Olympische Spiele: Davos abgelehnt - Chance für umstrittenes Zürich
publiziert: Montag, 29. Mrz 2004 / 18:00 Uhr / aktualisiert: Montag, 29. Mrz 2004 / 19:15 Uhr

Davos kann nicht für die Olympischen Winterspiele 2014 kandidieren, Zürich hat eine Chance, die Stadt muss sich aber stärker engagieren. Dies entschied der Exekutivrat von Swiss Olympic am Montag in Bern.

Der Exekutivrat hat sich gegen eine Zulassung der Initiative 'Davos' ausgesprochen.
Der Exekutivrat hat sich gegen eine Zulassung der Initiative 'Davos' ausgesprochen.
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"Zürich 2014" werde nur mit klaren Auflagen zur nationalen Bewerbungsphase um die Durchführung Olympischer Winterspiele zugelassen, teilte Swiss-Olympic-Präsident Walter Kägi nach zweistündiger Beratung mit. Hingegen ist die Initiative "Davos 2014" wegen Nichterfüllens technischer Anforderungen und mangelnder Rückendeckung seitens der Regierung ausgeschieden.

12 der 15 Mitglieder des Exekutivrats, darunter IOC-Mitglied Marc Hodler, trafen die Entscheide. Abwesend waren IOC-Mitglied Denis Oswald, Skiverbands-Vertreter René Vaudroz und der Basler Regierungsrat Jürg Schild.

Nach der einstimmigen Grundsatzfassung des Schweizer Sportparlaments im letzten Herbst, für die Spiele 2014 zu kandidieren, setzte Swiss Olympic schärfere Bedingungen fest. Man wollte nach der Blamage von "Berne 2010" (Schlappe in der Volksabstimmung) eine "gute Kandidatur mit Chancen auf internationaler Ebene".

Eine Initiative aus dem Kanton Wallis wurde zurückgezogen, je ein Projekt aus Davos und Zürich (mit den Kantonen Zürich, Schwyz und Graubünden als Träger) standen zur Vorauswahl. Bezüglich Davos kam der Exekutivrat von Swiss Olympic zum Schluss, das Projekt sei "zu weit von unseren Richtlinien entfernt." Ausserdem lag ein Schreiben des Regierungsrates des Kantons Graubünden vor, der sich stärker hinter die Bewerbung von Zürich als hinter jene von Davos stellte. Der Einbezug von Zürich und Einsiedeln seien unerlässlich, so die Bündner Regierung.

Im Falle der Zürcher Initiative gab es harte Diskusssionen innerhalb des Exekutivrats, doch schliesslich fiel der Entscheid deutlich. Mit welcher Stimmenzahl, blieb geheim. "Technisch", so Walter Kägi, "hat Zürich eine sehr gute Ausgangslage und verdient es auf alle Fälle, weiter bearbeitet zu werden."

Zürich als grosses Fragezeichen

Die gegenwärtige Haltung des Zürcher Stadtrats ist Swiss Olympic jedoch ein Dorn im Auge. Am 21. Januar 2004 stellte die Stadtregierung fest: "Die Stadt Zürich wird keine zusätzlichen Olympiabauten erstellen und kann sich auch an den Kosten und den finanziellen Risiken nicht beteiligen." Kägi: "Das widerspricht den grundlegenden Anforderungen an eine Host City. Momentan gibt es in dieser Kandidatur gar keine Host City -- aber ohne eine klares Bekenntnis wird es auch keine Schweizer Olympiakandidatur geben."

Bis spätestens zum 1. Dezember hat die Stadt Zürich Zeit, um ihre Meinung zu ändern -- vielleicht unter Druck der drei interessierten Kantone, die möglicherweise zusätzliche Verpflichtungen eingehen werden. Zürich, Schwyz und Graubünden hatten bereits beschlossen, für die Projektkosten in Höhe von 370 000 Franken aufzukommen.

Enttäuschung auf Davoser Seite

Fredy Pargätzi, der Davoser Spengler-Cup-Präsident und Initiator der Olympia-Initiative, erfuhr in Finnland vom Entscheid und zeigte sich "ausserordentlich enttäuscht. Ich bin nach wie vor der Meinung, wir hätten eine gute Kandidatur, aber wir müssen den Entscheid akzeptieren. Der Brief des Regierungsrates hat uns nicht geholfen."

Im Einzelnen waren bei Swiss Olympic neben der fehlenden Unterstützung durch den Kanton für die Absage an Davos ausschlaggebend: "die erheblichen Abweichungen zum verlangten Profil, insbesondere die Erschliessung des Prättigau, Distanzen zu internationalem Flughafen, zu vage Planung olympisches Dorf, Unterbringung der Gäste und Medien in der Parahotellerie, fragliche Nachhaltigkeit von einigen Sportstätten."

"Gute Chance" in Zürich

Zufriedener zeigte sich logischerweise Gérard Jenni, Hallenstadion-Direktor und Promoter der Zürcher Bewerbung. Er hatte damit gerechnet, dass von Swiss Olympic "gewisse Auflagen kommen, die wir jetzt mit den Kantonen und der Stadt Zürich analysieren werden." Jenni sieht "eine gute Chance", dass sich die Stadt Zürich stärker hinter das Vorhaben stellen wird.

Für Martin Rutishauser, den Generalsekretär von Swiss Olympic, der in der Projektgruppe der Kandidatur Einsitz nehmen wird, gibt es in technischer Hinsicht eine Hauptfrage: "Wo finden die Schneekonkurrenzen statt?" Dazu gibt es zwei Möglichkeiten: entweder alles in Hoch-Ybrig oder am Ende der (Autobahn-)Achse Zürich - Chur von Chur aus in der Alpenarena (Flims/Laax) und in Lenzerheide. "Ich könnte mit beiden Varianten leben", sagte Rutishauser. Betreffend Hoch-Ybrig wurden von Bernhard Russi gewisse Vorabklärungen getroffen. Für den nordischen Skisport ist Einsiedeln ebenso unbestritten wie Zürich für den Eissport, und Bob/Schlitteln würde wohl eher in St. Moritz als auf einer temporären Bahn am Hirzel ausgetragen.

(bert/Si)

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