Leichtathletik
Olympische Spiele an einem Abend
publiziert: Dienstag, 28. Aug 2012 / 20:13 Uhr / aktualisiert: Dienstag, 28. Aug 2012 / 21:20 Uhr
Sprinter Yohan Blake heute bei 'Jugend trainiert mit Weltklasse Zuerich'.
Sprinter Yohan Blake heute bei 'Jugend trainiert mit Weltklasse Zuerich'.

Eine Woche nach der Athletissima in Lausanne steht die Schweiz dank Weltklasse Zürich Donnerstag bereits wieder im Brennpunkt der internationalen Leichtathletik-Szene. Wiederum dreht sich vieles um das «Fernduell» zwischen Usain Bolt und Yohan Blake.

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Die beiden jamaikanischen Superstars sorgen mit ihrem Auftritt im Letzigrund am Mittwoch für eine Weltpremiere. Weder Bolt noch Blake machten bislang ausserhalb von internationalen Titelkämpfen oder nationalen Trials dem gleichen Land innert weniger Tage zweimal ihre Aufwartung. Bolt wird bei seinem fünften Auftritt in Zürich die persönliche Meeting-Bestzeit über 200 m wohl gleich um mehrere Zehntelsekunden verbessern. Letztmals über seine Lieblingsdistanz lief der sechsfache Olympiasieger im Letzigrund 2007, als er als damals frisch gekürter WM-Silbermedaillengewinner bei kühler Witterung genau eine Sekunde über seinem heutigen Weltrekord (19,19) geblieben war.

Letztmals ein Rennen im Letzigrund bestritt Bolt vor drei Jahren. Unmittelbar nach seinen Fabelweltrekorden an den Weltmeisterschaften in Berlin gewann er bei Weltklasse Zürich den 100-m-Lauf in 9,81 Sekunden. 2010 brach er die Saison wegen Rückenbeschwerden vorzeitig ab, vor einem Jahr legte er unmittelbar nach den Welttitelkämpfen in Daegu (SKor) eine kurze Pause ein. Bis in die Haarspitzen motiviert ist Bolt nach den Olympischen Spielen nicht mehr. Mit dem Gewinn von drei Goldmedaillen machte er sich gemäss eigener Definition zu einer Legende, nun will er für den Rest der Saison «Spass haben, die Rennen geniessen und verletzungsfrei bleiben». Weltrekorde sind frühestens im nächsten Jahr wieder ein Thema.

Obschon er am vergangenen Donnerstag etwas müde gewirkt hatte, lief Bolt die halbe Bahnrunde auf der Pontaise in einer äusserst respektablen Zeit (19,58). Gleichwohl sorgte nicht der 26-Jährige für das Highlight des Abends, sondern sein Trainingspartner Yohan Blake. «The Beast» realisierte über 100 m in 9,69 die drittbeste Zeit der Geschichte. Anders als Bolt ist der 22-Jährige auch am Saisonende noch immer voller Tatendrang und will über 100 m seinen Vorjahressieg in Zürich wiederholen. Der Weltmeister bekommt es in der Königsdisziplin, die im Letzigrund nicht zum Diamond Race zählt, mit Tyson Gay und Ryan Bailey zu tun. Ausser Blake und den beiden Amerikanern sind zudem vier weitere Sprinter gemeldet, die heuer bereits unter 10 Sekunden geblieben sind. Über die halbe Bahnrunde stehen neben Bolt fünf Athleten in den Startblöcken, die in diesem Jahr die 20-Sekunden-Marke unterboten haben.

Rudishas Blick Richtung Weltrekord

Zwei Highlights stehen Donnerstag Abend im EM-Stadion von 2014 schon vor den beiden Sprintrennen der Männer an. Unmittelbar vor Blakes Auftritt könnten die 25'000 Zuschauer Zeugen des 26. Weltrekords im Letzigrund werden. Um 20.40 Uhr nimmt der kenianische Wunderläufer David Rudisha über 800 m seine vor drei Wochen in London aufgestellte Bestmarke (1:40,91) ins Visier. Als erster Höhepunkt kündigt sich das Rennen über 400 m Hürden mit Felix Sanchez an. Um nach 2001 bis 2004 zum fünften Mal in Zürich siegreich zu sein, muss der zweifache Olympiasieger aus der Dominikanischen Republik an seinem 35. Geburtstag wie in London gegenüber seinem amerikanischen Herausforderer Michael Tinsley die Oberhand behalten. Im ersten Rennen nach seinem emotionalen Olympia-Triumph war Sanchez dies in Stockholm nicht gelungen.

