Kantonsabhängig
Neue Studie widerlegt «Heiratsstrafe»
publiziert: Donnerstag, 16. Jan 2014 / 16:45 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 16. Jan 2014 / 17:36 Uhr
Braut und Bräutigam halten ihre Eheringe in den Händen. (Symbolbild)
Braut und Bräutigam halten ihre Eheringe in den Händen. (Symbolbild)

Bern - Die steuerliche Benachteiligung von Ehepaaren beschäftigt die Schweizer Politik seit Jahren. Bund und Kantone haben in den vergangenen Jahren verschiedene Massnahmen umgesetzt, um die so genannte Heiratsstrafe zu lindern. Eine Studie zeigt nun, dass viele Ehepaare sogar besser gestellt sind als unverheiratete Paare.

3 Meldungen im Zusammenhang
Das betrifft vor allem tiefe Einkommen. Verdienen die Ehegatten zusammen nicht mehr als 50'000 Franken im Jahr, entfallen für Ehepaare in Basel-Stadt und in Genf die Steuern fast ganz, auch die direkte Bundessteuer reduziert sich gegenüber Konkubinatspaaren um über 99 Prozent. Im Tessin oder in Basel-Landschaft ist noch rund die Hälfte zu bezahlen. Nur in der Waadt und in Obwalden sind Ehepaare schlechtergestellt.

Weniger gross sind die Unterschiede bei mittleren Einkommen: Verdienen beide Partner zusammen rund 143'000 Franken im Jahr, zahlen sie in der Waadt, in Glarus und beim Bund etwas mehr Steuern als Unverheiratete. In den meisten anderen Kantonen sind sie bessergestellt, zum Teil sogar beträchtlich. In Zug beträgt der Unterschied über 22 Prozent, im Wallis über 15 Prozent.

Reiche Ehepaare zahlen mehr

Je höher das Einkommen, umso schlechter sind Verheiratete gestellt. Bei 500'000 Franken zahlen sie fast einen Viertel mehr direkte Bundessteuer als Unverheiratete, im Tessin fallen 7,5 Prozent mehr Kantons- und Gemeindesteuern an. In den übrigen Kantonen ist der Unterschied zwischen Ehepaaren und Konkubinatspaaren nur gering.

Die am Donnerstag veröffentlichte Untersuchung wurde von einem Mitarbeiter der Eidg. Steuerverwaltung verfasst. Sie geht nur auf die Situation von kinderlosen Zweiverdienerpaaren ein. Das beschriebene Szenario geht davon aus, dass ein Partner 70 Prozent, der andere 30 Prozent zum Einkommen beiträgt. Berücksichtigt wurden aus dem Jahr 2011 Einkommenssteuern von Kanton, Gemeinde und Kirche sowie die direkte Bundessteuer.

Viele Massnahmen umgesetzt

Der Bund hat in den vergangenen Jahren verschiedene Massnahmen umgesetzt, um die Heiratsstrafe zu mildern. So wurde 2008 der Zweiverdienerabzug erhöht und ein Verheiratetenabzug eingeführt. Für zwei Drittel der Betroffenen wurde damit die Mehrbelastung vollständig beseitigt, für die übrigen Paare wurde sie gemildert.

Gegen die verbleibende Ungleichbehandlung geht die CVP mit ihrer Initiative "Gegen die Heiratsstrafe" vor. Diese ist derzeit beim Parlament hängig. Der Bundesrat empfiehlt die Initiative zur Annahme. Die Mindereinnahmen würden sich auf bis zu 2,3 Milliarden Franken belaufen, ein Teil davon bei den Kantonen.

Verfassungswidrige Heiratsstrafe

Diese mussten Massnahmen zur Entlastung von Ehepaaren ergreifen, nachdem das Bundesgericht 1984 die starke Ungleichbehandlung von Ehepaaren für verfassungswidrig erklärt hatte. Sieben Kantone kennen heute ein Vollsplitting, ebenso viele ein Teilsplitting, andere haben einen speziellen Steuertarif für Ehepaare eingeführt.

Daneben gibt es noch weitere Varianten, etwa den linearen Steuersatz in Uri. Zur Schlechterstellung kommt es nur mit einem progressiven Steuersatz: Werden die Einkommen der Ehegatten addiert, wird die Summe zu einem höheren Satz besteuert als die einzelnen Einkommen.

