Nicht einmal der Zar war in Israel
publiziert: Donnerstag, 28. Apr 2005 / 14:58 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 28. Apr 2005 / 15:16 Uhr

Tel Aviv - Die russischen Flaggen in Weiss-Blau-Rot sind schon Tage vor Beginn des Besuchs von Russlands Präsident Wladimir Putin in Jerusalem gehisst worden. Offiziell ist Israel begeistert über die erste Visite eines russischen Staatsoberhauptes im Land.

Wladimir Putin und Mosche Katzav unterzeichnen ein israelisch-russisches Joint Venture.
Wladimir Putin und Mosche Katzav unterzeichnen ein israelisch-russisches Joint Venture.
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"Nicht einmal ein Zar hat das Heilige Land besucht, dies ist ein wahrhaft historischer Besuch", sagt Mark Regev, Sprecher des Aussenministeriums. Er spricht von einer "fundamentalen Verbesserung" der Beziehungen. Israel erhofft sich auch eine Annäherung an die arabischen Staaten, mit denen Moskau gute Beziehungen unterhält. Doch bei den Gesprächen in Jerusalem dürften am Donnerstag auch einige recht unangenehme Themen zur Sprache kommen.

So ist Israel die Lieferung russischer Luftabwehrraketen an Syrien ein Dorn im Auge. Israel fürchtet die Weiterleitung dieser Raketen an die radikale Hisbollah-Miliz in Südlibanon oder an palästinensische Extremistengruppen.

Alarmglocken schrillen in Israel

Noch grössere Besorgnis weckt die russische Hilfe für das Atomprogramm von Iran, Israels bitterstem Feind. Anders als die USA und Israel geht Russland von einer rein zivilen Nutzung des iranischen Atomprogramms aus und kündigte zuletzt gar den Bau von bis zu sechs weiteren Reaktoren an.

Der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon will Putin zudem zu einem entschiedenen Vorgehen gegen wachsenden Antisemitismus in Russland auffordern. Putin dürfte seinerseits das Problem der jüdischen "Oligarchen" ansprechen, die in Israel Unterschlupf vor der russischen Justiz finden.

Erwärmung der Beziehungen?

Offiziell feiern beide Seiten jedoch eine erhebliche Erwärmung in ihren Beziehungen innerhalb des letzten Jahrzehnts. Eine wichtige Brücke bilden dabei die mehr als eine Million Einwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion, die inzwischen fast ein Fünftel der israelischen Bevölkerung ausmachen.

Das Handelsvolumen beider Staaten ist mit 1,2 Milliarden Dollar im Jahr 2004 - ohne Öl - grösser als das Handelsvolumen Russlands mit der gesamten arabischen Welt.

Als Mitglied des so genannten Nahost-Quartetts (mit EU, UNO und USA) fällt Russland eine entscheidende Rolle bei den Bemühungen um eine Umsetzung des internationalen Friedensplans (Road Map) zu. Putin wolle mit vermehrtem Engagement seine internationale Position stärken, hiess es am Mittwoch aus Jerusalemer Regierungskreisen.

Hoffnung auf Frieden

Laut israelischen Kommentatoren hat der Tod des palästinensischen Präsidenten Jassir Arafat im November und die anschliessende Verbesserung der Lage den Weg für Putins Besuch geebnet. Einer seiner Berater bestätigte: "Die Lage im Nahen Osten erlaubte es lange nicht, zu reisen." In jüngster Zeit seien aber "hoffnungsvolle Tendenzen für eine Friedensregelung" erkennbar.

Auch in Ramallah herrschte am Mittwoch Aufregung vor dem ersten Besuch eines russischen Staatschefs in den palästinensischen Gebieten. Es wird erwartet, dass Putin beim Treffen mit Präsident Mahmud Abbas am Freitag die Schenkung zweier russischer Helikopter sowie 50 gepanzerter Fahrzeuge bekannt geben wird.

(Sara Lemel/dpa)

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