Onkel Doktor – hoch verdünnt
publiziert: Freitag, 14. Jan 2011 / 12:00 Uhr

Das Volk hat entschieden und der Bundesrat spurt. Obwohl die Expertenkommission – zum wiederholten Mal – festgestellt hat, dass an den alternativen Heilmethoden nichts Nachweisbares dran ist, kommen fünf von diesen ab nächstem Jahr bis mindestens 2017 wieder zurück in die Grundversicherung. Obwohl dies eindeutig... diskriminierend ist.

Onkel Doktor, hoch verdünnt: Homöopathische Tröpfchen, garantiert Wirkstofffrei
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Nun ist den Lesern dieser Kolumne vermutlich bekannt, dass der Autor Globuli und andere Globi-Medizin für Quatsch hält. Aber das ist nicht relevant, denn die Volksabstimmung war klar: Gutfühlmedizin gehört zurück in die Grundversicherung und wenn's mehr kostet, sind die Krankenkassen schuld.

Doch ein Problem wurde nicht berücksichtigt: Das der Diskriminierung. So wird die traditionelle chinesische Medizin (Nadeln gegen alles, Tigerpenis und Nashornpulver gegen Potenzprobleme) wieder finanziert, aber die Inder mit ihrem Ayurveda bleiben auch während der Versuchsphase aussen vor! Werden hier Inder bewusst benachteiligt? Ich fordere hiermit alle ayurvedischen Heilpraktiker auf: Klagt auch auf die Liste!

Ebenso sträflich vernachlässigt wird Uriellas Badewasser. Sicher, wir haben schon lange nichts mehr von unserer liebsten spirtuell-albernen Lichtgestalt gehört, aber das von ihr angerührte Badewasser hatte genau so viele aktive Wirkstoffe wie homöopathische D30 Tröpfchen... nämlich gar keine. Und wenn jemand daran glaubt, wie an Hahnemanns nicht-Medizin, dann wirkt das Zeug auch genau gleich gut und müsste genau gleich von der Versicherung übernommen werden.

Und auch sonst bleiben – ohne irgendwelche sachliche Begründung – Osteopathen, Magnetopathen, Geistheiler, Philipinische Hühnerklein-Chirurgen, Wallfahrten nach Lourdes, Anrufe bei Mike Shiva, eine Neueinrichtung der Wohnung nach Feng Shui, aussen vor, werden nicht einmal getestet, obwohl sie keinen Deut weniger wirksam als die 5 Methoden sind, die nun in den Handkuss einer Pflichtsubvention durch die KK-Prämien kommen.

Denn all diese Dinge können Menschen gut tun – wie auch Sweat-Lodge-Rituale bei Indianern, Schröpfköpfe und ein kleiner Exorzismus – und sogar manche Krankheiten, vor allem psychosomatische, zum Verschwinden bringen. Genau wie die berühmt berüchtigten Globuli. Und Bachblüten... Sie sehen, es nimmt kein Ende. Wenn also Rechtsgleichheit herrschen soll, dann entweder alles oder nichts.

Nur... was haben diese – in Doppelblind-Versuchen, sofern dies möglich ist (probieren Sie mal einen Sweat-Lodge Doppel-Blind-Versuch durch zu führen... viel Spass dabei) – auf dem Niveau von Placebo wirkenden Pseudo-Heilmethoden gemein, dass sie so populär sein lässt?

Es ist praktisch immer das Gefühl, dass sich jemand um den Patienten kümmert, auf seine Probleme eingeht. So steht bei Homöopathen meist ein langes Aufnahmegespräch am Anfang, ein Gespräch, das vielen Patienten so gut tut, dass es schnurzegal ist, wenn sie danach nichts als Zuckerkügelchen oder Wasser ohne jegliche Wirkung bekommen. Der Effekt liegt darin, sich ernst genommen zu fühlen und als Patient und Leidender.

Die Erkenntnis, dass Ärzte für ein ausführliches Patientengespräch nicht adäquat verrechnen können und sie wegen des Kostendrucks zu «Abfertigern» geworden sind, ist vermutlich der wahre Grund für das sehnen vieler Patienten, diese emotionale Medikation bei einem Alternativ- «Mediziner» zu erhalten, wo diese integraler Teil der «Behandlung» ist.

