Ode an den Suff
publiziert: Montag, 11. Apr 2016 / 14:29 Uhr
Blind, taub und sprachlos: die Wirkung dieses Weines.
Blind, taub und sprachlos: die Wirkung dieses Weines.

Über Wein zu reden ist wie zu Architektur tanzen. Wein muss getrunken und der Rausch genossen werden. Wer nur den Körper zu beschreiben weiss, hat den Geist des Weines nicht verstanden.

Mich regt das blöde Geschwätz über Wein auf. Formulierungen wie «Das Bouquet erinnert an rote Blaubeeren» oder «Der Abgang ist spritzig-fruchtig» sind hilflose, verklemmte Erklärungsversuche für ein stigmatisiertes Sinneserlebnis - den Rausch.

Es geht beim Wein nicht bloss um den Gschmack sondern doch auch um die Wirkung, der mehr ist als eine unangenehme Nebenerscheinung wie uns «Fachidioten» weismachen wollen. Ein schöner Rausch sollte man ebenso zu schätzen wissen wie den Geschmack eines Weines.

Viel zu wenig wird er gewürdigt, der Suff. Dabei ist er seit Jahrtausenden Quell der Muse, Band der Freundschaft, Grund zum Lachen und nicht zuletzt auch ein spirituelles Erlebnis. Dann, wenn der Geist des Weines sich entfaltet und sanft die Seele wärmt; wenn Glücksgefühle ein Lächeln auf die Lippen zaubern.

So unterschiedlich die Qualität des Geschmackes ist es auch die Qualität des Rausches. Während der eine Wein sentimental stimmt, verpflichtet sich ein anderer zu fundamentalen Gesprächen. Am liebsten mag ich die Weine, die einem erst fröhlich machen, dann die Zunge lockern und schliesslich durch selige Dummheit pilotieren.

Wenn ein Sommelier ein Wein empfiehlt, leiert er meist langweilige Fakten über Herkunft, Jahrgang und Geschmack runter. Gerne hätte ich jedoch ein Weinkenner, der mich nicht nur berät, welchen Wein ich zum Essen trinken sollte sondern auch zu welchen Umständen der Wein passt.

Wäre es nicht lustig, wenn ein Weinkenner den Traubensaft mit Metaphern beschreibt wie «fährt ein wie eine Darmspiegelung» oder «wuchtig wie eine Abrissbirne» oder «jeder Schluck wie ein Cupfinal» oder «dieser Wein ist für mehr Babys verantwortlich als Barry White» oder poetischer «für die laue Sommernacht zu zweit, die nicht einsam enden sollte» oder wenn's um den Geschmack geht: «eine Steinlawine, die in einem Bergsee endet.»

Ich verstehe Wein als die in Flaschen gebannte Liebe der Sonne zur Traube. Sie gedeiht unter ihrer Wärme, saugt sie auf und konserviert sie über Jahre. Mehr als die Geschmacksvariationen versuche ich die vielen Sonnentage zu spüren, welche die Trauben zärtlich streichelten, nährten und gedeihen liessen.

(Jürg Zentner/news.ch)

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Naja.
Es gibt Menschen, die auch vom besten Wein nicht mehr als zwei Gläser trinken. Sich also dem Suff nicht weit entgegenlehnen. Im Falle einer bevorstehenden Autofahrt den Konsum sogar auf ein Glas begrenzen. Für einen echten Suff braucht es beim besten Willen keinen teuren Wein, das würde eher für Dekadenz sprechen.
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