Im 100-m-Rennen der Frauen kommt es erneut zum Duell zwischen der Olympiasiegerin Shelly-Ann Fraser-Pryce und der Olympia-Zweiten Carmelita Jeter (USA). In Lausanne behielt Jeter gegenüber ihrer jamaikanischen Rivalin nach einem Fotofinish die Oberhand. Mit Blessing Okagbare (Nig), Kelly-Ann Baptiste (Tri) und Allyson Felix (USA) fordern drei weitere Olympia-Finalistinnen die derzeit schnellsten zwei Frauen heraus. Felix wird dies wenige Stunden nach ihrem Eintreffen in der Schweiz am Donnerstagmorgen tun. Heute Abend wurde sie in ihrer Heimat von Amerikas First Lady Michelle Obama für ihre drei Olympiasiege (200 m, 4x100 m, 4x400 m) geehrt.

«Wir haben alles unternommen, um aus Weltklasse Zürich 2012 etwas ganz Besonderes zu machen», sagte Meeting-Direktor Patrick Magyar. Dank 15 Einzel-Olympiasiegern und 14 amtierenden Weltmeistern wird der Anlass im Letzigrund zum neunten Mal in Folge das bestbesetzte Leichtathletik-Meeting der Welt sein. Zwei Goldmedaillengewinner von London - Tomasz Majewski (Pol) und Valerie Adams (Neus) - kämpfen bereits heute Abend ab 17.30 Uhr im Zürcher Hauptbahnhof im Kugelstoss-Final der Diamond League um den Sieg. Wie Javier Culson (Puerto Rico/400 m Hürden), Renaud Lavillenie (Fr/Stab), Christian Taylor (USA/Drei) und Sandra Perkovic (Kro/Diskus) kann Adams in der Disziplinen-Wertung der Diamond League nicht mehr eingeholt werden. In 12 von 17 in Zürich ausgetragenen Disziplinen ist der Ausgang im Diamond Race noch offen.

Weniger Schweizer im Hauptfeld

Von Swiss Athletics schafften lediglich drei Athleten die Aufnahme in eines der hochkarätig besetzten Starterfelder des morgigen Hauptprogramms - zwei weniger als vor Jahresfrist. Alex Wilson (Old Boys Basel) kommt über 200 m zum dritten Mal in diesem Monat die Ehre zuteil, gegen Usain Bolt laufen zu dürfen. Der Schweizer Meister und Olympia-Halbfinalist legte in dieser Saison eine erfreuliche Konstanz an den Tag und blieb bereits fünfmal unter 20,70 Sekunden. Die Weitspringerin Irene Pusterla (Vigor Ligornetto) kehrt auf jene Anlage zurück, die ihr besonders liegt. 2010 wurde die Tessinerin Dritte, vor einem Jahr verpasste sie im Letzigrund, wo ihr Vater Fabrizio vor 42 Jahren den noch heute gültigen Schweizer U18-Rekord über 100 m aufgestellt hatte (10,48), das Podest nur um einen Zentimeter.

Der dritte Schweizer im Hauptprogramm ist Alexander Hochuli (LC Zürich). Für den mehrfachen Schweizer Meister im Dreisprung ist der Auftritt im ausverkauften Letzigrund ein absolutes Karriere-Highlight. Der 28-Jährige hat noch nie an einem internationalen Grossanlass teilgenommen. Abgeschlossen wird das zweitletzte Diamond-League-Meeting der Saison mit dem Staffel-Rennen der Männer über 4x100 m («Zürich Trophy»). Mit Wilson, Marc Schneeberger, Amaru Schenkel und Rolf Fongué treten für die Schweiz voraussichtlich jene Sprinter an, die in Helsinki den 5. EM-Rang erreicht haben.

(fest/Si)

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