Neuer Dopingschock für Phonak
publiziert: Freitag, 28. Jul 2006 / 07:05 Uhr / aktualisiert: Freitag, 28. Jul 2006 / 10:00 Uhr

Der jüngste Doping-Schock ist für Phonak der mit Abstand grösste: Tour-de-France-Sieger Floyd Landis wurde positiv auf Testosteron getestet - nach der 17. Etappe nach Morzine, die er in überlegener Manier gewonnen hatte.

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Die UCI informierte Phonak am Mittwochabend, dass bei Landis nach dieser Etappe, nur einen Tag nach seinem schweren Einbruch nach La Toussuire, eine unübliche Konzentration von Testosteron und Epitestosteron festgestellt wurde. In einer ersten Stellungnahme, die nur über ein Communiqué verbreitet wurde, gaben sich das Management von Phonak und der Fahrer überrascht von diesem Resultat. Landis will in den nächsten Tagen eine Gegenanalyse vornehmen lassen, um «zu beweisen, dass dieses Resultat von einem natürlich Prozess herrührt oder ein Fehler in der Auswertung gemacht wurde».

Im Fahrerfeld sind Testosteron-Pflaster, die über die Nacht auf die Hoden geklebt werden, bekannt. Sie geben häufig kein positives Resultat im Dopingtest. Sollte die B-Probe von Landis die Ergebnisse der ersten Analyse bestätigen, wird der Fahrer bis auf weiteres suspendiert und muss sich einer endokrinologischen Untersuchung unterziehen, um festzustellen, ob der zu hohe Wert allenfalls natürliche Ursachen hat. Das Hormon Testosteron fördert unter anderem die Regenerationsfähigkeit der Muskeln und vermindert die Anfälligkeit auf Infekte.

Auffällig hohe Wasserzufuhr

Nach den jüngsten Enthüllungen erhalten die Aussagen von Landis an der grossen Medienkonferenz nach dem zweiten Zeitfahren, als sein Tour-Sieg quasi feststand, eine neue Dimension. Allen Fragen, die sich ums Doping drehten, wich der 30-jährige Amerikaner aus und wand sich um ein klares Statement gegen die Einnahme unerlaubter Mittel. Auch drängt sich die Frage auf, ob die auffällig hohe Wasserzufuhr während seinem Parforceritt nach Morzine auch dazu diente, eventuell unerlaubte Stoffe wieder aus dem Körper zu schwemmen.

Bis auf weiteres wird Landis keine Rennen mehr bestreiten, so fehlte er bereits am Mittwochabend an einem Kriterium in Holland, ohne sich dort jedoch abzumelden. Landis und auch Teammanager John Lelangue waren für die Organisatoren nicht erreichbar, was bereits zu ersten Spekulationen führte, nachdem die UCI am Mittwoch erklärt hatte, dass es bei der Tour de France einen Dopingfall gegeben hatte.

Untergetaucht

Am Dienstagabend fuhr Landis beim Kriterium in Stiphout, machte dort einen sehr guten Eindruck und gewann die Veranstaltung. Am Donnerstag war der Toursieger bei einem Kriterium in Dänemark erwartet worden. Seit Mittwoch nun ist Landis untergetaucht. «Sowas habe ich noch nie erlebt. Wir haben keine offizielle Entschuldigung. Wir haben den ganzen Abend versucht, Landis und Phonak-Manager John Lelangue zu kontaktieren, aber keinen erreicht», sagte John van den Akker, der Organisator von Chaam, verärgert. Man habe viel Geld gezahlt für Landis´ Start und erwarte eine Erklärung. Van den Akker fügte hinzu, dass beim «netten» Landis solch rüdes Verhalten gänzlich unerwartet sei und dass der Toursieger am Morgen im Hotel beim Frühstück noch sehr munter gewirkt habe.

Erste Erklärungen für das plötzliche Abtauchen, waren aufgetretene Hüftbeschwerden. Er habe das Teamhotel in Eindhoven verlassen und sei zum Mannschaftsarzt nach Deutschland gereist, sagte sein Phonak-Teamkollege Robert Hunter der Tageszeitung De Telegraaf. Wo sich Landis derzeit aufhält, ist nicht bekannt. Und im zehnzeiligen Communiqué bitten die Phonak-Verantwortlichen um Verständnis, dass sie keine weiteren Auskünfte erteilen. Wie Lelangue war auch Teambesitzer Andy Rihs, der noch immer in Frankreich weilt, im ersten Moment nicht erreichbar.

Wiederholte Verwicklungen

Die Meldung wiegt für Phonak doppelt schwer, da das Team in den letzten Jahren wiederholt in positive Dopingfälle verwickelt worden war. Oscar Camenzind war vor den Olympischen Spielen im Training mit EPO erwischt worden, Santiago Perez und Tyler Hamilton wurden Blutdoping nachgewiesen; Santiago Botero, Enrique Gutierrez und Ignacio Gutierrez als Kunden von Eufemiano Fuentes überführt. Und zu Beginn dieses Jahres fiel Dopingtest des Schweizer Nachwuchsfahrers Sascha Urweider ebenfalls positiv aus (Testosteron).

Damit rücken auch die Erfolge des Teams in immer schieferes Licht: Botero und Hamilton gewannen für Phonak die Tour de Romandie, der Amerikaner holte überdies die Goldmedaille im olympischen Zeitfahren, Landis gewann in diesem Jahr Kalifornien- und Georgia-Rundfahrt sowie Paris - Nizza und vor allem natürlich die Tour de France, Enrique Gutierrez wurde Zweiter im Giro d´Italia dieses Jahres, Santiago Perez war 2004 Vuelta-Zweiter. Alle sind früher oder später ins Zwielicht des Dopings geraten.

(Sascha Rhyner/Si)

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