Davos 2016
Neue Teilnehmer in Afrikas «Kampf der Schals»
publiziert: Mittwoch, 20. Jan 2016 / 08:44 Uhr
Eleni Giokos, CNN International Wirtschaftskorrespondentin.
Eleni Giokos, CNN International Wirtschaftskorrespondentin.

Seit der Finanzkrise 2008 ist die Begeisterung für Afrika ungebrochen. Scheinbar zahllose Möglichkeiten - gepaart mit hohen Wachstumsraten - haben weltweit die Aufmerksamkeit der Investoren geweckt.

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Der Run auf Afrika wurde zum Dauerthema auf dem Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos und führte schliesslich zu einer vermehrten Teilnahme afrikanischer Delegierter beim Treffen der Weltelite in den Schweizer Bergen.

Dieses Jahr haben sich die Gesprächsthemen jedoch verändert. Die Kapitalanleger berücksichtigen bei ihren Überlegungen inzwischen auch den wirtschaftlichen Gegenwind, der mittlerweile fast allen Schwellenländern entgegenschlägt. 2016 könnte daher ein schwieriges Jahr für die Teilnehmer Afrikas in Davos werden, die alles daran setzen, das Interesse an ihrem Heimatkontinent aufrechtzuerhalten.

Beim WEF kann Marketing genauso wichtig sein wie hohe Wachstumsraten. 2010 war Südafrika, das sich auf die Fussballweltmeisterschaft vorbereitete, das Epizentrum der Begeisterung. Die südafrikanische Delegation hatte einen einfachen, aber hoch effektiven Marketingcoup vorbereitet, und so trugen am Ende der Tagung die meisten Teilnehmer von Davos schliesslich einen Schal mit der Flagge Südafrikas.

Ein Jahr später zog Nigeria nach und es begann eine «Schal-basierte» Rivalität zu Südafrika. Durch das Tragen der von ihnen bevorzugten Halsbekleidung schworen die Kongressteilnehmer einem der beiden Länder - im wahrsten Sinne des Wortes, aber natürlich mit einem Augenzwinkern - einen Fahneneid.

Tatsächlich schien der Kampf der Schals beim WEF eine klare Verschiebung in der Wahrnehmung gegenüber dem Schwarzen Kontinent zu markieren. Vor der Finanzkrise galt Afrika in der Weltwirtschaft weitgehend als «Problemkind». 2008, als viele Volkswirtschaften der sogenannten Ersten Welt ins Straucheln gerieten, kam es zu einem Paradigmenwechsel. Afrika wurde zur letztmöglichen wirtschaftlichen Grenze. Doch bis zum Jahr 2014, als Nigeria die eigene Wirtschaftsleistung neu berechnete und schlagartig Afrikas grösste Volkswirtschaft wurde, hatte sich das Gespräch schon weiterentwickelt. Investoren untersuchten enthusiastisch die Fülle an Möglichkeiten in den zwei wirtschaftlich stärksten Ländern Afrikas.

Dieses Jahr könnte es zu einer weiteren Verschiebung kommen. Afrikas reichster Mann, der nigerianische Milliardär Aliko Dangote, wird wohl um bis zu 17 Prozent ärmer als bislang zum WEF in Davos reisen. Analysten zufolge ist sein Nettovermögen auf 17 Milliarden Dollar geschrumpft. Das mag für ihn kein allzu grosses Problem darstellen, doch der schwache Naira und der Absturz des Ölpreises haben Afrikas grösster Wirtschaft Milliarden Dollar gekostet; über kurz oder lang werden alle Bürger im Land die Auswirkungen zu spüren bekommen.

Dieses Thema betrifft allerdings nicht nur Nigeria. Niedrige Rohstoffpreise und Währungsschwankungen sind die Hauptprobleme, die Afrika und die Investoren 2016 plagen. Der südafrikanische Rand hat einen neuen Tiefstand erreicht und steht nun bei einem Wechselkurs von 17 Rand zu einem US-Dollar; letztes Jahr büsste die Währung 35 Prozent an Wert ein. Afrikas am stärksten industrialisierte Nation erwartet dieses Jahr ein Wachstum von 1,5 Prozent Abgesehen von den offensichtlichen Themen, die rohstoffproduzierende Länder überall betreffen, setzen den meisten afrikanischen Ländern auch das langsamere Wachstum in China sowie die Erhöhung der Leitzinsen durch die US-Notenbank Fed zu.

Auch die gestiegene Zahl an Terrorgruppen macht vielen afrikanischen Staaten zu schaffen. Besonders Nigeria, Kenia, Mali kämpfen damit, doch natürlich sind auch weitere Staaten betroffen.

Dieses Jahr müssen die afrikanischen Teilnehmer die Investoren wohl davon überzeugen, dem Kontinent die Treue zu halten, und sie daran erinnern, sich auf jene Wirtschaftsbereiche zu konzentrieren, die vor zwei Jahren so viel Aufmerksamkeit erhielten: die Bereiche Einzelhandel, Telekommunikation, Energie und Infrastruktur.

Doch nicht alle Aussichten sind düster. Die Staaten südlich der Sahara erwarten 2016 ein Wachstum von 3,75 Prozent und zählen immer noch zu den am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften weltweit.

Die interessantesten Geschichten könnten dieses Jahr sogar von jenen Ländern stammen, die nicht zu Afrikas wirtschaftlich grössten drei Staaten zählen. Länder wie Äthiopien, Ruanda, Tansania und Mauritius wecken mit ihren starken Wachstumszahlen Zuversicht, wobei sie zugegebenermassen von einem niedrigen Ausgangspunkt aus wachsen. Obwohl diese Länder in Davos keine grosse Bühne erhalten, gehören sie momentan zu den robustesten Volkswirtschaften Afrikas. Vielleicht sollten sie dort einmal mit dem Gedanken spielen, in ein paar Schals zu investieren.

CNN International berichtet vom 20. - 23. Januar 2016 vom Weltwirtschaftsforum in Davos. Weitere Informationen auch unter: www.cnn.com/davos.

(Eleni Giokos, CNN International/CNN-News)

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