ÖOC vs. ÖSV - Zustände wie im Komödienstadel
publiziert: Samstag, 25. Feb 2006 / 00:34 Uhr

Rund um die österreichische Olympia-Delegation geht es zu und her wie im Komödienstadel. In den Hauptrollen: das nationale olympische Komitee (ÖOC) und der Österreichische Skiverband (ÖSV).

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ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel (m) und Markus Gandler (r).
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Der Segen im Österreich-Haus hängt definitiv schief. Sechs Tage nach den ersten Razzien in den Quartieren der Langläufer und Biathleten übte ÖOC-Generalsekretär Heinz Jungwirth in einem Zeitungsinterview scharfe Kritik an ÖSV-Präsident (und ÖOC-Vizepräsident) Peter Schröcksnadel.

Jungwirth missfiel Schröcksnadels Auftritt an einer Pressekonferenz am Dienstag. «Ich habe auf ihn eingeredet wie auf ein krankes Ross, erst dann zu reden, wenn wir Fakten haben. Aber der grosse Meister wollte die Pressekonferenz unbedingt halten», sagte Jungwirth.

Mehr als einen peinlichen Auftritt («We are such a small country to do good doping») hatte Meister Schröcksnadel nicht zu Stande gebracht. Schröcksnadel reagierte gelassen auf die Vorwürfe. «Für Jungwirth gibt es offenbar einen Konflikt zwischen ÖOC und ÖSV, für mich nicht.»

Gandlers Rundumschlag

Gestern Abend schritt der ÖSV in Sestriere zum grossen Gegenangriff. Ort des Geschehens war nicht etwa das Österreich-Haus (ÖOC-Hoheitsgebiet), sondern das benachbarte Hallenbad. Als Sprachrohr des Herrn Schröcksnadel fungierte Markus Gandler. Der Direktor der Sparten Langlauf und Biathlon versuchte, die Dinge ins für den ÖSV günstige Licht zu rücken.

Streitpunkt Nummer 1 ist der «Fall Walter Mayer». Mayer hatte die Razzien ausgelöst, weil er sich trotz einer bis 2010 wirksamen Aussperrung von Olympischen Spielen im Umfeld der Mannschaft aufhielt und sogar im Quartier der Biathleten übernachtete.

Gemäss Gandler hatte das ÖOC lange im Voraus gewusst, dass der mittlerweile als Sportlicher Leiter für Langlauf und Biathlon entlassene Mayer «privat» an die Turiner Winterspiele reise. Ein entsprechender Vorschlag sei vom ÖOC sogar genehmigt worden.

Nach einem Medientermin im Österreich-Haus sei Mayer von Generalsekretär Jungwirth freundschaftlich begrüsst worden. Jungwirth hatte nach den ersten Razzien behauptet, das ÖOC habe nichts mit Mayers Anwesenheit in der Olympia-Region zu tun, weil Mayer kein Mitglied der Delegation und nicht akkreditiert sei.

Bauernopfer

Gandler reklamierte, dass ihn das ÖOC als Bauernopfer auserkoren und zur Heimreise aufgefordert habe. Die Rückendeckung von «meinem, unserem Präsidenten Professor Peter Schröcksnadel» (Zitat Gandler) ist ihm (vorläufig?) gewiss.

Gandler verlangte Rehabilitierung, weil seine Athleten durch die nächtlichen Kontrollen in der Wettkampfvorbereitung gestört worden seien. «Es wurden uns durch die Kontrollen zwei faire Chancen genommen. Die Langlauf-Staffel und die Biathlon-Staffel hätten absolute Medaillenchancen gehabt. Wenn es sich um faire Winterspiele handelt, verlange ich wenigstens eine Erklärung des IOC oder der WADA. Ich wünsche mir eine Neuaustragung der Wettkämpfe.»

Gandler legte sich auch mit Dick Pound an. Der Präsident der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) hatte bestätigt, dass sowohl im heimischen Trainingsquartier (Pension von Walter Mayer) als auch in den Olympia-Unterkünften Instrumente zur Durchführung von Bluttransfusionen gefunden worden sind.

Gandler dementierte das entschieden und behauptete, beim Fund im Trainingsquartier habe es sich lediglich um ein Gerät zur Ermittlung des Laktatwerts gehandelt. Der Ermittlungsbericht der Staatsanwaltschaft wird zeigen, dass sich Gandler (auch) da massiv irrt.

(von Philipp Bärtsch, Sestriere/Si)

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