Nordkorea: Nach den Worten auch Taten?
publiziert: Mittwoch, 7. Mrz 2012 / 08:39 Uhr
Spielt er das Spiel seines Vaters weiter? Kom Jong Un.
Spielt er das Spiel seines Vaters weiter? Kom Jong Un.

Sowohl in Washington als auch in Pjöngjang wurde es bestätigt: nordkoreanische-amerikanische Gespräche in Peking haben nach langer diplomatischer Eiszeit zu ersten Ergebnissen geführt. Politiker und Experten geben sich optimistisch. Manche sprechen von einem «Durchbruch». Doch Vorsicht ist geboten.

Galerie Urs Meile Zeitgenössische Chinesische Kunst Luzern Schweiz Beijing China
3 Meldungen im Zusammenhang
Nordkorea verzichtet vorerst auf Urananreicherung in der Atomanlage Yongbon, auf Tests von Atombomben und Langstreckenraketen und will Inspektoren der Internationalen Atomenergie-Agentur (IAEA) zur Überprüfung des Moratoriums wieder ins Land einreisen lassen. Im Gegenzug wollen die USA 240'000 Tonnen Lebensmittel für Millionen von darbenden Nordkoreanerinnen und Nordkoreaner liefern. Die amerikanische Regierung hat auch Gespräche über die Aufhebung von Finanz- und Wirtschafts-Sanktionen in Aussicht gestellt.

Was in Peking zwischen den Verhandlungspartnern erreicht worden ist, präsentiert sich nach fast drei Jahren diplomatischen Stillstands auf den ersten Blick fast wie ein «Durchbruch». Doch das vereinbarte Ergebnis gleicht eher einem Déjà-vu. «Durchbrüche» nämlich gab es seit Beginn der Verhandlungen 1994 und dem Start der Pekinger Sechser-Gespräche 2003 über das nordkoreanische Atomprogramm (Nord- und Südkorea, China, Japan, Russland und USA) immer wieder. Jedesmal hat Nordkorea alles versprochen und wenig bis nichts gehalten.

Vor sechs Jahren gar liess Pjöngjang sein erstes Atombömbchen platzen - wenn es denn eines war. Vor zwei Jahren, nachdem Nordkorea die Sechsergespräche einseitig verliess, wurde ein zweiter Sprengsatz gezündet. Der im Dezember verstorbene «Geliebte Führer» Kim Jong-il war ein Meisterdiplomat. Seit dem Tod seines Vaters, dem Staatengründer und «Präsident in alle Ewigkeit» Kim Il-sung, gab er seit 1994 den Verhandlungston an. Im Jahre 2000 konnte er den südkoreanischen Präsidenten Kim Dae-jung, der vergeblich seine «Sonnenschein-Politik» mit einer halben Milliarde Dollar zu verwirklichen suchte, überzeugen, zum Gipfel nach Nordkorea zu fahren.

Bis zu seinem Tode verhandelte Kim Jong-il geschickt. Sein immer stechender Trumpf war das Atomprogramm. Das jetzige Verhandlungsergebnis mit dem Moratorium soll noch von ihm kurz vor seinem Tod entworfen worden sein. Sein jüngster, knapp 30 Jahre alter Sohn und Nachfolger, der «Junge General» Kim Jong-un, tritt nun offenbar in die Fussstapfen seines Vater und seines Grossvaters. Das erzielte Verhandlungsergebnis jedenfalls deutet auf Kontinuität hin. Im positive, aber auch im negativen Sinne.

Die ersten Reaktionen waren natürlich positiv. Ein nordkoreanischer Sprecher sprach von gegenseitigem Interesse, Stabilität und Friede auf der koranischen Halbinsel zu wahren, die bilateralen Beziehungen zu verbessern und die Denuklearisierung durch Dialog und Verhandlungen zu erreichen. Die amerikanische Seite war - durch jahrelange Erfahrung gewitzt - etwas skeptischer. «Trotz tiefer Bedenken», sagte eine Regierungssprecherin des US-Aussenministeriums, sei ein «wichtiger, wenn auch limitierter Fortschritt» erzielt worden. Das chinesische Aussenministerium begrüsste natürlich das nordkoreanisch-amerikanische Verhandlungsergebnis. Südkorea gab sich dagegen eher bedeckt, denn Präsident Lee Myung-bak verfolgt seit dem Debakel seines Vorgängers mit der «Sonnenschein»-Politik seit vier Jahren eine harte Gangart gegenüber dem Norden. Japan schliesslich forderte nach den Worten nun schlicht «Taten».

Warum gerade jetzt? Wirtschaftliche Gründe dürften den Ausschlag gegeben haben. Die vor Jahrzehnten noch vorbildliche Industrie Nordkoreas liegt am Boden, ebenso die kollektivierte Landwirtschaft. Nordkoreas Bevölkerung (23 Millionen Einwohner) leidet unter Nahrungsmittelknappheit. Sechs Millionen - vor allem Kinder, Mütter und Alte - haben Hunger. Das Land hat sich von der grossen Hungersnot in der zweiten Hälfte der neunziger Jahre mit ein bis zwei Millionen Toten nie mehr richtig erholt. Nordkorea hängt so noch heute am Tropf internationaler Hilfe.

