Bern - Das schwache Abschneiden der Schweizer Skiteams an der WM in Bormio (I) ist in eine Polemik um die Förderung des Nachwuchses gemündet. Heinz Keller, Direktor des Bundesamtes für Sport (BASPO), wehrt sich jedoch gegen Schwarzmalerei.
"Wir dürfen jetzt nicht einfach alles über Bord werfen, weil die Schweizer Skifahrerinnen und Skifahrer keine Medaille gewonnen haben", sagte BASPO-Direktor Keller am Montag gegenüber der Nachrichtenagentur sda. Was man gut angefangen habe, müsse man stattdessen noch besser machen.
Mehr Geld gibt es kaum
"Selbstverständlich hätte eine Aufstockung der Mittel für die Nachwuchsförderung auch eine entsprechende Qualitätssteigerung zur Folge", sagte Keller. So könnten etwa bessere Trainer während längerer Zeit engagiert werden.
Politisch realistisch sei ein solches Ansinnen jedoch nicht. Eine Aufstockung der Mittel der öffentlichen Hand sei angesichts der Entlastungsprogramme auf Bundesebene sehr schwierig.
Unmissverständlich äusserte sich Sportminister Samuel Schmid zum Thema. Seitens des Bundes seien in der heutigen Finanzlage nicht mehr Mittel zu erwarten, sagte er am Montagabend in der "Tagesschau" von Schweizer Fernsehen DRS.
Der Schweizer Sport sei im Übrigen "breiter, als er sich nur auf den Skisport beschränken würde", sagte Bundesrat Schmid. Er wolle auch daran erinnern, dass in den letzten Jahren einiges getan worden sei. So gebe es mittlerweile im Lande rund 80 Schulen, an denen Sporttalente spezielle Stundenpläne gestalten könnten.
BASPO-Direktor Keller verwehrt sich insbesondere dagegen, dass der Skisport in der Schweiz zu kurz käme. "Von den heute 7 Mio. Franken, die wir insgesamt für die Förderung des Nachwuchses ausgeben, geht eine Million an den Skisport", sagte er. Insgesamt gebe es in der Schweiz 82 Sportverbände. Der Skisport werde also mit einem Siebtel der Gesamtausgaben gut unterstützt.
Nationale Sportzentren fehlen
Verbesserungsmöglichkeiten ortet Keller dagegen bei den so genannten Sportklassen. Es gebe für Nachwuchsathleten heute sehr viele Möglichkeiten, um Leistungssport und Ausbildung unter einen Hut zu bringen. Dagegen fehle eine Konzentration der Sportarten auf bestimmte Schulen.
Bereits ab der Sekundarstufe I, also im Alter von 12 bis 15 Jahren, sei eine regionale Spezialisierung der Sportklassen nötig, sagte Keller. Für den Nachwuchs im Gymnasialalter seien ein bis zwei nationale Sportzentren gefragt. In diesem Bereich sei die Schweiz tatsächlich etwas schwach.
Föderalismus als Hemmschuh
Das föderalistische System, in dem die Kantone die Schulhoheit besitzen, sei bei der Erstellung nationaler Zentren ein Problem. Die Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren müsse konstruktiv mitarbeiten, um hier eine Lösung zu finden.
Sportklassen seien zudem teuer für die Eltern, weil die Kantone keine Freizügigkeit kennen würden. Wenn beispielsweise ein Nachwuchssportler aus dem Kanton Zürich im Kanton Wallis eine Sportklasse besuche, zahle Zürich kein Schulgeld mehr.
Spitzenathleten anstellen
Der Staat sei zudem gefordert, Spitzenathleten anzustellen, "wie ich dies im BASPO gemacht habe". Ein Modell, bei dem Leistungssportler zu je 50 Prozent trainierten und arbeiteten und einen reduzierten Lohn bezögen, müsse sich aber auch in der Privatwirtschaft vermehrt durchsetzen.
Trotz Entlastungsprogrammen wolle sich der Bund in Zukunft noch vermehrt für den Nachwuchssport engagieren, sagte Keller. Ein Baustein dabei sei das bis 2006 laufende Programm "Sport XXI", das vom Bundesrat jährlich mit 3,95 Mio. Franken unterstützt wird.
(fest/sda)
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