Neue Foltervorwürfe gegen Le Pen
publiziert: Montag, 3. Jun 2002 / 17:23 Uhr

Paris - Eine Woche vor den Parlamentswahlen in Frankreich sind neue Vorwürfe über Folterpraktiken des rechtsradikalen Politikers Jean-Marie Le Pen während des Algerienkrieges (1954-1962) veröffentlicht worden.

Der Führer der fremdenfeindlichen Nationalen Front (FN) wies die Vorwürfe am Montag entschieden zurück. Er kündigte eine Klage gegen die Tageszeitung «Le Monde» an.

Die Zeitung veröffentlicht in ihrer Dienstagausgabe vier Stellungnahmen algerischer Widerstandskämpfer, die erstmals eine persönliche Beteiligung des damals jüngsten Abgeordneten Frankreichs an Misshandlungen beschreiben.

Le Pen nannte diese Veröffentlichung vor der ersten Runde der Wahl am 9. Juni «eine besonders unfaire Manipulation». Er habe «niemals persönlich» an Foltern teilgenommen.

Vor 40 Jahren hatte Le Pen, der von Januar bis März 1957 in Algier mit der Nachrichtenbeschaffung beschäftigt war, Folterpraktiken noch zugegeben. «Ich habe gefoltert, weil es getan werden musste», sagte er 1962 der Zeitung «Combat».

Mit juristischen Schritten gegen diese Foltervorwürfe ist der FN-Chef bisher gescheitert. Das höchste französische Berufungsgericht hat zuletzt 2001 festgestellt, dass es keine «Diffamierung einer öffentlichen Persönlichkeit» sei, Le Pen als «Folterer während des Algerien-Krieges» zu bezeichnen.

(bb/sda)

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