Olympia-Gold für Freunde Federer und Wawrinka
publiziert: Samstag, 16. Aug 2008 / 20:59 Uhr / aktualisiert: Samstag, 16. Aug 2008 / 21:25 Uhr

16 Jahre nach Marc Rosset im Einzel hat die Schweiz das zweite olympische Tennis-Gold. Roger Federer/Stanislas Wawrinka gewannen in Peking den Doppel-Final durch einen verdienten 6:3, 6:4, 6:7 (4:7), 6:3-Sieg gegen die Schweden Simon Aspelin/Thomas Johansson.

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Die Bilder werden um die Welt gehen: Roger Federer und Stanislas Wawrinka fielen sich nach dem Matchball auf dem Boden ebenso in die Arme wie nach dem Halbfinal gegen die Bryan-Zwillinge und zeigten so einmal mehr ihre Harmonie. Die Harmonie stimmte bei den beiden Top-Ten-Spielern hundertprozentig. Sie hatten ihre Rollen, die sie das ganze Jahr als Einzelspieler einnehmen müssen, aufgegeben.

Entsprechend war auch die Freude. Federer zur Frage, wo er diesen Titel im Vergleich zu seinen 12 Major- und 43 anderen Titeln einstufe: «Sicher so wichtig wie Grand-Slam-Titel oder den Gewinn des Masters Cup. Aber dass ich diesen Titel nun mit Stan feiern kann, ist einzigartig und lässt sich mit nichts vergleichen, höchstens noch mit besonderen Erfolgen im Davis Cup.»

Aspelin, der Schwachpunkt

Die grosse Frage, die sich vor dem Showdown stellte, war, ob Simon Aspelin die Pace würde halten können. Er, der reine Doppelspieler, der auf der Tour seit 2000 kein Einzel mehr gespielt hat und sich an lange Partien nicht gewohnt ist, sollte besondere Mühe haben, einen zweiten Marathon zu verkraften, nachdem er am Vortag 286 Minuten auf dem Platz gestanden war.

Und tatsächlich ging die Rechnung auf: Aspelin, immerhin 2007 US-Open-Sieger an der Seite des Vorarlbergers Julian Knowle, bekundete von Anfang an grosse Mühe bei seinen Aufschlaggames, was die sich hervorragend ergänzenden Schweizer in den ersten 45 Minuten zu zwei Breaks (zum 3:1 im ersten und zum 2:1 im zweiten Satz) nützten, welche die Basis zur 2:0-Satzführung legten.

Ab dem dritten Satz wurde es dann ausgeglichener, Federer und Wawrinka mussten selber in fast jedem Game Breakbälle abwehren und verloren letztlich das Tiebreak. Im vierten Satz war es dann erneut Aspelin, der seinen Service abgab, worauf Federer und Wawrinka zum grossen Triumph ausservierten.

Federers beeindruckende Konstanz...

Federer zeigte während der ganzen Turnierwoche, dass er einer der herausragenden Doppelspieler der Welt ist und dies trotz minimaler Spielpraxis. Die aktuelle Nummer 562 im Doppel-Ranking spielte konstant auf hohem Niveau und hatte eine vorbildliche Einstellung, von der sich so mancher weit geringere Star mehrere Scheiben abschneiden könnte. Er half Wawrinka vor allem in der Anfangsphase, als dieser (wie auch im Einzel) nicht ins Turnier fand.

...und Wawrinkas gewaltige Steigerung

Und der 23-Jährige zahlte ihm das Vertrauen mit Zins und Zinseszins zurück. Als Federer aufgrund der Einzel-Niederlage gegen James Blake anfällig war, übernahm er Verantwortung und steigerte sich massiv. Auch für ihn war jener Moment wichtig: «Es hat gereicht, dass er mich ein wenig aufgemuntert hat und sagte, es sei nicht das Ende der Welt.»

Die Steigerung Wawrinkas führte dazu, dass er in den Matches gegen die Spezialisten Mahesh Bhupathi/Leander Paes und Bob Bryan/Mike Bryan nicht nur mithielt, sondern wirklich zum kongenialen Partner avancierte. Auch im Final war er jederzeit auf der Höhe und deutlich mehr als «nur» der Mann neben Federer. Wawrinka zu seinen eklatanten Doppel-Fortschritten: «Natürlich hat man zusätzlichen Druck, wenn man mit dem weltbesten Spieler aller Zeiten spielt. Er hat aber die richtigen Worte gefunden und das war der Schlüssel.»

«Ein Stuhl, Getränke und Atmosphäre...»

Viel Zeit bleibt den Schweizern nicht, diesen Erfolg zu feiern, der unerbittliche Tennis-Kalender lässt einmal mehr keine Verschnaufpause zu. Federer wird schon heute mit seinem Team inklusive Severin Lüthi per Privatjet nach New York fliegen, Wawrinka reist morgen an die Stätte des US Open, das am Tag nach der Olympia-Schlussfeier beginnt.

Immerhin stand gestern nach Mitternacht noch ein Besuch im House of Switzerland zur Medaillenfeier im Programm. Die Frage, ob er zur Feier des Tages im olympischen Dorf schlafen werde, beantwortete Federer lachend: «Heute Nacht brauchen wir wohl kein Bett. Es reichen ein Stuhl, Getränke und eine gute Ambiance.» «Genau so ist es», bestätigte Wawrinka. Einmal mehr waren sich die beiden einig.

(Marco Keller/Si)

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