Ohne Federer gegen Holland ohne Chance
publiziert: Mittwoch, 2. Mrz 2005 / 13:59 Uhr / aktualisiert: Mittwoch, 2. Mrz 2005 / 14:16 Uhr

Das Schweizer Davis-Cup-Team steht ab Freitag vor einer enorm schwierigen Aufgabe. Ohne die klare Nummer 1 Roger Federer treffen die Spieler um Captain Marc Rosset in Freiburg als Aussenseiter auf die Holländer.

Das personifizierte "Sicherheitsnetz" Roger Federer konzentriert sich auf seine eigene Karriere.
Das personifizierte "Sicherheitsnetz" Roger Federer konzentriert sich auf seine eigene Karriere.
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Um die Schweizer Davis-Cup-Erfolgsformel der letzten Jahre zu begreifen, bedarf es keines Mathematik-Studiums. Roger Federer musste seine zwei Einzel gewinnen und im Normalfall auch das Doppel zum Erfolg führen. Die erste Vorgabe erfüllte er praktisch immer perfekt (er gewann 13 seiner letzten 14 Daviscup-Einzel) und auch im Doppel stellte er an der Seite wechselnder Partner (Lorenzo Manta, George Bastl, Marc Rosset, Yves Allegro) stets seinen Mann.

Jetzt, da sich der Dominator des Welttennis schweren Herzens nach sechs Jahren erstmals zu einer Pause zu Gunsten seiner persönlichen Karriere entschieden hat, stellt sich nur eine Frage: Wie soll die Schweiz ohne Federer an einem Wochenende drei Punkte holen? Seit der Münchensteiner 1999 seinen ersten Ernstkampf bestritt, schafften es nur noch Rosset, Bastl und Michel Kratochvil, am dritten Tag bei noch nicht entschiedenem Spielstand ein Einzel zu gewinnen.

Aus Fünf mach Vier

In Abwesenheit des personifizierten "Sicherheitsnetzes" aus dem Baselbiet muss nun die zweite Garde Leistung bringen. Coach Ivo Werner und Captain Marc Rosset, die auch auf Kratochvil verzichten müssen, haben mit Stanislas Wawrinka, Ivo Heuberger, Marco Chiudinelli, George Bastl und Yves Allegro fünf Spieler aufgeboten. Heute müssen sie das Team vor der Auslosung auf vier Mann reduzieren. Logisch, dass sich Rosset vor der offiziellen Deadline nicht in die Karten schauen lassen wollte. "Ich kann nur sagen, dass Stan nicht Doppel und Yves nicht Einzel spielen wird", verkündete der lange Genfer am Dienstag kaum Überraschendes.

Wawrinka, den männiglich schon letztes Jahr gegen Frankreich als Einzelspieler erwartet hatte, dürfte zu seinem Einzeldebüt kommen. Der Waadtländer schlug vor zwei Wochen indoor in Rotterdam Sébastien Grosjean, erreichte im Challenger in Andrézieux seinen ersten Final in der Halle und hat sehr gut trainiert.

"Stan ist heiss", liess sich Rosset noch entlocken. Die besten Karten für die zweite Einzelposition scheinen Rookie Chiudinelli (Sieger gegen Andrej Pavel in Doha und Halbfinalist im Challenger in Wrexham) und der harte Arbeiter Bastl zu haben, der bei einigen ehrenvollen Davis-Cup-Niederlagen nie enttäuscht und teilweise überzeugt hat. Für Bastl spricht zudem der Formstand: Er hat 21 der letzten 29 Partien gewonnen. Denkbar ist auch, dass beide je ein Spiel bestreiten und einer von ihnen an der Seite des gesetzten Allegro zum Handkuss im Doppel kommt.

Obwohl er der zweitbestklassierte Einzelspieler im Team ist, könnte Heuberger die "Tribünenkarte" fassen. Der St. Galler Rheintaler gilt nicht als Alternative fürs Doppel und hat als Handicap den letztjährigen schwachen Match in Lausanne gegen Arnaud Clément vorzuweisen.

Schalken Hollands klarer Leader

Die Holländer, die im Gegensatz zu einigen anderen grossen Nationen der Weltgruppe seit 1991 ununterbrochen angehören, müssen mit Martin Verkerk ebenfalls auf den bestklassierten Spieler verzichten, sind aber mit drei Top-100-Spielern in einer vergleichsweise komfortablen Lage. Ihre klare Nummer 1 Sjeng Schalken ist zwar infolge Pfeifferschen Drüsenfiebers auf Platz 73 abgerutscht, befand sich aber in den letzten Wochen wieder klar im Aufwind und ist deutlich stärker einzuschätzen als seine Klassierung.

Die zweite Einzelposition dürfte unter den zuletzt verletzt gewesenen Peter Wessels und Raemon Sluiter ausgemacht werden. Für den beidseitig zweihändig spielenden Sluiter sprechen vor allem eine gute Bilanz im Team-Wettbewerb, die grössere Erfahrung sowie die Form (Turniersieg in Lübeck letzte Woche).

Support der Weltnummer 1

Federer, der grosse Abwesende, wird die Partie natürlich interessiert verfolgen. Er traut seinen Kollegen einiges zu, will sich aber nicht einmischen: "Ich stehe voll hinter ihnen, glaube aber nicht, dass der eine oder andere Tipp von mir entscheidend sein wird. Ich denke, sie können den Heimvorteil ausnützen." Rosset glaubt trotz des Handicaps an seine Truppe: "Klar wären wir mit Roger viel stärker. Aber die anderen haben nun eine fantastische Gelegenheit, ein Stück Schweizer Tennis-Geschichte zu schreiben."

Programm:

Davis Cup. Schweiz - Holland in Fribourg (Halle/Rebound Ace; 4300 Zuschauerplätze). Freitag, 13.00 Uhr: 1. Einzel, anschliessend 2. Einzel. -- Samstag, 12.45 Uhr: Eröffnungszeremonie, anschliessend Doppel. -- Sonntag, 13.00 Uhr: 3. Einzel, anschliessend 4. Einzel. -- Referee: Jorge Dias (Por). -- Stuhl-Schiedsrichter: Enric Molina (Sp), Kader Nouni (Fr).

Teams

Schweiz: 4 Spieler aus Stanislas Wawrinka (Technisches Ranking Einzel 118/Doppel 284), Ivo Heuberger (132/373), Marco Chiudinelli (150/194), George Bastl (177/318), Yves Allegro (846/38). -- Captain: Marc Rosset.

Holland: Sjeng Schalken (73/-), Peter Wessels (78/282), Raemon Sluiter (93/125), Dennis van Scheppingen (124/344). -- Captain: Tjerk Bogstra.

Head-to-Head: 4:2. -- Letzte Partie: 3:2 für die Schweiz 2003 in der 1. Runde in Arnheim.

(Marco Keller/Si)

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