Neue erneuerbare Energien - Happy End für die Energiepolitik?
publiziert: Mittwoch, 5. Sep 2012 / 09:40 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 6. Sep 2012 / 08:34 Uhr
Gastautor Heinz Karrer ist CEO der Axpo.
Gastautor Heinz Karrer ist CEO der Axpo.

In Hinblick auf die energiepolitische Wende sind sich Axpo und der Bund einig, dass neben der Energieeffizienz den neuen erneuerbaren Energien eine zentrale Rolle zukommen muss und wird. Doch wie gross ist das Potenzial dieser umweltfreundlichen Stromproduktionsarten und vor welche neuen Herausforderungen stellen sie uns?

2 Meldungen im Zusammenhang
Ich frage Sie: Wie hoch schätzen Sie den Anteil der neuen erneuerbaren Energien am Schweizer Strommix? Tatsächlich steuert «grüner» Strom, darunter sind alle erneuerbaren Energien exklusive der Grosswasserkraft zu verstehen, per dato erst knapp 2 Prozent zum Schweizer Strommix bei. Rund 58 Prozent stammen aus Grosswasserkraft und rund 40 Prozent aus Kernkraft.

Politik und Bevölkerung setzen hohe Erwartungen an die neuen Erneuerbaren, doch ihr geringer Anteil erzählt (noch) eine andere Geschichte: Wir sind noch lange nicht da, wo wir hin wollen. Es braucht weitere massive Investitionen, auch in die Forschung und Entwicklung, und deren Ausbau wird noch Jahrzehnte in Anspruch nehmen.

Geothermie langfristig mit grossem Potenzial

Axpo ist bereits heute grösste Produzentin neuer erneuerbarer Energien in der Schweiz und setzt hierzulande vor allem auf Biomasse (Kompogas, Holzenergie) und kleine Wasserkraftwerke. Künftig sind Investitionen in Geothermie und in grosse Photovoltaikanlagen geplant. Im Bereich Windenergie konzentrieren wir uns dagegen zur Hauptsache auf das Ausland, wo wir bereits in diverse Projekte investieren. Dieses Engagement bauen wir weiter aus.

In Deutschland beteiligen wir uns an einem Geothermiekraftwerk und wollen das erworbene Wissen in der Schweiz anwenden. Ich bin überzeugt, dass die Geothermie langfristig grosses Potenzial hat, da sie im Unterschied und als Ergänzung zur Solar- und Windenergie wichtige Bandenergie liefert. Wir sind guter Dinge, schon bald einen ersten möglichen Standort im Axpo-Versorgungsgebiet präsentieren zu können.

Neue Energien - Akzeptanz oder neuer Widerstand?

Bei allem Effort werden die neuen erneuerbaren Energien die Stromlücke zwar verkleinern, aber noch lange nicht schliessen können, dies insbesondere was das Winterhalbjahr anbetrifft. Zum einen sind sie technologisch noch zu wenig ausgereift und es mangelt an geeigneten Standorten oder aber die notwendigen komplementären Speichertechnologien sind noch nicht verfügbar. Zum anderen formiert sich gegen viele Projekte allzu oft lokaler Widerstand. Ökostrom geniesst zwar wegen seiner CO₂-armen Produktionsart in der Bevölkerung breite Akzeptanz, aber man darf nicht vergessen, dass der Bau der Anlagen immer mit einem Eingriff in die Natur und unsere Umgebung verbunden ist.

In der Schweiz stossen Windparks oft auf Widerstand beim Landschafts- oder Heimatsschutz. Grundbesitzern und Anwohnern sind der unvermeidliche Lärm und Flugschatten einer Windanlage ein Dorn im Auge. Photovoltaikanlagen lassen sich nicht immer mit den Anforderungen des Denkmalschutzes vereinbaren. Das Gleichgewicht zwischen Schutz und Nutzen zu wahren, ist eine der grössten Herausforderungen für uns. Zudem stehen Umweltverbände und Schutzorganisationen, wie z.B. Gewässer-, Heimat- oder Naturschutz, selber immer öfter im Interessenskonflikt zueinander: eine saubere, also möglichst CO₂-arme Stromproduktion durch neue Energien ja, aber mit welchen Konsequenzen und Abstrichen bei anderen Schutzinteressen?

