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Noch immer sehr nervös
publiziert: Samstag, 28. Aug 2010 / 18:59 Uhr / aktualisiert: Dienstag, 31. Aug 2010 / 15:38 Uhr
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Laura-Mary Carter von Blood Red Shoes im Interview mit Tink.ch.
Laura-Mary Carter von Blood Red Shoes im Interview mit Tink.ch.

Blood Red Shoes aus Brighton sind seit sechs Jahren zu zweit unterwegs und haben dieses Jahr ihr zweites Album veröffentlicht. Tink.ch traf die Sängerin Laura-Mary Carter am Melt und sprach mit ihr über Nervosität und andere Exklusivitäten einer Zwei-Personen-Band.

Wie geht’s dir?

Laura-Mary Carter: Sehr gut, es ist nur sehr heiss, das bin ich nicht gewohnt. Ich freue mich auf das Konzert, hier haben wir auch schon gespielt. Aber ich bin nervös, weil es eine sehr grosse Bühne ist.

Du wirst noch nervös?

Ja, definitiv. Steve (Anm. d. Red.: Schlagzeuger der Band) wohl nicht, aber ich schon. Beim ersten Song zittere ich oft, danach beruhige ich mich. Ich muss tief einatmen. Wenn ich nervös bin, zittert meine Hand, so kann ich ja nicht Gitarre spielen. Sobald wir mal auf der Bühne stehen, einen Song gespielt haben, dann geht’s meist.

Bei eurem letzten Konzert hier am Melt vor zwei Jahren, habt ihr nach dem letzten Song sofort die Bühne verlassen. War das wegen der Nervosität?

Nein, das passiert einfach. Ich weiss nicht warum, bin wohl schüchtern. Wenn die Musik vorbei ist, weiss ich einfach nicht, was ich tun soll. Steve ist da anders, eher das laute Maul, mit viel Selbstvertrauen. Wir sind einfach das Gegenteil voneinander. Darum können wir so gut zusammen arbeiten. Wir hatten hier das letzte Mal keine Monitore, die waren schon bereit für Kate Nash, die nach uns spielen sollte. Darüber ärgerten wir uns sehr. Doch wenn man bedenkt, dass wir keine Monitore hatten und uns selbst somit nicht hörten, war der Auftritt aber ganz gut.

Ihr seid nur zu zweit in einer Band. Das kann gut oder schlecht sein.

Ja, es ist gut, weil wir mehr experimentieren können. Steve kann interessantere Sachen machen und ich auch. Und wir können einfacher reisen. Songs zu schreiben, ist zu zweit auch einfacher. Es nimmt weniger Zeit, wir können uns schneller auf unsere Vorstellungen einigen. Aber nur zu zweit sein ist auch schwierig, denn man hat niemand anderes zum Sprechen, man muss also sozusagen die ganze Zeit nur mit dieser einen Person verbringen. Das kann teilweise schwierig sein, aber wir verstehen uns sehr gut. Wir streiten uns zwar viel, doch das ist eine Art, wie wir uns ertragen können. Wir sind dabei wie Geschwister. Am härtesten für mich ist, dass ich die einzige Person da vorne auf der Bühne bin. Ich muss dabei wirklich immer meine Komfort-Zone verlassen. Das ist vielleicht nicht einfach zu glauben, doch ich muss mich immer wieder dazu zwingen, denn da vorne bin ich ausgestellt. Wenn ich einen Fehler mache, ist es offensichtlich, alle können es hören. Ich habe auch nie Pause, denn neben mir spielt ja nur noch Steve.

Es ist schwierig zu glauben, dass du dich nicht daran gewöhnt hast.

Es kommt drauf an. Manchmal denke ich, dass es ganz gut läuft, dass ich es jetzt hinkriege. Doch es gibt schlechte Tage, an denen ich mich sehr ausgestellt fühle. Es ist nicht immer gleich, aber ich werde wohl nie an den Punkt kommen, an dem ich wirklich nicht mehr nervös werde. Ich bin auch sehr selbstkritisch, denn ich möchte eine perfekte Show bieten. Ich habe da noch einen langen Weg vor mir.

Du wärst wohl überrascht, wie wenig die Leute merken, wenn du auf der Bühne Fehler machst.

Ja, ich weiss, aber andere hören es. Wieder andere mögen es sogar, weil es menschlich ist, dabei nicht wie das Album klingt. Ich mag es auch, wenn es roh klingt. Aber mich nervt es schon, wenn ich Fehler mache.

Euer aktuelles Album ist euer zweites. Oft wird gesagt, dass dies das schwierigste sei, weil man euch am Erfolg des Debüts misst.

Wir sind ganz klar zufrieden mit dem zweiten, die Songs sind besser. Wir hatten mehr Erfahrung, mehr Ahnung vom Klang. Beim ersten war der Sound noch nicht so, wie wir das wollten. Wir wussten aber nicht genau, wie er zu verbessern wäre. Nach den Jahren lernten wir mehr über Aufnahmen und wie wir aus uns das Beste raus kriegen. Der Sound ist jetzt sicher eine Million mal besser als beim ersten Album. Wir haben vieles roher, direkter und ohne viele Experimente gemacht. Den Gesang habe ich viel mehr einfach am Stück aufgenommen, die Aufnahmen analog gemacht. Das alles gibt dem Klang mehr Tiefe. Klar, wir haben unseren Sound nicht dramatisch verändert, aber es ist vieles anders und vieles besser geworden. Wir arbeiten nun schon am dritten Album.

Was wird da neu sein?

Wir möchten den Leuten zeigen, was wir sonst noch können. Die Leute denken oft, wir seien zu zweit musikalisch sehr eingeschränkt, dass wir in dieser Besetzung gefangen seien. Aber dem ist nicht so. Wir spielen noch andere Instrumente. Wie gesagt werden wir uns nicht ganz krass verändern, aber wir können definitiv noch mehr machen.

Andere Leute wünschen sich, dass ihr euer Duo um weitere Musiker ergänzt.

Am Anfang wollten wir nicht zu zweit sein, aber es ist einfach so gekommen. Es hat den Leuten gefallen und für uns funktioniert es. Ich könnte es mir nicht mehr anders vorstellen und wir werden wohl nie weitere permanente Mitglieder haben, das würde einfach zu viel verändern. Aber Gastmusiker für Aufnahmen oder Konzerte, das ist schon vorgekommen.

Du bist von London nach Brighton gezogen. Normalerweise gehen Musiker nach London.

Jetzt wohne ich wieder in London, die Band bleibt aber weiterhin in Brighton. Steve wohnt noch da, er hat schon immer da gewohnt. Das ist der Grund, warum ich ursprünglich dahin gezogen bin. Steve hat dort ein Studio. In Brighton ist es viel günstiger als in London, dort wäre es schwierig, ein Studio zu haben. Es leben viele Musiker in Brighton und so hilft man sich gegenseitig. Gerade weil wir unsere ursprünglichen Jobs aufgeben hatten, hätte das in London wohl nicht funktioniert. Ich würde auch gerne mal ein Jahr in Berlin wohnen, vielleicht ein neues Album dort aufnehmen. Dort wäre es sicher auch einfach, einen guten und günstigen Platz zu finden.

Mehr Festivallaune? Hier gehts zum Festivalkalender.ch.

(Martin Sigrist / Tink.ch/sda)

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