Irgendwann einmal hiess es noch, das man zum «Onkel Doktor» gehe. Und es war keine leere Phrase. Der Hausarzt war ein Vertrauter der Familie, er kannte seine Pappenheimer und die kannten ihn. Das Vertrauen und die Vertrautheit waren Teil der Behandlung und haben vermutlich manche psychosomatisch ausgelöste Krankheit genau so gut geheilt, wie es ein Homöopath oder Akkupunkteur jemals hinkriegen können. Doch diese Zeiten sind vorbei. Der Onkel Doktor ist nicht einmal mehr entfernter Verwandter. Dafür wird er vom Heilpraktiker hoch verdünnt verabreicht.

Dies ist die Lücke, welche die Alternativmedizin für viele Menschen schliesst und man darf sich fragen, ob es nicht vernünftiger wäre, Patientengesprächen bei Ärzten mehr monetären und fachlichen Wert zu geben, statt willkürlich ausgewählte Pseudo-Heilmethoden in die Grundversicherung auf zu nehmen. Davon könnten vermutlich sowohl Ärzte, Patienten und die Gesundheitskosten profitieren. Und die Inder müssten nicht zusammen mit Uriella vor Gericht ziehen.

(von Patrik Etschmayer/news.ch)

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alternative Medizin
ja, es hat schon was, mit Logik hat das wenig zu tun, daher mal was fürs Leben und eine eigene Erfahrung: habe eine ordentlich Kniearthrose - ging zum Chinesen - die Arthrose war weiterhin da (wie könnte die sich auch duch Nadeln vertreibenlassen). Gang zum Arzt - Cortisonspritze ins Knie + flankierende Massnahmen wie: Muskeltraining, Bewegung und vernüftiges Essen - Voila - keine Schmerzen mehr - OK, Arthrose noch immer da und irgendwann ruft das künstliche Knie, nur, dank der eigenen Anstrengung etwas später. Dies alles hat mit Groboli u.ä. bei Gott nichts zu tun sonder mit der Einstellung, den Willen etwas zu verändern und es dann aber auch zu tun. Sorry an all Kügelchenliebhaber. Uebrigens mein Hund, der weiss nichts von Groboli - wurde dank diesen auch NICHT geheilt, hat die Arthrose immer noch - you got the message :-) auf der Hoffnung lässt sich unmenge Geld machen, Nachdenken hilft da weiter. Auch wichtig, die Möglichkeit sich zu äussern, zu reden etc., da brauchts auch ein gesundes Umfeld - hier ist tatsächlich der Hausarzt gefragt. Der hat leider heute kaum mehr Zeit, weils keiner mehr werden will (zu wenig Verdienst), dafür springen die alternativ Mediziner mit fraglichen Methoden in die Bresche - und.... es funktioniert. Leider zum Schaden des Patienten. Es hilft bei eingebildeten Krankheiten (Moliere), aber sonst. Sehr gefährlich und fraglich.
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ja, es hat schon was, mit Logik hat das wenig zu tun, daher mal was fürs Leben und eine eigene Erfahrung: habe eine ordentlich Kniearthrose - ging zum Chinesen - die Arthrose war weiterhin da (wie könnte die sich auch duch Nadeln vertreibenlassen). Gang zum Arzt - Cortisonspritze ins Knie + flankierende Massnahmen wie: Muskeltraining, Bewegung und vernüftiges Essen - Voila - keine Schmerzen mehr - OK, Arthrose noch immer da und irgendwann ruft das künstliche Knie, nur, dank der eigenen Anstrengung etwas später. Dies alles hat mit Groboli u.ä. bei Gott nichts zu tun sonder mit der Einstellung, den Willen etwas zu verändern und es dann aber auch zu tun. Sorry an all Kügelchenliebhaber. Uebrigens mein Hund, der weiss nichts von Groboli - wurde dank diesen auch NICHT geheilt, hat die Arthrose immer noch - you got the message :-) auf der Hoffnung lässt sich unmenge Geld machen, Nachdenken hilft da weiter. Auch wichtig, die Möglichkeit sich zu äussern, zu reden etc., da brauchts auch ein gesundes Umfeld - hier ist tatsächlich der Hausarzt gefragt. Der hat leider heute kaum mehr Zeit, weils keiner werden will (zu wenig Verdienst), dafür springen die alternativ Mediziner mit fraglichen Methoden in die Bresche - und.... es funktioniert. Leider zum Schaden des Patienten wenns keine psychosomatische Krankheit ist
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