New Jersey nach der Wahl
publiziert: Freitag, 5. Nov 2004 / 14:54 Uhr / aktualisiert: Sonntag, 14. Aug 2005 / 17:44 Uhr

Morristown – news.ch-Reporter Philippe Trawnika hört sich in New Jersey am Arbeitsplatz und im Fitnessstudio um und kommt zur Einsicht: Über die Wiederwahl von George W. Bush freut sich in der demokratischen Hochburg niemand. Aber die US-Elections sind eigentlich schon Schnee von gestern, es gibt viel Wichtigeres.

6 Meldungen im Zusammenhang
Schauplatz Morristown, eine 20 000 Seelenstadt in mitten vom Staat New Jersey, der südwestlich an New Jork angrenzt.

New Jersey war kein direkter Austragungsort des Wahlkampfes zwischen Senator John Kerry und Präsident George W. Bush. Neben ein paar einfachen Aufklebern auf Personenwagen, die für den amtierenden US-Präsidenten Bush werben und ein paar verlorenen Idealisten, die im Herzen Morristowns mit selbst gebastelten Transparenten jeden Sonntagnachmittag gegen den Irak-Krieg protestierten, war in dieser kleinen Provinzstadt von den US-Wahlen nie viel zu spüren.

Doch in den Tagen nach der Wahlniederlage von John Kerry und den Demokraten erscheinen sich am Arbeitsplatz doch einige Gemüter zu erhitzen. «What a shame! » oder «I think I have to take a day off » sind Kommentare, die einem beim morgendlichen Gang zur Cafeteria entgegenschallen.

Enttäuschte Latinos

Den ganzen Morgen durch kriegt man nur Negativstimmen zu Gehör. Vor allem die «American Latinos » (politisch korrekt) wettern über die Wiederwahl von George W. Bush.

Doch bereits am Nachmittag, nachdem sich alle über ihren angeblichen Frust ausgelassen haben, verstummen die Stimmen. Auf der Männertoilette meint der Arbeitskollege vom Cubicle 2-143 auf meine Frage hin, ob er zufrieden sei mit dem Ausgang der Wahlen: «Well, it’s the same. The same president, no change, it’s not that bad.» Er dreht sich um und kehrt mit schnellen Schritten zu seinem Cubicle zurück.

So sind die Amerikaner. Es geht immer irgendwie weiter, auch wenn sie mit den Umständen oftmals nicht zufrieden sind. So auch die Arbeitenden in diesem Grossraumbüro.

Nach einer kurzen Phase der Kundgebung über die Enttäuschung wenden sich alle sehr rasch wieder dem «Daily Business» zu. Denn hier antwortet man auf die Frage «how are you? » nicht mit good, fine, oder bad, sondern nur «I’m busy».

Red Sox statt Bush

Noch bezeichnender ist die Stimmung an den Tagen danach im lokalen Fitness-Studio von Morristown. Der «Gym» gilt als Treffpunkt der jungen Leute. Einige kommen offensichtlich auch nicht nur wegen den schweren Geräten her, sondern wohl eher um zu schwatzen. Man kennt sich.

Hier ist die Wiederwahl von Präsident Bush schon überhaupt kein Thema mehr. Da gibt es bereits viel wichtigere Themen wie Shopping oder die Planung für das kommende Wochenende.

Ein Dauerbrenner sind nach wie vor die Boston Red Sox (Baseball Team), die vergangene Woche «World Champion» geworden sind, obwohl sie ja eigentlich nur die amerikanische Liga gewonnen haben und keine Weltmeisterschaften. Aber das nur so nebenbei.

In New Jersey freut sich niemand so richtig über die Wiederwahl. Entweder man ist gleichgültig oder aber enttäuscht. Die Letzteren nehmen es allerdings vornehmlich mit Galgenhumor und meinen «So what, we will have to wait another four years.»

(von Philippe Trawnika/news.ch)

Lesen Sie hier mehr zum Thema
OK, es ist beschissen. Wirklich beschissen. Aber bevor Ihr alle komplett die Nerven verliert, lasst uns, in den Worten von Monty Python, "immer auf di ... mehr lesen 
Washington - Nach seiner ... mehr lesen
Präsident George W. Bush traf gestern mit seinem Kabinett zusammen.
Amerika hat laut Präsident Bush eine grosse Zukunft vor sich.
Washington - US-Präsident George W. Bush hat sich nach seinem Wahlsieg von jubelnden Anhängern in Washington feiern ... mehr lesen
Washington - Der demokratische ... mehr lesen
John und Teresa Heinz Kerry werden nicht ins Weisse Haus einziehen.
Nicht alle Gäste der US-Wahlnacht-Veranstaltung in einem Genfer Hotel blieben die ganze Nacht.
Genf - Hunderte von sogenannten ... mehr lesen
Weitere Artikel im Zusammenhang
Washington - Bei der US-Präsidentschaftswahl hat Amtsinhaber George W. Bush das Rennen im Bundesstaat Ohio nach Angaben ... mehr lesen
Für George W. Bush sieht es sehr gut aus.
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Di Mi
Zürich 5°C 13°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt freundlich
Basel 6°C 17°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt freundlich
St. Gallen 7°C 15°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt freundlich
Bern 3°C 16°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich freundlich
Luzern 5°C 17°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt freundlich
Genf 6°C 17°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich freundlich
Lugano 8°C 17°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich wolkig, aber kaum Regen
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten