Sprache entlarvt Betrüger
Neues Tool erkennt gefälschte Forschungsarbeiten
publiziert: Mittwoch, 3. Sep 2014 / 14:25 Uhr / aktualisiert: Samstag, 6. Sep 2014 / 14:39 Uhr
Wissen schafft T-Shirt.
Wissen schafft T-Shirt.

Forscher der Cornell University analysierten Texte von Betrügern und konnten allein anhand der Sprache echte von gefälschten Forschungsergebnissen mit einer Genauigkeit von 70 Prozent unterscheiden. Derzeit untersuchen die Experten ein grösseres Sample von gefälschten Arbeiten verschiedener anderer Wissenschaftler. Untersucht werden soll, ob dieses Verfahren auch in diesen Fällen funktioniert.

Diederik Stapel, der 2011 zugegeben hatte, Daten in Dutzenden Forschungspapieren erfunden zu haben, hat seinen Betrug auch durch die verwendete Sprache erkennbar gemacht. Das haben Forscher der Cornell University ermittelt. Zu dem Aufbauschen der Gesichertheit seiner Forschungsergebnisse kamen bei dem «Wissenschaftler» noch mehr spezifische Ausdrücke bei der Beschreibung der erfundenen Ergebnisse.

Lügen haben kurze Beine

Laut David Markowitz, einem der Autoren der aktuellen Studie, bringt Lügen sehr viel Stress mit sich. «Diese Anspannung setzt sich immer wieder auch in der Sprache der Menschen fort.» Entscheidend ist auch der Kontext. Lügen Präsidenten bei einem Thema wie Krieg, dann sagen sie seltener ich oder mich. Menschen, die beim Online-Dating in ihren Profilen schwindeln, verwenden diese Wörter jedoch häufiger.

Das Forscher-Team ging davon aus, dass spezifische sprachliche Eigenheiten gerade in der Wissenschaft Hinweise auf Fälschungen liefern können. Stapels Fälschungen stellten dabei ein ideales Material dar. Laut Markowitz schrieb Stapel unglaublich viel. Die Tatsache, dass er so genau untersucht wurde, stellt eine einzigartige Chance dar. Die beiden Forscher wählten 24 Veröffentlichungen aus, die bekannte Fälschungen waren, und weitere 25, die einer offiziellen Überprüfung standgehalten hatten.

Ausgewählt wurden nur Veröffentlichungen, in denen Stapel als Hauptautor angegeben war. Damit lag nahe, dass er diese Arbeiten auch geschrieben hatte. Stapel, ein Mitarbeiter der Tilburg University, nutzte in seinen gefälschten Arbeiten mehr verbale Verstärker, also Wörter wie «hochgradig» oder «extrem», und weniger abschwächende Ausdrücke wie «nur» oder «etwas».

Screening für neue Arbeiten

Markowitz geht davon aus, dass Stapel auf diese Weise versucht hat, den Fälschungen mehr Wert zu verleihen. Sollte dieses Verfahren auch allgemeiner einsetzbar sein, könnte es für die Überwachung wissenschaftlicher Literatur eingesetzt werden. Dann lägen zwar keine konkreten Beweise für eine Fälschung vor, es wäre jedoch denkbar, damit Einrichtungen zu erkennen, bei denen es immer wieder zu fragwürdigen Veröffentlichungen kommt.

Da es derzeit aber immer noch zu einer Ungenauigkeit von 30 Prozent kommt, wären auch viele falsche Ergebnisse die Folge. Markowitz hofft, dass die Genauigkeit mit Hilfe von maschinellem Lernen verbessert werden kann. Beispiele von Fälschungen und echten Ergebnissen könnte die Fähigkeit der Algorithmen verbessern, die subtilen Unterschiede in der eingesetzten Sprache zu erkennen. Die Ergebnisse wurden im Fachmagazin PLOS ONE publiziert.

(jz/pte)

?
Facebook
SMS
SMS
0
Forum
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 17
Das Berner Inselspital stellt die Proben für mehrere Forschungsprojekte und einem grösseren Forscherkreis zur Verfügung.
Das Berner Inselspital stellt die Proben für mehrere ...
Medizinische Forschung  Bern - Das Inselspital nimmt mit der «Liquid Biobank Bern» das derzeit modernste Tiefkühllager für Blut und andere flüssige Bioproben in der Schweiz in Betrieb. Die Biobank soll zur wichtigen Forschungsressource für massgeschneiderte Medizin werden. mehr lesen 
Wegen Zika - Acht Wochen nur geschützt  Genf - Touristen sollen nach ihrer Heimreise aus Zika-Gebieten mindestens acht Wochen ... mehr lesen  
Zika wird hauptsächlich durch Mückenstiche verbreitet.
Das Zika-Virus kann auch bei Erwachsenen schwerwiegende neurologische Erkrankungen auslösen.
Experten: Europa muss sich auf die Zika-Epidemie vorbereiten Kopenhagen - «Die Zeit ist nicht auf unserer Seite. Das Zika-Virus zeigt nicht nur sein immer hässlicheres ...
In 60 bis 80 Prozent der Fälle verläuft eine Infektion unbemerkt. (Symbolbild)
16 Personen in der Schweiz Zika-infiziert Bern - In der Schweiz sind seit Einführung der Meldepflicht Anfang März 16 Fälle von Infektionen mit dem Zika-Virus festgestellt ...
Titel Forum Teaser
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Sa So
Zürich 18°C 27°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig vereinzelte Gewitter gewitterhaft
Basel 17°C 28°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig vereinzelte Gewitter
St. Gallen 17°C 25°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig gewitterhaft
Bern 16°C 27°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig gewitterhaft
Luzern 18°C 27°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig gewitterhaft
Genf 14°C 29°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig gewitterhaft
Lugano 19°C 29°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig gewitterhaft
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten