Nicht alle Staudämme erdbebensicher
Nicht alle Staudämme in der Schweiz sind bei Erdbeben sicher
publiziert: Montag, 8. Apr 2013 / 18:06 Uhr / aktualisiert: Montag, 8. Apr 2013 / 22:17 Uhr
Das Kernkraftwerk Mühleberg: Erdbebensicherheit des Staudamms nicht ausreichend?
Das Kernkraftwerk Mühleberg: Erdbebensicherheit des Staudamms nicht ausreichend?

Bern - Die Betreiber von Staudämmen müssen nachweisen, dass ihre Anlagen erdbebensicher sind. Dafür hatten sie bis Ende März Zeit. Allerdings sind beim Bund erst 142 von 206 Dossiers eingegangen - obwohl die Betreiber zehn Jahre Zeit hatten. Sechs Dämme müssen nachgebessert werden.

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Dies teilte das Bundesamt für Energie (BFE) mit. Die Betreiber müssen nachweisen, dass bei einem extremen Erdbeben ein Versagen der Anlage ausgeschlossen werden kann.

Obwohl das Bundesamt erst 58 der eingereichten Dossiers überprüft hat, zieht es eine positive Bilanz. Generell zeige die Praxis, dass Talsperren Erdbeben gut widerstehen, sagte Georges Darbre vom BFE auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. Darbre ist Leiter Sektion Talsperren und Beauftragter für die Sicherheit der Talsperren.

Trotzdem müssen an sechs Anlagen Nachbesserungen gemacht werden. Bei den umfassendsten Massnahmen beim Staudamm Les Toules VS ging es laut Darbre um Investitionen von rund 40 Millionen Franken. Dass auffallend häufig Staudämme im Wallis betroffen sind, führt Darbre auf die Zahl der Anlagen kombiniert mit der erhöhten Seismizität zurück.

Nachweis zu erbringen ist aufwendig

Bei den Anlagen, für welche die Unterlagen fristgerecht eingereicht wurden, handelt es sich laut BFE um 80 Prozent der grössten 77 Staudämme in der Schweiz. Dass es nicht mehr gewesen ist, hänge damit zusammen, dass der Prozess sehr aufwendig sei, sagte Darbre.

«Betreiber müssen ein spezialisiertes Ingenieurbüro mit der Durchführung der Nachweise beauftragen. Diese kann mehrere Monate dauern.» Allerdings verhehlt Darbre keineswegs, dass manche Betreiber zu lange abgewartet hätten, bevor sie aktiv geworden sind.

Das Bundesamt hat deshalb 45 Anlagen eine Fristverlängerung gewährt, obwohl den Betreibern zehn Jahre Zeit eingeräumt wurde. 2003 hatte das BFE eine Kampagne begonnen, um die Erdbebensicherheit von Stauanlagen zu überprüfen.

Aus diesem Grund verneint Darbre auch einen direkten Zusammenhang mit der Atomkatastrophe in Fukushima vor zwei Jahren. Manche Betreiber hätten aber erkannt, dass der Nachweis einer erdbebensicheren Anlage vorteilhaft sein könne.

Schwere Vorwürfe von Greenpeace

Im März hatte die Umweltorganisation Greenpeace schwere Vorwürfe gegen das BFE erhoben. Dieses habe bei der Prüfung der Erdbebensicherheit des Staudamms von Mühleberg BE oberhalb des dortigen Kernkraftwerks eine Expertenfirma dazu angewiesen, Sicherheitsfaktoren zu ignorieren und den Sicherheitsnachweis für die Staumauer durchzuwinken.

Das BFE bekräftigte daraufhin, dass die Stauanlage Wohlensee die aktuellen Sicherheitsanforderungen erfülle. Gemäss Darbre sind keine weitere Beschwerden hängig.

Die Erdbebensicherheit ist nicht nur für den Staudamm selbst nachzuweisen, sondern umfasst auch Nebenanlagen wie Ablässe oder den Stauraum. Abhängig von ihrer Grösse werden die Anlagen dabei in drei Klassen eingeteilt. Die grössten Anlagen müssen dabei einem Erdbeben standhalten können, wie es jeweils alle 10'000 Jahre einmal vorkommt.

 

(fest/sda)

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Vorwarnzeit / Leidenszeit
Vorwarnzeit:

Sollte ein Kernkraftwerk durch Gewalteinwirkung zerstört werden, dauert es im schlimmsten Fall Stunden bis zum Eintritt einer Kernschmelze.

Diese Zeit genügt, um Reissaus zu nehmen.

Sollte ein Staudamm durch Gewalteinwirkung brechen, wird es keine Viertelstunde dauern, bis sich die Wassermassen über das gesamte Einzugsgebiet ergossen haben. Je nach Menge dürfte innerhalb dieses Gebiets kein Baum mehr stehen.

Leidenszeit:

Wer gerne ertrinkt, dem sei dies unbenommen. Vergessen geht dabei gerne, dass es nicht nur Tote, sondern auch tausende schwer Verletzter geben wird. Dazu kommen eine ebenso grosse Zahl Unversehrter, die keine Bleibe mehr haben werden.

Wer im Gegenzug eine Strahlendosis erwischt, kann Glück haben. Wir werden alle permanent ionisierend bestrahlt. Die Menge macht das Gift und die Dauer, während der man der Strahlung ausgesetzt ist.
Durch die relativ grosszügige Vorwarnzeit im Havariefall rechne ich nicht mit einer grossen Zahl Verstrahlter. Wer eine Dosis abbekommt, ist damit noch nicht krank und noch nicht tot.
Diese Chance ist für mich persönlich angenehmer, als zu ersaufen.
Den schnellen Ertrinkungstod als Vorteil gegenüber einem langsamen Sterben vorzubringen, ist ziemlich bescheuert. Wer lieber schnell tot ist, kann sich ja das Leben jederzeit noch nehmen - oder eben weiterleben. Diese Option hat der Ersoffene nicht mehr.
Nun, keinschaf, dann wissen ...
... Sie wenigstens, dass bei einem Staudamm-Bruch die Leidenszeit bis zum Tod durch ertrinken SEHR KURZ sein könnte ... Was beim Atomkraftwerk wohl etwa gleichartig sein könnte, wenn man zu nahe davon lebt ...

Ich bevorzuge den Staudamm doch eher, weil bei einer Kathastrophe die Zeitdauer bis der Schaden behoben wäre NICHT tausende von Jahren andauern würde ...!
Wie testet man dies eigentlich?
Da kaum Erfahrungen gemacht werden konnten, würde mich schon einmal interessieren, wie und womit solche Ingenieurbüros eigentlich nachweisen (nachweisen!), dass eine Staumauer einem extremen Beben standhalten könnte.

Da hier nicht nur einige Millionen auf dem Spiel stehen, sondern vielleicht die eine oder andere Anlage von der definitiven Schliessung betroffen wäre, kann man davon ausgehen, dass hier mit geschönten Prämissen und geschlossenen Augen "begutachtet" wird.
Ich möchte jedenfalls jederzeit lieber neben einem alten Meiler wohnen, als im Schadenseinzugsgebiet eines grossen Stausees. Die Vorwarnzeit ist genau 0.
.
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