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'Nur einige Köpfe auswechseln bringt nichts'
publiziert: Sonntag, 13. Feb 2005 / 16:31 Uhr

Gian Gilli, der Leistungssportchef der Schweizer Ski-Nati, nimmt Stellung zu dem schlechten Abschneiden an den Weltmeisterschaften.

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Gian Gilli: "Anpassungen und Änderungen sind nötig!"
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Gian Gilli, erstmals seit 1966 reist die Schweiz mit keiner einzigen Medaille von alpinen Weltmeisterschaften zurück. Wie wertet der Leistungssportchef die Ereignisse von Bormio?

"Die Schweiz fehlt auf dem Medaillenboard. Dazu müssen wir stehen. Die Situation ist für uns alle gar nicht angenehm, sie schmerzt und sie soll auch schmerzen. Aber wir wussten schon vorher, dass aussergewöhnliche Leistungen nötig gewesen wären, um Medaillen zu gewinnen. Ich habe eine kleine Statistik erstellt. An den letzten zehn Grossanlässen holten wir im Durchschnitt 2,7 Medaillen. Wir haben also das Ziel deutlich verfehlt."

Im Fussball wären Trainer nach vergleichbaren Misserfolgen schon längst entlassen worden. Skisport funktioniert etwas anders, aber wird es dennoch Konsequenzen geben?

"Das Problem um den Schweizer Skisport liegt tiefer, als dass es damit getan wäre, ein oder zwei Köpfe auszuwechseln. Bei den Frauen beispielsweise muss man grundsätzlich über die Bücher gehen. Dort haben wir viel zu viel Verletzte, und da kann der Kopf, der am meisten gefordert wird (Marie-Theres Nadig; die Red.) nicht viel dafür. Wir müssen nicht alles auf den Kopf stellen. Es braucht auch eine gewisse Kontinuität. In den letzten sechs Jahren wurden bei Frauen und Männern sieben Cheftrainer ausgewechselt, dazu viele Disziplinentrainer.

Aber was geschieht nun konkret?

"Nun: Die Situation im Frauen-Team bedarf sicher einer kritischen Hinterfragung. Anpassungen und Änderungen sind dort nötig. Das betrifft die ganze Teamstruktur, das können personelle Besetzungen im Trainerstab sein. Die Schnittstelle zum Nachwuchs ist zu überprüfen und auch die Frage, warum wir bei den Frauen so viele Verletzte haben. Oder: Wieso haben wir dort seit Jahren keine Frauen, die es nach vorne schaffen. Uns fehlt die Dichte, und das macht uns Sorgen.

Und bei den Männern?

"Dort sind wir ein bisschen stabiler. Aber auch dort müssen wir die im letzten Frühling eingeführten Projekte bezüglich Material, Sportwissenschaft oder Infrastruktur weiterführen. Auf nächste Saison werden wir zudem zusammen mit Swiss Olympic neue Olympia-Projekte definieren können.

Aber alleine wird es der Schweizer Verband kaum schaffen, den Anschluss zu realisieren. Und dem Leistungssportchef sind in vielen Dingen die Hände gebunden. Ist das nicht frustrierend?

"Manchmal schon. Es gibt halt Barrieren, an denen ich oft anstehe. Wir brauchen eine radikalere Unterstützung von politischen und ökonomischen Strukturen, von Gemeinden und Kantonen, von Privaten, vom Wintertourismus mit den Bergbahnen, den Schulen und Familien. Die Federführung muss Swiss-Ski behalten, aber es braucht Partner. Es wäre doch schön, wenn wir unsere Hymne ein bisschen mehr hören würden."

Was ist langfristig zu tun?

"Wir müssen für die 10- bis 15-Jährigen bessere Rahmenbedingungen schaffen und die Kostensituation besser managen. Die Stipendienprojekte müssen überdacht werden, das Stützpunktkonzept ist weiterzuführen. Unbedingt müssen die jungen Leute, die Skirennen bestreiten möchten, gehalten werden. Es braucht das Bekenntnis, ein Fördersystem aufzubauen, das dem Zufallsprinzip den Kampf ansagt. Wir bewegen uns im Sport, nicht nur auf Ski bezogen, rückläufig. Wir haben nur noch eine Chance, wenn wir systematisch vorgehen."

(rr/Si)

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