Ölpreis: US-Amerikaner lassen Auto stehen
publiziert: Donnerstag, 29. Mai 2008 / 07:08 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 29. Mai 2008 / 08:02 Uhr

Washington - Die USA treten auf die Bremse: Lange waren PS-starke Strassenschlitten das Sinnbild des Traums von Freiheit und grenzenloser Mobilität. Doch nun ändert der hohe Ölpreis das Verhalten der US-Amerikaner: Sie entdecken Busse und Bahnen.

Auf Perrons und an Haltestellen herrscht reges Gedränge.
Auf Perrons und an Haltestellen herrscht reges Gedränge.
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Die Preisrekorde an den Tankstellen lassen die Benzinfresser zum Inbegriff kostspieliger Verschwendung werden, die sich nicht mehr jeder leisten kann. Das zwingt Amerika zum umsteigen.

Der öffentliche Personenverkehr, lange ein mitleidig belächeltes Stiefkind der Stadt- und Verkehrsplaner, verzeichnet Rekordzuwächse an Fahrgästen - und kann den Ansturm nach jahrzehntelanger Vernachlässigung kaum bewältigen.

Höchste Nachfrage seit 50 Jahren

Die Verkehrsbetriebe in den USA erleben laut Branchenverband American Public Transport Association (APTA) inzwischen die höchste Nachfrage seit 50 Jahren - seit jener Zeit also, als die goldene Ära des Autos begann und die Bahnen aufs Abstellgleis wanderten.

Die APTA registrierte 2007 gut 10,3 Mrd. Fahrten, 2008 könnten es schon fünf Prozent mehr sein. Autos bleiben dafür immer öfter in der Garage. Im März 2008 fuhren die Amerikaner elf Mrd. Auto-Meilen weniger als im Vorjahresmonat. Das war ein Minus von 4,3 Prozent, so viel wie noch nie. Das Energieministerium prognostiziert, dass der Benzinverbrauch in den USA 2008 erstmals seit der Rezession von 1991 im Jahresverlauf sinkt.

Ebbe im Tank

Auf Perrons und an Haltestellen herrscht Geschiebe und Gedränge - etwa so wie zweimal am Tag während des Berufsverkehrs im Washingtoner Vorort Rosslyn. «Mit dem Bus dauert es länger, aber es spart Geld», sagt die Büroangestellte Carmen Sanchez, die mit dem Bus von ausserhalb hierher zur Arbeit pendelt.

«Früher habe ich im Monat zwei bis drei Tankfüllungen gebraucht, nun reicht eine.» In Washington kostet eine Gallone Benzin derzeit erstmals mehr als vier Dollar. Umgerechnet sind das gut 1 Franken pro Liter - nicht viel im Vergleich zu Europa, doch genug, um in den USA einen Preisschock auszulösen.

Verbandschef William W. Millar sieht eine Renaissance von Bus und Bahn. «Die Zahlen zeigen, wie wichtig der öffentliche Nahverkehr in den USA wird», erklärt der APTA-Cef.

Viel Neues im Westen

Während Grossstädte mit langer Bus- und Bahntradition wie Boston und New York immerhin ein Plus von mehr als fünf Prozent vorweisen, schnellen die Passagierzahlen derzeit vor allem in den autovernarrten Highway-Metropolen des Westens und des Südens nach oben. In Miami wiesen sie im April ein Jahresplus von 28 Prozent auf, in Charlotte waren es 34 Prozent, in Minneapolis 16 Prozent.

Die Verkehrsbetriebe fühlen sich vielerorts von der Entwicklung regelrecht überrollt. In Washington arbeitet das U-Bahn-Management an einem Notfallplan für den Fall, das der Benzinpreis auf mehr als fünf Dollar pro Gallone steigt.

Wie andere US-Städte auch setzt Washington ausserdem auf die Wiederbelebung der Strassenbahn, deren Trassen in den 50er- und 60er-Jahren für Autostrassen zuasphaltiert worden waren. In den nächsten Jahren sollen wieder Trambahnen durch die Hauptstadt rollen, auch die Südwest-Metropole Phoenix plant eine Tramlinie. Städte wie Denver und San Diego haben sie bereits gebaut.

(von Peter Wütherich, AFP/sda)

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