Obwohl dies allgemein als stossend empfunden wird, ist eine Lösung bisher stets an der an der verfahrenen politischen Situation gescheitert: SP und FDP möchten der Individualbesteuerung zum Durchbruch verhelfen, während CVP und SVP Splitting-Modelle bevorzugen.

(fajd/sda)

?
Facebook
SMS
SMS
1
Forum
Machen Sie auch mit! Diese news.ch - Meldung wurde von einer Leserin oder einem Leser kommentiert.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
«Heiratsstrafe»: Wer heiratet bekommt noch keine Steuervorteile. (Symbolbild)
Bern - Der Bundesrat hat seine Vorlage zur Abschaffung der Heiratsstrafe vorläufig sistiert. Zu kontrovers war sie in der Vernehmlassung diskutiert worden. Stattdessen empfiehlt er die ... mehr lesen
Nur selektive Relationen
Zitat " Die am Donnerstag veröffentlichte Untersuchung wurde von einem Mitarbeiter der Eidg. Steuerverwaltung verfasst. Sie geht nur auf die Situation von kinderlosen Zweiverdienerpaaren ein."

Interessant ist, dass es für solche Vergleiche eine Studie braucht. Ich war der Meinung, Bund und Kantone seien genaustens im Bild über den Querschnitt durch die Steuerklassen und -bürger.

Denn wenn nicht, auf welcher Basis treffen dann Regierung und Parlament ihre Entscheide? Auf welcher Basis stehen denn verallgemeinernde Aussagen, wie "Heiratsstrafe", wenn nicht auf aktuellen, zahlenunterlegten Fundamenten?
Wie können die Politiker Steuerbelastungen verteilen, (.z.B. Familieninitiative), wenn erst im nachhinein "Studien" gemacht werden müssen?

Im Zeitalter der EDV sollten derartige Vergleichsmuster eigentlich auf Knopfdruck erhältlich sein, jährlich neu erhoben und voraus kalkuliert werden.

Man hat den Eindruck, solche Zahlen werden aus politischen Gründen bewusst geheim gehalten und verschwinden in den Schubladen von Beamten und Räten.
Bis dann wieder einmal eine "offizielle Studie" die herrschende Meinung etwas auffrischt.
Wobei man ja im Artikel nicht erfährt, wer die Studie gemacht hat. Es kann ja sein, dass oben erwähntes Knöpfchen auf Geheiss ausnahmsweise doch einmal betätigt worden ist.
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 21
Reaktionäre Kräfte schliessen sich für das Referendum zusammen, mit dabei auch EDU-Präsident Hans Moser.
Reaktionäre Kräfte schliessen sich für das Referendum zusammen, mit ...
Reaktionär  Bern - Gegen die geplante Stiefkindadoption für Homosexuelle regt sich Widerstand. Sollte das Parlament das neue Adoptionsrecht in der vorliegenden Form verabschieden, will ein überparteiliches Komitee aus den Reihen der SVP, CVP und EDU das Referendum ergreifen. mehr lesen 3
Einkommen weniger wichtig  Kinder verheirateter Eltern haben mehr Selbstvertrauen und sind glücklicher, egal wie hoch das Einkommen der Familie unter dem Strich ist. Zu diesem Schluss kommt eine aktuelle Untersuchung der britischen Marriage Foundation. mehr lesen  
In den vergangenen Jahre haben von knapp 500'000 Einkommensmillionären nur 12'000 pro Jahr den Bundesstaat gewechselt.
Falsche Sichtweise  Selbst wenn sie hohe Steuerabgaben leisten müssen, leben reiche Amerikaner grösstenteils weiter in ... mehr lesen  
Titel Forum Teaser
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Sa So
Zürich -2°C 0°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich starker Schneeregen
Basel 0°C 0°C wechselnd bewölktleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig starker Schneeregen
St. Gallen -4°C -2°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Nebel starker Schneeregen
Bern -2°C -1°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich starker Schneeregen
Luzern -1°C -1°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich starker Schneeregen
Genf 0°C 2°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich anhaltender Regen
Lugano 0°C 5°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig Schneeregenschauer
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten