Nichts Neues im Osten - Bombenanschlag in Tschetschenien ein weiterer Fingerzeig
publiziert: Montag, 12. Mai 2003 / 18:26 Uhr

Moskau - Die Gewalt in Tschetschenien reisst nicht ab. Der schwere Bombenanschlag vom Montag widerlegte zum wiederholten Mal die Erklärungen des Kremls über eine angebliche Beruhigung der Lage in der Kaukasusrepublik. Der Tschetschenien-Konflikt holt Putin immer wieder ein.

Putin kann sich noch so winden - an Tschetschenien kommt er politisch nicht vorbei.
Putin kann sich noch so winden - an Tschetschenien kommt er politisch nicht vorbei.
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Den Präsidenten Wladimir Putin traf die Rebellenattacke zu einem ungünstigen Zeitpunkt: Am Freitag will er vor dem Parlament seinen jährlichen Rechenschaftsbericht zur Lage Russlands vorlegen. Es wird der letzte Bericht vor der Parlamentswahl im Dezember und vor Putins angestrebter Wiederwahl im kommenden Frühjahr sein.

"Solche Taten sollen den Prozess einer politischen Lösung in Tschetschenien stoppen", sagte der deprimierte Präsident am Montag bei einer Sitzung in Moskau. "Das können und werden wir nicht zulassen."

Ende März hatte der Kreml die tschetschenische Bevölkerung mit grosser Mehrheit für eine neue Verfassung stimmen lassen. Die Republik wurde wieder fest an Russland gebunden.

Nicht Herr der Lage

Trotzdem haben die 80 000 Mann starken russischen Armee- und Polizeikräfte die militärische Lage nicht im Griff. Geschützt durch das neue Blätterdach im Frühling haben die Rebellen den Partisanenkrieg wieder verstärkt. In der vergangenen Woche explodierten 19 versteckte Minen und töteten mehr als zehn Soldaten.

"Auch eine noch so grosse Streitmacht kann einzelne Terrorakte nicht verhindern", sagte der für Tschetschenien zuständige Minister Stanislaw Iljasow resigniert. Nächtliche Verhaftungs- und Strafaktionen maskierter Sondereinheiten gegen die Zivilbevölkerung fachen den tschetschenischen Widerstand immer wieder an.

Doch auch die Rebellen stecken in einer Sackgasse. Der Partisanenkrieg gegen die übermächtige Armee lässt sich hinziehen, aber nicht gewinnen.

Unzertrennbar verbunden

Putins Präsidentschaft ist untrennbar mit Tschetschenien verbunden. Die Begeisterung der Russen über sein hartes Durchgreifen im Herbst 1999 trug den dahin eher unbekannten Ministerpräsidenten zum Wahlsieg als Staatschef.

Seitdem hat der Kreml-Chef sein Land weit geführt - in eine Phase wirtschaftlichen Aufschwungs, in eine Annäherung an Europa und eine historische Allianz mit den USA nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001.

Doch der Tschetschenien-Krieg hat Putin immer wieder eingeholt. Beim Terroranschlag auf das Moskauer Musical "Nord-Ost" kostete die Befreiungsaktion 129 Geiseln das Leben. Eine wirksame Strategie zur Beendigung des Blutvergiessens ist nicht in Sicht.

(Friedemann Kohler/dpa)

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