Olympia-Bronze soll für Nino Schurter nur der Anfang seinMit drei Gold- oder zumindest Medaillenanwärtern war das Schweizer Männer-Team zum olympischen Mountainbike-Rennen gestartet. «El Nino», der Junge, holte Bronze: Nino Schurter.
(tri/Si)

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In London will Schurter Gold.
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«Die letzte Runde gegen 'Susi' war brutal hart», so Nino Schurter.
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Nino Schurter war völlig erschöpft.
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| Nino Schurter, Sie waren an der Siegerehrung ganz gerührt. Was ging Ihnen durch den Kopf, als die Medaille um Ihren Hals baumelte?Nino Schurter: «Ich war einfach nur glücklich. Wenn mir vor dem Rennen jemand Bronze angeboten hätte, hätte ich eingeschlagen. Noch in der zweitletzten Runde befand ich mich in einer ziemlich grossen Gruppe. An einem schlechteren Tag wäre ich vielleicht nur Achter geworden. Die letzte Runde gegen »Susi« (Christoph Sauser) war brutal hart, ich musste voll ans Limit. Da kamen mir auf dem Podest dann schon ein paar Tränen.»
Mit der Medaille haben Sie wohl auch die letzten Stimmen zum Verstummen gebracht, die es lieber gesehen hätten, wenn statt Sie der WM-Dritte Ralph Näf selektioniert worden wäre. Schurter: «Ich hätte ein sehr schlechtes Gewissen gehabt, wenn ich zum Beispiel aufgegeben hätte. Ich habe versucht, mir so wenig Druck wie möglich zu machen, und bin happy, dass ich das Bestmögliche rausgeholt habe.»
War das nicht eine extrem schwierige Situation, als Julien Absalon und Jean-Christophe Peraud weg waren und Sie wussten, dass nur noch eine Medaille übrig ist? Schurter: «Das überraschte mich schon. Ich hatte gehofft, dass ein Schweizer gewinnen würde, damit der Mountainbike-Sport bei uns ein bisschen gepusht würde. Es ist hart, dass nach dem dreifachen WM-Erfolg hier kein Schweizer Olympiasieger geworden ist. Ich wusste, dass Absalon die Saison ganz auf Olympia ausgerichtet hat und dass man gewinnt, wenn man ihn schlägt. Peraud hatte ich weniger auf der Rechnung. Als auch er wegfuhr, machte ich gerade eine kleine Krise durch und dachte nicht mehr daran, dass ich noch eine Medaille holen würde. Ich hatte zweimal einen Bidon verpasst, es hätte mich fast aufgestellt.»
Es muss speziell gewesen sein, am Schluss ausgerechnet gegen Christoph Sauser um die Medaille zu fighten. Schurter: «Ich wusste, dass ich meine Chance packen kann, wenn ich mit ihm auf den letzten Kilometer komme. Da verfüge ich über mehr Spritzigkeit als er. Obwohl ich grausam litt, versuchte ich im letzten steilen Aufstieg zu attackieren und kam ein paar Meter weg. Da hat es Susi im Kopf wohl ein bisschen abgestellt.»
War das heutige Rennen der Beweis, dass Weltmeisterschaften und Weltcup in einem Olympia-Jahr weniger aussagekräftig sind? Schurter: «Es gibt viele Athleten, die sich voll auf Olympia konzentrieren. Wenn die Spiele nicht gewesen wären, hätte vielleicht Absalon die WM gewonnen. Ein Olympia-Jahr ist eben sehr speziell. Jeder hat im Hinterkopf, dass diese Chance nur alle vier Jahre kommt. Ich habe gespürt, dass das mental sehr schwierig ist.»
Hätten Sie in der Vorbereitung etwas anders gemacht, wenn der interne Konkurrenzkampf nicht gewesen wäre und Sie Ihr Ticket auf sicher gehabt hätten? Schurter: «Einerseits haben wir uns gegenseitig extrem gepusht, wir Schweizer waren noch nie so stark wie in diesem Jahr. Wir mussten einfach so stark sein, sonst wären wir hier nicht dabei gewesen. Auf der anderen Seite wäre die Olympia-Vorbereitung wohl ein etwas besser gewesen, wenn wir schon früher gewusst hätten, wer qualifiziert ist. Ob der Weg richtig oder falsch war, ist schwierig zu sagen. Für mich stimmt es so.»
Sie haben bis jetzt eine steile Karriere hingelegt, man hat den Eindruck, es sei immer nur aufwärts gegangen. Gab es auch Rückschläge?
Schurter: «Eigentlich nicht. Viele Ziele, die ich mir gesetzt habe, habe ich erreicht. Ich hoffe, es geht so weiter und ich kann in den vier Jahren bis London noch weitere Schritte vorwärts machen.»
Was haben Sie für Erinnerungen ans Olympia-Rennen von Athen 2004? Schurter: «Ich habe es am Fernsehen verfolgt und gedacht, dass ich vielleicht gerade einen ungünstigen Jahrgang habe und es für Peking knapp werden könnte. Jetzt habe ich sogar eine Medaille geholt. Und dabei war ich an der WM noch nicht einmal bei der Elite am Start.»
Sie haben mit dem Schweizer Mountainbike-Pionier Thomas Frischknecht einen prominenten Mentor, der in ihrer Mannschaft jetzt vom Teamkollegen zum Teammanager wird. Hatten Sie seit der Ankunft in Peking Kontakt mit ihm? Schurter: «Ja. Ich habe vor dem Rennen noch ein langes E-Mail gelesen. Er schrieb, wir sollen jetzt zuschlagen, weil wie in vier Jahren vielleicht nicht so gut in Form seien. 'Frischi' ist eine grosse Hilfe für uns. Ich habe in den letzten fünf Jahren viel von ihm profitiert. Auch jetzt hat er uns viele Tipps geben können. Die ersten Spiele sind sehr speziell, es gibt so viel, das einen ablenken könnte.»
Im letztjährigen Testrennen auf der Olympia-Strecke hatten Sie grosse Probleme mit der schlechten Luft. Schurter: «Die Bedingungen waren ganz anders. Der Smog war so stark, dass es mich an den Armen juckte. Im Rennen bekam ich Reizhusten und musste aufgeben. Abklärungen ergaben dann, dass ich bei stark verschmutzter Luft Asthma habe. Ich bekam dann ein Attest für ein entsprechendes Medikament.»
Julien Absalon hat Sie bereits zum Favoriten für London 2012 gestempelt. Schurter: «Es ehrt mich, dass er mir das zutraut. Ich hoffe, ich kann in den nächsten Jahren bei der Elite so wie hier vorne mitfahren. Ich werde mein Bestes geben, um in vier Jahren als Favorit an den Start gehen kann. Ab jetzt ist London mein Ziel. Dort will ich Gold holen.»
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