Am 15. April jährt sich zudem der 100. Geburtstag von Kim Il-sung, dem Übervater der Nation und Halbgott. Zum Jahrhundert-Fest hat die Regierung, nun von Enkel Kim Jong-un geführt, Wohlstand und Fortschritt versprochen. Die amerikanische Nahrungsmittelhilfe kommt da wie gerufen.

Direktgespräche, Sicherheitsgarantien, diplomatische Beziehungen mit dem Tod- und Klassenfeind USA - nicht mehr, aber auch nicht weniger ist seit Jahr und Tag das eigentliche Ziel Nordkoreas. Unter Kim Jong-il und jetzt unter dessen Sohn Kim Jong-un.

(Peter Achten/news.ch)

?
Facebook
SMS
SMS
0
Forum
Kommentieren Sie jetzt diese news.ch - Meldung.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Pjöngjang - Kurz vor dem erwarteten Start einer nordkoreanischen Langstreckenrakete ist der neue Machthaber Kim Jong Un zum Ersten Sekretär der herrschenden ... mehr lesen
Der Sohn des verstorbenen Kim Jong Il wird Sekretär der Arbeiterpartei.
Zwischen Nordkorea und Südkorea ist weiterhin dicke Luft.
Seoul - Ungeachtet einer Annäherung an die USA im Streit um sein ... mehr lesen 1
Washington - Nordkorea hat einer Aussetzung seines Atomprogramms und einer Rückkehr von UNO-Inspektoren zugestimmt. Das ... mehr lesen
Hillary Clinton sprach von einem «ersten, bescheidenen Schritt in die richtige Richtung».
Galerie Urs Meile Zeitgenössische Chinesische Kunst Luzern Schweiz Beijing China
Chinesische Touristen beim Shopping in Marseille: Auch China wird verändert werden.
Chinesische Touristen beim Shopping in ...
China, das Land der Superlative. Die westlichen Medien, angefeuert durch chinesische Propaganda, veröffentlichen erstaunliche Zahlen. Besonders in der Nachrichten-Trockenheit des Sommers. Ihr news.ch-Korrespondent macht keine Ausnahme. mehr lesen 
Die Kommunistische Partei Chinas feiert jeweils am 1. Juli den Jahrestag ihrer Gründung. Etwas zu früh. Doch das spielt fast ein Jahrhundert danach keine Rolle mehr. Die heutige Legitimität der allmächtigen Partei: Jedes ... mehr lesen
Mao Zedong: 30% schlecht, 70% gut - laut offiziellem Partei-Urteil.
China schnappt sich europäische Einkaufszentren Paris - China setzt seine Einkaufstour in Europa fort. Chinas grösster Staatsfonds hat für 1,44 Mrd. ...
China setzt seine Einkaufstour in Europa fort.
Typisch Schweiz Die St. Beatus-Höhlen Nur schon der Weg zum beliebten Ausflugsziel am Thunersee ist ein ...
Shopping Garfield Garfield ist ein fetter, fauler Kater, der gerne frisst, schläft und stänkert. Erfunden wurde der berühmteste Kater der Welt von Jim Davis, der am 28. Juli 70 Jahre alt wird. Nie hätte er es ...
Smartphones bitte draussen lassen.
Jürg Zentner gegen den Rest der Welt.
Jürg Zentner
Wenn's Ratten nichts macht, ist es auch für EU-Babies gut genug: Schwermetallbelastung von Spielzeug in Europa laut EUGH.
Regula Stämpfli seziert jeden Mittwoch das politische und gesell- schaftliche Geschehen.
Regula Stämpfli
Multiresistentes Bakterium Clostridium Difficile: Ungewinnbarer Rüstungswettlauf
Patrik Etschmayers exklusive Kolumne mit bissiger Note.
Patrik Etschmayers
Chinesische Touristen beim Shopping in Marseille: Auch China wird verändert werden.
Peter Achten zu aktuellen Geschehnissen in China und Ostasien.
Peter Achten
Wo Religion scheinbar noch über dem Staat steht: USA und «IN GOD WE TRUST» über dem Kapitol
Skeptischer Blick auf organisierte und nicht organisierte Mythen.
Freidenker
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
MI DO FR SA SO MO
Zürich 12°C 15°C bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt
Basel 11°C 15°C bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt
St.Gallen 13°C 18°C bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt
Bern 15°C 19°C bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt
Luzern 15°C 20°C bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt
Genf 16°C 21°C bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig
Lugano 20°C 28°C leicht bewölkt, Gewitter, wenig Regen leicht bewölkt, Gewitter, wenig Regen leicht bewölkt, Gewitter, wenig Regen leicht bewölkt, Gewitter, wenig Regen leicht bewölkt, Gewitter, wenig Regen
mehr Wetter von über 6000 Orten