Neues Medium verändert Politik in den USA
publiziert: Montag, 20. Okt 2008 / 21:07 Uhr / aktualisiert: Montag, 20. Okt 2008 / 21:41 Uhr

Washington - Das Internet ist in der Wahlkampagne von Barack Obama zu einem echten Machtfaktor geworden. Über das Netz organisiert er auch zu wesentlichen Teilen die enorme finanzielle Unterstützung für seinen Wahlkampf.

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Kaum ein Tag vergeht ohne Post von Barack. Seinen Familiennamen Obama lässt der US-Präsidentschaftskandidat in den Massen-E-Mails an Millionen Anhänger weg, seine Amtsbezeichnung als Senator sowieso.

Es geht betont familiär zu in der virtuellen Massenbewegung, als deren Anführer sich der 47-jährige Senator aus Illinois etabliert hat.

«Der eigentliche Kern von Obamas Story ist, dass er das Internet als umfassende Wahlkampfstrategie einsetzt», sagt Michael Malbin vom Campaign Finance Institute in Washington.

Obama werbe nicht nur Wahlkampfspenden an, sondern organisiere eine Freiwilligen-Bewegung. Millionen machen mit und dürften dauerhaft die Art ändern, wie in den USA Wahlkampf betrieben wird.

Hunderte von Millionen gesammelt

Obamas massenhaft verschickte Mails sind nur der sichtbarste Teil seines Netz-Imperiums. Gestützt auf ein Heer von Kleinspendern im Internet nahm Obama bislang an die 600 Millionen Dollar Spendengeld ein.

Mehr als 2,7 Millionen Anhänger haben sich auf seinen Seiten auf den populären Netzwerk-Plattformen MySpace und Facebook registriert. Dort organisiert sich seine Basis, die vor Ort die Knochenarbeit machen.

Über interaktive Formate lassen sich Einladungen zu Obama-Partys in Privathäusern ebenso finden wie die Adressen von Nachbarn, die vielleicht zur Stimmabgabe für ihn überredet werden können. Obamas Netz-Basis ist vier Mal grösser als die seines republikanischen Rivalen John McCain.

Klassische Medien umgangen

«Wenn Barack Obama die Präsidentschaft gewinnt, wird das zu keinem kleinen Teil daran liegen, dass er das Medium besser verstanden hat als seine Gegner», urteilt der Internet-Journalist Marc Ambinder vom Magazin «The Atlantic».

Mit seiner E-Mail-Liste, die die Namen von Millionen Wählern umfasst, verringert Obama die Distanz zwischen Wählern und Politikern: Er spricht direkt mit der Basis und umgeht dabei kurzerhand die klassischen Medien wie Presse und Fernsehen.

Die Datenbasis der Obama-Kampagne erfasst etwa, wer mit wem befreundet ist und wer sich für welche Themen interessiert. Mit diesen Informationen kann das Obama-Team sein Heer von Zehntausenden Freiwilligen steuern, die dann gezielt Kontakt zu einzelnen Wählern aufnehmen.

Obamas Kampagne verfolgt das erklärte Ziel, politikferne Wähler wie etwa junge Leute in grosser Zahl zu aktivieren und so die Mehrheit der Stimmen gegen McCain zu holen.

Mehr Unabhängigkeit?

Sollte die netzgestützte Basisbewegung den Kandidaten am 4. November tatsächlich ins Weisse Haus tragen, könnte sich das politische Alltagsgeschäft im Weissen Haus ändern.

Obama müsste möglicherweise weniger auf Lobbyisten und andere Spender achten, die eigentlich die Schmiere im US-Wahlkampfgetriebe sind. Seine Plattformen im Internet könnten ein Instrument sein, bei Unstimmigkeiten politischen Druck auf den Kongress auszuüben.

In der jüngeren US-Geschichte waren erfolgreiche Präsidenten immer auch mit einer eigenen neuen Kommunikationsstrategie verbunden: Franklin D. Roosevelt etwa wandte sich in seinen regelmässigen «Kamingesprächen» direkt an die Bürger. Und Ex-Schauspieler Ronald Reagan nutzte die Möglichkeiten des Fernsehens aus wie niemand vor ihm.

( Peter Wütherich/sda)

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