Adrenalin-Gabe nicht gut
Neues Vorgehen bei Herzstillstand?
publiziert: Donnerstag, 14. Aug 2014 / 12:18 Uhr
Das Medikament, das zur Wiederbelebung eingesetzt wird, richtet mehr Schaden als Nutzen an. (Symbolbild)
Das Medikament, das zur Wiederbelebung eingesetzt wird, richtet mehr Schaden als Nutzen an. (Symbolbild)

Coventry - Eine umstrittene Studie der University of Warwick, bei der Patienten nach einem Herzstillstand ein Blindpräparat und kein Adrenalin erhalten werden, hat die ethische Zulassung erhalten.

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Experten hatten Bedenken geäussert, dass das Medikament, das seit mehr als 50 Jahren zur Wiederbelebung eingesetzt wird, mehr Schaden als Nutzen mit sich bringt, heisst es bei der BBC. Die Durchführung der Studie bedeutet allerdings auch, dass Patienten in England und Wales ohne ihr Einverständnis ein Blindpräparat erhalten werden.

Das Forschungsprojekt werfe eine ganze Reihe ethischer Fragestellungen auf, meint etwa der Medizinethiker Daniel Sokol. Allein in Grossbritannien erleiden jedes Jahr mehr als 50.000 Personen ausserhalb eines Krankenhauses einen Herzstillstand. Während eines Herzstillstands hört das Herz vollkommen auf zu schlagen. Die meisten Menschen überleben das nicht.

Derzeit erreichen nur acht Prozent der Patienten das Krankenhaus lebend. Rettungssanitäter folgen bei einem Herzstillstand einem klar definierten Vorgehen. Dazu gehören Herzdruckmassagen, der Einsatz eines Defibrillators und falls dieses Vorgehen nicht hilft, folgt eine Injektion mit Adrenalin. In den letzten zehn Jahren haben Wissenschaftler jedoch darauf hingewiesen, dass das Adrenalin mehr Schaden anrichten könnte als es hilft. Es gibt Hinweise darauf, dass es durch die Verringerung der Blutzufuhr ins Gehirn zu einer Schädigung kommen kann und sich dadurch die Überlebenschancen verringern.

Teilnahme an Studie kann abgelehnt werden

An der Studie der University of Warwick werden rund 8'000 Personen in London, Wales, im Westen der Midlands, an der Südküste und im Nordosten von England teilnehmen, die einen Herzstillstand erleiden. Die eine Hälfte der Patienten wird ein Blindpräparat erhalten, die andere Adrenalin. Da sie aber während dieses Ereignisses nicht bei Bewusstsein sein werden, wird es auch nicht möglich sein, zu diesem Zeitpunkt ihr Einverständnis einzuholen.

Die Sanitäter werden dabei auch nicht versuchen, dieses Einverständnis von Verwandten oder zufällig anwesenden Personen einzuholen, da die Wissenschaftler betonen, dass bei der Wiederbelebung nach einem Herzstillstand jede Minute zählt. Die Bevölkerung wird jedoch entsprechende Informationen auch darüber erhalten, wie man die Teilnahme an dieser Studie ablehnen kann. Nach einem Herzstillstand werden auch die Verwandten eines Patienten unabhängig vom Ausgang der Wiederbelebungsversuche nicht darüber informiert, ob die Betroffenen Adrenalin oder das Blindpräparat erhalten haben.

Ethische Fragen bleiben offen

Sokol, der nicht an der Studie beteiligt ist, betonte, dass hierbei eine Herausforderung im Fehlen des Einverständnisses zu Massnahmen besteht, die in einer lebensbedrohlichen Situation durchgeführt werden. «Es stellt sich die Frage, ob diese Studie so viel an Erkenntnis bringt, dass auf die Einholung des Einverständnisses verzichtet werden kann.» Die an der Studie beteiligten Wissenschaftler heben hervor, dass es umfangreiche Gespräche mit dem Central University Research Ethics Comittee (CUREC) der University of Oxford gegeben hat, das die Zulassung schliesslich erteilt hat. Der Start der Studie ist für den Herbst dieses Jahres geplant.

(flok/pte)

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