer gerettet. Zudem gab es Hinweise auf eine noch grössere Katastrophe.

5 Meldungen im Zusammenhang
77 Flüchtlinge wurden von einem spanischen Schiff und elf von der italienischen Küstenwache gerettet. «Wir haben die Körper von etwa 20 Leichen im Wasser entdeckt, aber sie sind noch nicht geborgen worden», sagte ein Sprecher der EU-Mission EUNAVFOR ME. Aus welchen Ländern die Flüchtlinge stammen, war zunächst unklar.

Flugzeuge von EUNAVFOR MED hatten die Verunglückten zuvor im Meer entdeckt. Nachdem ihr Holzboot 30 Seemeilen vor Libyen gesunken war, klammerten sich viele noch an das Wrack. Aus der Luft seien den verzweifelten Menschen im Wasser Schwimmwesten zugeworfen worden, hiess es.

Zuvor hatte es Hinweise auf ein noch grösseres Drama gegeben. Die Hilfsorganisation «Sea Watch» schrieb auf ihrer Facebook-Seite: «Am heutigen Tage findet womöglich die schlimmste Tragödie im Mittelmeer statt, die je erlebt wurde».

«Die Rede ist von Tausenden Toten», hiess es auch in einem Tweet der Organisation. Später entfernte «Sea Watch» die Zahl aus dem Facebook-Beitrag. Es sei mit Sicherheit eine schlimme Tragödie, über die Zahl der Opfer könne man aber vorerst nichts Genaues sagen, räumte eine Sprecherin ein.

«Watch The Med» berichtete von einem von zwei Holzbooten abgesetzten Notruf. Laut der Freiwilligenorganisation sollen insgesamt 1000 Menschen an Bord der Boote gewesen sein. Eines sei später gesunken, hiess es.

Die Organisation «Sea Watch», die mit einem Schlauchboot in der Region war, berichtete zudem von einem Unglück, bei dem drei Boote gesunken seien, es gebe viele Tote.

4000 Menschen gerettet

Die italienische Küstenwache erklärte, sie habe seit Donnerstagmorgen mehr als 20 Rettungseinsätze koordiniert, bei denen insgesamt etwa 4000 Menschen in Sicherheit gebracht worden seien.

Bereits am Mittwoch war ein völlig überfülltes Boot vor der libyschen Küste gekentert. Die Insassen hatten zuvor zwei Schiffe entdeckt und sich alle auf eine Seite verlagert. Rettungskräfte versuchten daraufhin auch unter Einsatz von Helikoptern, die Menschen aus dem Wasser zu holen. Für fünf von ihnen kam jede Hilfe zu spät. 562 Menschen konnten gerettet werden.

Mit dem Beginn der warmen Jahreszeit wagen wieder mehr Flüchtlinge die Überfahrt aus Nordafrika. Das Mittelmeer gilt allerdings als die gefährlichste Flüchtlingsroute der Welt: Seit Anfang des Jahres sind Schätzungen der Internationalen Organisation für Migration zufolge mindestens 1350 Menschen ertrunken.

(sda)

?
Facebook
SMS
SMS
0
Forum
Kommentieren Sie jetzt diese news.ch - Meldung.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Rom - Bei einem erneuten ... mehr lesen 2
Die italienische Marine hat 130 Flüchtlinge gerettet.
Der Weg über das Meer zwischen Libyen und Italien ist inzwischen die Haupt-Route auf dem Weg nach Europa. (Symbolbild)
Rom - Internationale Rettungskräfte ... mehr lesen
Rom - In diesem Jahr sind bereits 1370 Flüchtlinge auf dem Weg nach ... mehr lesen
Den Behörden zufolge wurden am Montag rund 2600 Flüchtlinge in Sicherheit gebracht. (Archivbild)
Rom - Internationale Einsatzkräfte ... mehr lesen
Neben der Marine waren Schiffe von Hilfsorganisationen an den Aktionen beteiligt. (Archivbild)
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 21
Die Fluchtroute auf der Seestrecke zwischen Nordafrika ...
Erschreckende Zahlven von der UNO  Berlin - Bei Bootsunglücken im zentralen Mittelmeer sind in der zurückliegenden Woche nach UNO-Angaben wahrscheinlich mindestens 880 Flüchtlinge umgekommen - und damit weit mehr als ohnehin schon befürchtet. mehr lesen 
Amnesty International berichtet  Kabul - Die Zahl der Binnenflüchtlinge hat sich wegen des Kriegs in Afghanistan in nur drei Jahren mehr als verdoppelt - auf heute 1,2 Millionen Menschen. 2013 hatten die Vereinten ... mehr lesen
Afghanische Binnenflüchtlinge vegetierten unter «abscheulichen Bedingungen gerade so am Rande des Überlebens dahin». (Symbolbild)
Mit 124 zu 64 Stimmen genehmigte die grosse Kammer den Bundesbeschluss über den Nachtrag I zum Voranschlag 2016.
353 Millionen Franken für den Asylbereich  Bern - Der Nationalrat hat am Dienstag die Staatsrechnung 2015 sowie die Nachtragskredite zum ... mehr lesen  1
Titel Forum Teaser
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Sa So
Zürich 8°C 20°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich stark bewölkt, Regen
Basel 10°C 20°C wechselnd bewölktleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Wolkenfelder, kaum Regen bewölkt, etwas Regen
St. Gallen 14°C 17°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig bewölkt, etwas Regen
Bern 7°C 19°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Wolkenfelder, kaum Regen gewittrige Regengüsse
Luzern 6°C 20°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich gewittrige Regengüsse
Genf 7°C 21°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt, Regen gewittrige Regengüsse
Lugano 11°C 19°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich Wolkenfelder, kaum Regen
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten