Obamas Mann im Hintergrund
publiziert: Dienstag, 21. Okt 2008 / 12:02 Uhr

Washington - David Axelrod ist der Mann, der immer ein paar Schritte hinter Barack Obama geht und dabei doch die Richtung vorgibt. Er hat dem demokratischen Kandidaten als aggressiver Chefstratege ein erfolgreiches Wahlkampfkonzept auf den Leib geschneidert.

Bereits vor zwei Jahren schwor Axelrod den jungen Kandidaten Obama auf zwei Wörter («Change» und «Hope») ein.
Bereits vor zwei Jahren schwor Axelrod den jungen Kandidaten Obama auf zwei Wörter («Change» und «Hope») ein.
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Obama setzt es auf der grossen Bühne redegewandt und charismatisch um. Nach einem Wahlsieg am übernächsten Dienstag winkt Axelrod der grosse Karrieresprung: Er könnte zum Chef-Strippenzieher im Weissen Haus aufsteigen und die Politik mitgestalten.

Unters Volk mischen

Der rundliche 53-Jährige fällt auf den ersten Blick kaum auf. Dabei ist Axelrod im Wahlendspurt der Star in der mächtigen Zunft der Washingtoner Politikberater.

Diese Schattenmänner werden nicht gewählt, sie schwören keinen Amtseid auf die Verfassung und sind nur ihrem Chef gegenüber verantwortlich, dessen Wahl und Wiederwahl ihr Hauptanliegen ist. Sie wittern die Stimmung im Volk und versuchen, daraus Rezepte für die Jagd auf Wählerstimmen abzuleiten.

Der unprätentiöse Axelrod etwa streift sich gerne mal seine schwarze Lederjacke über und spürt auf den Strassen von Chicago, wo er das politische Handwerk als Lokalreporter gelernt hat, den Meinungen der Wähler nach.

Zwei Wörter

Im Präsidentschaftswahlkampf hat er dafür ein treffsicheres Gespür bewiesen. Bereits vor zwei Jahren schwor Axelrod den jungen Kandidaten Obama auf zwei Wörter ein, die zur Kernbotschaft seines Werbens ums Weisse Haus werden sollten: «Change» und «Hope», also Wandel und Hoffnung.

Darin kam die Hoffnung vieler Wähler auf einen Neuanfang nach den als bleiern empfundenen Bush-Jahren pointiert zum Ausdruck. In Obama sah Axelrod den idealen Kandidaten für die Botschaft.

«Er ist eine bahnbrechende politische Figur, der die Zukunft gehört», sagte er der «New York Times». Die beiden ungleichen Männer ergänzen sich: Axelrod entwirft die Botschaft, Obama verkauft sie dann vor den Massen.

Viel Gefühl

Axelrods Arbeit ist dabei weniger in ideologischer Überzeugung verwurzelt als in der Loyalität zum Kandidaten. «Axelrod ist ein Werbetyp», urteilt der Journalist Matt Bai von der «New York Times».

Die Kernstrategie von Axelrod dreht sich laut Bai nicht um politische Details und die Bilanz eines Kandidaten, sondern um eine gefühlsbetonte persönliche Geschichte. Obamas eindrückliche Lebensgeschichte als Aufsteiger wird den Wählern derzeit in nostalgischen TV-Werbespots nahegebracht, Emotionen dominieren über trockene politische Fakten. In Umfragen steht Obama gut da, die Strategie scheint zu funktionieren.

«Wenn Obama gewählt würde, wäre das etwas, auf das ich bis zum Ende meines Lebens stolz wäre», sagte Axelrod. Bereits vor 16 Jahren hatte er Obama kennengelernt und dessen politisches Potenzial erkannt. 2004 managte er Obamas erfolgreiche Kandidatur für einen Sitz im US-Senat.

Wie Rove ins Weisse Haus

Seine Karriere als Wahlstratege begann Axelrod in der knallharten Lokalpolitik von Chicago, die USA-weit zum Synonym für Machtkämpfe, Intrigenlust und Polit-Filz geworden ist. Hier setzt sich nur durch, wer gehörig austeilen kann - und austeilen kann Axelrod, das haben auch die Wahlkampfplaner des republikanischen Kandidaten John McCain längst gemerkt.

Sollten sich die derzeitigen Prognosen bewahrheiten und Obama die Wahl tatsächlich gewinnen, könnte er Axelrod als Strategen mit ins Weisse Haus nehmen. Ein Rollenvorbild gibt es bereits: Karl Rove, der legendäre Wahlkampfberater des amtierenden Präsidenten George W. Bush.

(von Peter Wütherich, AFP/sda)

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