Drama vor Tunesien
Noch mehr Flüchtlinge geborgen
publiziert: Sonntag, 5. Jun 2011 / 22:47 Uhr
Die Bergungsaktion war wegen schlechtem Wetter zwei Tage ausgesetzt worden. (Symbolbild)
Die Bergungsaktion war wegen schlechtem Wetter zwei Tage ausgesetzt worden. (Symbolbild)

Genf/Tunis - Im Flüchtlingsdrama vor der tunesischen Küste sind nach der Wiederaufnahme der Suche am Sonntag 26 Leichen geborgen worden. Das gab ein Polizeisprecher der Küstenstadt Sfax bekannt.

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Damit erhöht sich die Zahl der geborgenen Toten einschliesslich der bereits am Donnerstag aus dem Wasser geholten zwei Leichen auf 28. Die tunesischen Behörden hatten von 200 bis 270 Vermissten gesprochen, nachdem am Dienstag ein Flüchtlingsboot mit 850 Menschen an Bord nach einer Motorpanne vor den Kerkenna-Inseln gekentert war. 583 Passagiere waren gerettet worden.

Die Bergungsaktion war am frühen Donnerstag wegen schlechtem Wetter zwei Tage ausgesetzt worden. Am Sonntagabend mussten die Arbeiten erneut eingestellt werden.

Falsche Angaben über Opferzahlen

Die Internationale Organisation für Migration (IOM) in Genf hatte unter Berufung auf die tunesische Hilfsorganisation Roter Halbmond zunächst von 150 geborgenen Leichen berichtetet. Ein Militärsprecher in Tunis dementierte die Angaben aber später.

Der Rote Halbmond stand für eine Klärung des Sachverhalts bis Sonntag nicht zur Verfügung. Das Boot hatte die grossteils aus Schwarzafrika stammenden Flüchtlinge von Libyen zur italienischen Insel Lampedusa bringen sollen.

Gefährliche Flucht

Die toten und noch vermissten, vermutlich ertrunkenen Flüchtlinge reihen sich in eine traurige Statistik ein. Seit Beginn der Aufstände in Nordafrika verschwanden rund 1650 Menschen auf ihrer Flucht vor Armut und Krieg in den Fluten des Mittelmeers. Die Zahl übersteigt den bisherigen Rekord von 2008.

Damals ertranken bei der letzten grossen Flüchtlingswelle im Laufe des Jahres offiziell 1274 Menschen in der Strasse von Sizilien. Seit Januar wählten 42'000 Immigranten die als extrem gefährlich geltende Route, um Italien und damit Europa zu erreichen. Oft sind die Boote wenig seetauglich, fast immer überladen. Viele Afrikaner können zudem nicht schwimmen.

(bert/sda)

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