«Neues Abenteuer in Rom»: Prodi regiert ohne eigene Hausmacht
publiziert: Donnerstag, 18. Mai 2006 / 08:11 Uhr

Rom - Es ist Romano Prodis zweiter Versuch mit dem Regieren. Just vor zehn Jahren hatte der heute 66-Jährige schon mal den Gang in den Quirinals-Palast in Rom angetreten.

Romano Prodi hat viel zu tun in der nächsten Zeit.
Romano Prodi hat viel zu tun in der nächsten Zeit.
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Hoffnungsvoll präsentierte er die erste Linksregierung Italiens - zwei Jahre später stürzten ihn dann die Kommunisten.

«Heute beginnt ein neues Abenteuer», meinte ein Kommentator zu Prodis feierlicher Vereidigung am Mittwoch. «Die gleiche Maisonne, derselbe Mann» - nur die Probleme in Italien sind etwas heftiger geworden.

Bis in die Nacht dauerte das Geschiebe und Gezerre um die Ministerposten. Schliesslich ist es kein Kinderspiel, in einem bunt zusammengewürfelten Bündnis mit sieben Parteien und diversen Unabhängigen jeden zufrieden zu stellen. «Wir garantieren eine solide und ausgewogene Regierung», verkündet ein lachender Prodi im Quirinals-Palast.

Nur gerade zwei «Prodi-Männer»

Das sehen manche etwas anders: «Eher links als Mitte», überschreibt der «Corriere della Sera» seinen Kommentar. Dabei ist das Flaggschiff der italienschen Presse eher Prodi-freundlich. Lediglich zwei Minister im Kabinett gelten als ausgesprochene «Prodi- Männer».

Die meisten Ressorts konnten die mächtigen Linksdemokraten und die Margherita-Partei des ehrgeizigen Vorsitzenden Francesco Rutelli ergattern. Der parteilose Prodi ist zwar der Chef der Regierung - aber ein Chef ohne eigene Hausmacht. Keine einfache Angelegenheit.

Es gibt viel Arbeit

Dabei müsste Prodi einige «Baustellen» in der italienischen Politik anpacken: Kaum ein anderes grosses EU-Land (ausser Deutschland und Frankreich) hat sich bisher als derart Reform-resistent erwiesen wie Italien.

Die mittelständische Textil- und Schuhindustrie leidet extrem unter der neuen Konkurrenz aus China. Und der jüngste Fussball- Skandal zeigt nach Ansicht vieler Kommentatoren, das die «üblen Gewohnheiten» der ehemaligen «Schmiergeld-Republik» längst nicht ausgemerzt sind.

Fünf Jahre der Regierung von Silvio Berlusconi haben das Land nicht unbedingt weiter gebracht - Prodi hat viel zu tun.

Eigenes Hemd ist näher

«Doch das Regieren mit knappen Mehrheiten ist in Italien viel schwieriger als in Deutschland», meint ein römischer Kommentator. Früher dauerten italienische Regierungen in der Regel nicht länger als eine Schwangerschaft. Noch heute ist Führern der kleinen Parteien im Zweifelsfall die eigene Profilierung wichtiger als die Kabinettsdisziplin.

Nur zwei Stimmen Mehrheit hat die neue Koalition im Senat - und die Senatoren haben bei jedem Gesetz mitzubestimmen. Dann lauert da noch Berlusconi. Zwar kündigt dieser milde an, er wolle keine «totale Opposition» betreiben. Aber kürzlich nannte er Prodis-Mannschaft ein «governo balneare», eine «Regierung der Badesaison», die den Sommer nicht überdauern werde.

(Peer Meinert, dpa/sda)

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