Norweger dominieren die Langlauf-Staffel
publiziert: Freitag, 15. Feb 2002 / 10:01 Uhr / aktualisiert: Freitag, 15. Feb 2002 / 13:36 Uhr

Salt Lake City - Im Langlauf steht mit der Staffel der Männer über 4 x 10 km einer der Höhepunkte der Winterspiele auf dem Programm. Die Schweizer wollen den 6. Rang von Nagano bestätigen. Für die Medaillen kommen nicht weniger als sechs Nationen in Frage. Zu schlagen gilt es in erster Linie die Norweger.

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Reto Burgermeister startet in der Staffel für die Schweiz.
Reto Burgermeister startet in der Staffel für die Schweiz.
Mit Wilhelm Aschwanden, Reto Burgermeister, Gion-Andrea Bundi und Patrik Mächler hat Trainer Ulf Morten Aune die schlagkräftigste Formation nominiert. Als fünfter Athlet stünde ihm noch Patrick Rölli zur Verfügung. Der Horwer gilt aber eher als Spezialist für lange Distanzen.

Zumindest auf dem Papier dürfte es für das helvetische Quartett schwierig werden, das erklärte Saisonziel (Platz 6) zu erfüllen. Die Qualifikation für Salt Lake City war schon schwierig genug. Der erste Anlauf Ende November in Kuopio (Fi) misslang kläglich. Dann schafften es die Schweizer im zweiten Versuch in Davos mit einigem Glück mit dem minimalen 8. Rang, weil die Österreicher nicht ihr stärkstes Aufgebot stellten und die Finnen einen rabenschwarzen Tag hatten.

Aschwanden und Bundi verfügten vor ihrem Staffel-Einsatz über ausreichend Erholungszeit, weil sie lediglich vor Wochenfrist den 30-km-Lauf bestritten. Mächler startete am Donnerstag im Verfolgungsstartrennen, Burgermeister ebenfalls und vorher noch über 15 km, wo er Neunter wurde. Von grosser Bedeutung für die Klassierung der Schweizer wird sein, ob sich der Zürcher Oberländer ausreichend hat erholen können. "Unsere Aufgabe ist schwierig. Aber ich sehe eine gute Möglichkeit, dass wir es schaffen", meinte Trainer Ulf Morten Aune.

In keinem anderen Langlauf-Wettkampf geht es dermassen ums Prestige wie in der Staffel, auch wenn in einer Bilanz der Athleten die in der Staffel gewonnenen Auszeichnung nicht die gleiche Bedeutung geniessen wie die Einzelrennen. Für die Norweger beispielsweise hat die Staffel den grössten Stellenwert. Seit 1991 sind sie bei Grossanlässen nur zweimal geschlagen worden. Die schmerzlichste Niederlage erlitten sie 1994 in Lillehammer, als Italiens Silvio Fauner im Schlussspurt Björn Dählie schlug und danach einige Schrecksekunden lang im Birkebeiner-Stadion Totenstille herrschte. Zum zweiten Mal in der jüngeren Vergangenheit um Gold kamen die Norweger 1999 bei der WM in Ramsau (Ö). Am Schluss eines dramatischen Rennens, bei dem Österreichs Michail Botwinow am Ende der dritten Ablösung gestürzt war, musste Thomas Alsgaard Christian Hoffmann den Vortritt lassen.

Staffeln kennen ihre eigenen Gesetze. Im Kampf Mann gegen Mann wachsen Athleten über sich hinaus. Andere Langläufer, die man stark eingeschätzt hatte, erleiden unerklärliche Schwächen. Diese Unwägbarkeiten sowie die Taktik machen den Reiz der Staffel aus. Das Manko der Norweger besteht darin, dass sie in Alsgaard nur über einen guten Skater verfügen. Klassisch-Läufer könnten sie dafür beinahe dutzendweise nominieren. Mit dieser Schwäche der Norsker spekulieren insbesondere die Italiener, die aber an der letzten WM in Lahti (Fi) mit dem 6. Platz ein enttäuschendes Ergebnis ablieferten. Die Österreicher scheinen auf den ersten Blick zu unausgeglichen besetzt. Schweden steht bisher noch ohne Medaille zu Buche. Es bleiben die Deutschen und als Geheimfavorit die Russen. Seit 1980 in Lake Placid warten sie auf neues Staffel-Gold --sowohl bei Olympia wie bei Weltmeisterschaften.

(sk/sda)

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