Diese Frage müssen wir uns als Stromkonsumenten letztlich alle stellen: In den neuen Energien liegt die Zukunft - doch welchen Preis sind wir generell bereit für Energie zu zahlen?

(Gastautor Heinz Karrer/ETH-Zukunftsblog)

?
Facebook
SMS
SMS
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Bern/Neuenburg - Dank dem Vormarsch der Holzenergie hat sich das Geschäftsklima für die Schweizer Forstbetriebe 2013 etwas ... mehr lesen
Holz ist sehr gefragt
Genug Strom  vorhanden, trotz Stilllegung von acht AKWs.
Berlin - Deutschland hat im ersten Jahr nach der Energiewende seine Stromausfuhren ... mehr lesen
Mit Biogas betriebene Wärme-Kraft-Kopplungsanlagen (WKK) können fluktuierenden Solarstrom kompensieren und Gebäude beheizen.
Mit Biogas betriebene ...
Eine zentrale Herausforderung der Energiewende ist es, die schwankende Stromproduktion aus erneuerbaren Quellen auszugleichen. Eine Machbarkeitsstudie zeigt nun für drei Schweizer Kantone auf, wie ein Verbund von Wärme-Kraft-Kopplungsanlagen kurzfristige Engpässe überbrücken und Gebäude mit Strom und Wärme versorgen kann. mehr lesen 
Vor rund hundert Jahren begann die Industrialisierung der Landwirtschaft - heute erleben wir den Beginn ihrer Digitalisierung. Damit die Big-Data-Welle den Bauer nicht vom Acker schwemmt, sondern ihn optimal ... mehr lesen
Vor rund hundert Jahren begann die Industrialisierung der Landwirtschaft - heute erleben wir den Beginn ihrer Digitalisierung.
Wie werden Wasserkraftwerke wieder rentabel?
Die Schweizer Wasserkraft darbt. Die Ursache dafür sind letztlich Verzerrungen im europäischen Strommarkt. Nun diskutiert die Politik Subventionen für die ... mehr lesen  
Climate change has been communicated as a global concern affecting all of mankind; but this message doesn't seem to be getting through. If indeed the human brain responds better to experience than to analysis, then climate change must be told as a local and personal story - just as the Klimagarten 2085 exhibition is doing. mehr lesen  

Fakten und Meinungen zu Nachhaltigkeit

Der Zukunftsblog der ETH Zürich nimmt aktuelle Themen der Nachhaltigkeit auf. Er bietet eine Informations- und Meinungsplattform, auf der sich Expertinnen und Experten der ETH zu den Themenschwerpunkten Klimawandel, Energie, Zukunftsstädte, Welternährung und Natürliche Ressourcen äussern. Prominente Gäste aus Forschung, Politik und Gesellschaft tragen mit eigenen Beiträgen zur Diskussion bei.

Lesen Sie weitere Beiträge und diskutieren Sie mit auf: www.ethz.ch/zukunftsblog

86 Prozent des Stroms aus Energieträgern wurden in der Schweiz produziert.
Green Investment Hälfte des Stroms stammt aus Wasserkraft Bern - Der Strom aus Schweizer Steckdosen stammte ...
 
Wettbewerb
   
Die Alp Grosser Mittelberg im Justistal.
Viel Glück  Die Alpsaison steht vor der Tür. Damit Wanderfreunde den Weg zu den schönsten Alpbeizli finden, haben wir ein Gewinnspiel parat.
Mitmachen und gewinnen.  Rechtzeitig zur Premiere von «The First Avenger: Civil War» verlosen wir zwei Fan-Pakete mit jeweils zwei Kinoeintritten.
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute So Mo
Zürich 14°C 25°C Wolkenfelder, kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig viele Gewitter bewölkt, etwas Regen
Basel 14°C 25°C gewitterhaftleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Gewitter möglich stark bewölkt, Regen
St. Gallen 15°C 23°C vereinzelte Gewitterleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig gewitterhaft bewölkt, etwas Regen
Bern 14°C 24°C vereinzelte Gewitterleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig stark bewölkt, Regen stark bewölkt, Regen
Luzern 14°C 24°C vereinzelte Gewitterleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig gewitterhaft bewölkt, etwas Regen
Genf 13°C 25°C gewitterhaftleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Gewitter möglich stark bewölkt, Regen
Lugano 16°C 23°C Wolkenfelder, kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Gewitter möglich Gewitter möglich
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten